Pokalfinale

Fußballparty in Schwarz-Gelb

5:2 gegen Bayern im Pokalfinale: Dortmund krönt Saison mit erstem Double der Klubgeschichte

- Die Spieler von Borussia Dortmund tanzten bereits ausgelassen an der Seitenlinie, da war das 69. Endspiel um den DFB-Pokal lange noch nicht beendet. Doch die Gewissheit, nach der erfolgreichen Titelverteidigung in der Deutschen Meisterschaft nun auch den nationalen Cup zu holen, das erste Double in der Vereinsgeschichte perfekt zu machen, war längst vorhanden. Bei den Akteuren auf dem Platz. Beim Trainerteam um Jürgen Klopp. Und natürlich beim BVB-Anhang, der ebenso ausgelassen feierte, im Stadion wie in der Waldbühne. Und es war nicht irgendein Pokalsieg, den die Dortmunder gestern Abend im Olympiastadion zustande brachten. 5:2 (3:1) gegen den FC Bayern München - der Meister hat den Rekordpokalsieger lächerlich gemacht.

Kapitän Sebastian Kehl war der erste, der seine Emotionen in Worte fasste. "Wir haben gezeigt, dass wir zu Recht die Meisterschaft und den Pokal geholt haben. Wir waren immer präsent, es war unbeschreiblich. Man hatte heute das Gefühl, wir packen sie wieder. Fünf Tore gegen die Bayern - sensationell", sagte der Dortmunder Mittelfeldspieler. Sein Trainer Jürgen Klopp rang nach dem dritten Pokaltriumph des BVB nach 1965 und 1989 um Fassung: "Das war ein Pokalfinale, wie man es sich als Dortmunder nicht besser vorstellen kann. Eiskalt zugeschlagen, tolle Tore gemacht - das ist definitiv nicht in Worte zu fassen, was in uns abläuft."

Weidenfeller verletzt ausgewechselt

Schwarz-Gelb feierte - und ließ fassungslose Bayern zurück. "Wir dürfen uns nicht beklagen. Unser gesamtes Defensivverhalten war katastrophal. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben. Man muss nüchtern feststellen, dass wir den Sieg nicht verdient haben", sagte Münchens Coach Jupp Heynckes. Vor 75.708 Zuschauern im seit Wochen ausverkauften Olympiastadion - darunter Bundespräsident Joachim Gauck - blieben die Bayern wie im Vorjahr ohne nationalen Titel.

Das Unheil für die Münchner nahm bereits in der 3. Minute seinen Lauf. Gleich der erste Angriff der Westfalen führte zum 1:0. Luiz Gustavo hatte einen Fehlpass gespielt, und der BVB zeigte seine große Stärke: das schnelle Spiel nach vorn. Gustavo fälschte den Ball ab, Jakub Blaszczykowski lief auf Bayern-Torwart Manuel Neuer zu, passte auf Shinji Kagawa, und der Japaner schob freistehend zur Führung ein. "Wir laden den Gegner durch unsere Fehler immer wieder ein", bilanzierte Bayern-Kapitän Philipp Lahm.

Die Bayern konnten es nicht fassen, dass sie gegen den BVB schon wieder zurücklagen. Neuer holte den Ball aus dem Tor und rief seinen Vorderleuten zu: "Weiter!" Tatsächlich erholten sich die Bayern schnell vom dem Schock und kamen zu ihrer ersten Chance: Arjen Robben spielte auf Mario Gomez, doch BVB-Torhüter Roman Weidenfeller lenkte seinen Schuss ins Toraus (8.). Eine Situation mit Folgen: Nach dem Zweikampf mit Gomez lag Weidenfeller mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und ließ sich behandeln. Alles deutete auf eine Auswechslung hin, doch der Torwart spielte zunächst weiter.

Die Münchner hatten nun deutlich mehr Ballbesitz und kontrollierten die Partie. Ihnen fehlten im Offensivspiel allerdings einmal mehr die Ideen, die Dortmunder Viererkette bot ihnen kaum Freiräume. Einmal hob Mats Hummels bei einem Pass von Bastian Schweinsteiger dann aber das Abseits auf, und Gomez lief erneut frei auf Weidenfeller zu. Der Torhüter kam einen Tick zu spät, warf sich mit den Armen voran in die Beine des Stürmers, Gomez fiel, und Schiedsrichter Peter Gagelmann entschied zu Recht auf Elfmeter (23.). Die Bayern-Bank sprang auf und forderte die Rote Karte, Gagelmann beließ es bei Gelb.

Und wer nahm sich den Ball? Arjen Robben. Ausgerechnet der Niederländer. Beim 0:1 im Bundesligaspiel gegen Dortmund am 11. April war er kurz vor Schluss bei einem Strafstoß an Weidenfeller gescheitert. Schon vor dem Pokalfinale hatte er angekündigt, dieses Mal wieder schießen zu wollen. Er zielte in dieselbe Ecke wie damals - und traf, 1:1 (25.). Das Spiel war wieder offen. Bayern war jetzt besser. Kapitän Philipp Lahm stürmte mit nach vorn, Hummels blockte seinen Schuss in letzter Sekunde. Weidenfellers Schmerzen wurden nach dem Zusammenprall mit Gomez in der Anfangsphase so stark, dass er sich auswechseln ließ. Für ihn brachte Trainer Jürgen Klopp den Australier Mitchell Langerak ins Spiel (34.). Weidenfeller wurde mit Atemproblemen ins Krankenhaus gebracht, zur Siegerehrung war er jedoch wieder im Stadion. "Es ist alles geröntgt worden, zum Glück ist nichts gebrochen", sagte der Torhüter.

Doppelschlag vor der Pause

Die Münchner drängten auf die Führung - doch Nationalverteidiger Jerome Boateng beging einen folgenschweren Fehler. Er grätschte im Strafraum ungestüm Blaszczykowski um, und Gagelmann pfiff folgerichtig wieder Elfmeter. Hummels schoss ins rechte Eck, Neuer warf sich in die richtige Richtung, kam aber nicht an den Ball - 2:1 (41.). Dieses Gegentor steckten die Bayern nicht mehr so gut weg wie das erste. Dortmund nutze das eiskalt aus. Kagawa passte auf Torjäger Robert Lewandowski, und der traf in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum 3:1. Gustavo und Boateng standen auch hier wieder sehr schlecht.

Heynckes reagierte und wechselte zur zweiten Halbzeit Thomas Müller für Luiz Gustavo ein. Doch viel änderte sich nicht. Weil Dortmunds eingewechselter Torhüter Langerak einen unnötigen Ausflug aus seinem Tor unternahm, kam Robben an den Ball. Das Tor war leer, doch statt aus 40 Metern zu schießen, spielte er auf Gomez, der den Ball an Hummels verlor (50.). Die Bayern stürmten ideenlos an, Dortmund konterte. Lewandowski nutze einen solchen und erhöhte nach Pass von Kevin Großkreutz auf 4:1 (58.). Selbst Franck Riberys Anschlusstor brachte keine Aufbruchstimmung (68.). Im Gegenteil, nach einem katastrophalen Patzer von Nationaltorhüter Manuel Neuer setzte Lewandowski den Schlusspunkt (81.). Und die Dortmunder Spieler begannen zu tanzen.