Kreuzbandriss

Lasogga: "Die Jungs müssen das für mich durchziehen"

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Stürmer fällt sechs Monate mit Kreuzbandriss aus

- Sogar Hertha-Präsident Werner Gegenbauer war am Morgen nach der katastrophalen Diagnose extra in die Kabine gekommen. Er wollte Pierre-Michel Lasogga trösten, der am Tag zuvor beim 3:1 von Hertha gegen Hoffenheim einen Kreuzbandriss erlitten hatte. "Junge, das wird schon wieder", sagte ihm Gegenbauer also, und mag das angesichts von sechs Monaten Ausfallzeit ein schwacher Trost sein, so ist es doch eine nette Geste.

Die schlimmsten Befürchtungen hatten sich etwa zwei Stunden nach der großen Party im Olympiastadion bestätigt. Gegen 19.45 Uhr war Pierre-Michel Lasogga an Krücken ins Unfallkrankenhaus in Marzahn gehumpelt. Als er etwa 90 Minuten später wieder auf die Straße trat, hatte er das rechte Knie bereits geschient, er wird fast die komplette Hinrunde der kommenden Saison ausfallen. "Wir sind sehr froh, dass wir dieses wichtige Spiel gewonnen haben. Aber die Verletzung von Pierre ist ein absoluter Wermutstropfen", sagte Hertha-Manager Michael Preetz, "dass Pierre am Boden zerstört ist, ist logisch. Er bekommt jetzt alle Unterstützung von uns. Der Junge ist ein absoluter Kämpfer, er wird auch diese schwere Zeit durchstehen und noch stärker zurückkommen."

Lasogga war am Sonnabend vom Platz getragen worden, nachdem er sich das Knie verdreht hatte. Noch auf dem Feld zeigte er an: Das ist eine schlimmere Verletzung. Lasogga ist mit acht Treffern Herthas bester Torschütze und wird dem Klub in den Relegationsspielen bitter fehlen.

Auf der anderen Seite kann seine Verletzung - so abstrus das klingt - für Hertha tatsächlich noch von Vorteil sein. Im Abstiegsfall muss der Verein jetzt nicht mehr fürchten, das Talent an einen anderen Klub zu verlieren. Sein Gehalt wird die Spielergewerkschaft zahlen, er blockiert also auch keinen Platz im Kader. Hertha hatte zuletzt intern immer wieder durchblicken lassen, dass Lasogga einer der wenigen Spieler ist, die auch im Abstiegsfall gehalten werden sollen.

Und doch: Für einen jungen, aufstrebenden Stürmer ist diese Diagnose natürlich eine persönliche Katastrophe. Lasogga nahm sie trotz allem aber kämpferisch auf: "Klar, dass ich total fertig bin. Ich wusste sofort, dass da etwas gar nicht in Ordnung ist. Aber ich komme zurück. Jetzt müssen die Jungs das Ding auch für mich durchziehen." Lasogga hatte sich in seiner ersten Bundesliga-Saison überraschend gut durchgesetzt. Vor der Spielzeit hatte es durchaus Kritiker gegeben, die ihm die Erstligareife absprachen. Lasogga sei zu schlecht in der Ballbehandlung, war oft zu hören. Sicher ist er technisch nicht so versiert wie sein Partner Adrian Ramos. Ausgestochen hat er den hochbezahlten Kolumbianer trotzdem: Ihm gelangen bislang nur sechs Treffer.

( mkl )