Kampfsport

Boxverbot für den Krieger

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Matthias Brzezinski

Nach dem Duell mit Afolabi verordnet Manager Sauerland dem Weltmeister Huck eine Pause

- Am Ende waren die beiden Hauptakteure, ihre Trainer, Manager, die knapp 7000 Zuschauer in Erfurt und die rund vier Millionen Zuschauer bei der ARD vermutlich in einem Punkt einig. Cruisergewichts-Weltmeister Marco Huck hatte seinen Titel nur dank einer unglaublichen Willensleistung mit Erfolg gegen seinen britischen Kontrahenten Ola Afolabi verteidigt. Huck, der 27 Jahre alte Champion nach Version der World Boxing Orginization (WBO), versetzte seine Fans und vor allem Trainer Ulli Wegner an den Rand einer Panik, als er in der Pause zur fünften Runde erklärte: "Ich bin müde." Ein Geständnis, das bei noch acht ausstehenden Runden schon fast einer Niederlage gleichkommt.

Afolabi, 32 Jahre alt und seit geraumer Zeit Sparringspartner der ukrainischen Brüder Vitali (40) und Wladimir (35) Klitschko, ließ von Beginn an die nicht zu übersehenden Defizite des Titelverteidigers deutlich werden. Er setzte den Berliner unter Druck, zwang ihn in die so ungeliebte Defensive. Und Huck musste Treffer hinnehmen, die der talentierte Brite immer wieder raffiniert anbringen konnte. Aber Huck ist physisch bärenstark und erfahren. Der boxerisch überlegene Brite taumelte dann seinerseits in den Runden neun und zwölf am Abgrund. Durch den berühmt-berüchtigten Schlaghagel von Huck in Richtung Orientierungslosigkeit gebracht, rettete ihn der Rundengong vor einem möglichen K.o. "Ich habe einfach die Augen zugemacht und reingeknallt. Das kann ich sehr gut", nannte Huck, im Gesicht schwer gezeichnet und mit bandagierter rechter Hand, später das Rezept, das sich auf den Zetteln der Punktrichter am Ende zu zweimal 114:114 und einmal 115:113 für den Titelverteidiger addierte. "Ich bin ein Krieger im Ring. Ich wollte unbedingt den Titel behalten", so Huck. Immerhin gestand der Schützling von Manager Wilfried Sauerland aber freimütig ein: "Mein Kampf gegen Alexander Powetkin hat mich doch mehr Substanz gekostet, als ich gedacht habe." Den Ausflug ins Schwergewicht gegen den russischen Champion hatte Huck am 25. Februar in Stuttgart mit einer 1:2-Punktniederlage beendet.

Zu wenig Zeit zur Regeneration also und zusätzlich noch fast zehn Kilo Gewicht abtrainieren müssen? Für Manager Sauerland gab es zwei Feststellungen, die zu treffen waren: "Es war ein richtiger Huck-Fight. Da geht die Post ab. Die Leute haben getobt und sich gefreut. Das war auf seine Art schon gut." Doch gleichzeitig stellte er klar: "Vor Oktober geht Marco nicht wieder in den Ring."

Huck-Trainer Ulli Wegner (70) war nach den zwölf Runden ungewöhnlich ruhig. "Wie Marco sich zusammengerissen hat, wie er das Ding gedreht hat, das war weltklasse. Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, mit dem Kampf nicht ganz."

In die gleiche Kerbe schlug Afolabi-Coach Fritz Sdunek. "Beide haben sich eindeutig zu viel an die Birne gehauen. Ola hatte mehr Treffer, Marco mehr Wirkung und den Weltmeister-Bonus", so der 65-Jährige.

Eine bittere Niederlage gab es für den ehemaligen Halbschwergewichts-Europameister Thomas Ulrich. Bei seinem Comeback war der 36-Jährige, 1996 Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen in Atlanta, erschreckend chancenlos gegen Dustin Dirks (23, beide Berlin). Einer akzeptablen Auftaktrunde folgte die Bankrotterklärung bis hin zum K.o. nach zwei Minuten in Runde vier.