Basketball

Entscheidung an der Freiwurflinie

| Lesedauer: 5 Minuten
Theo Breiding

Alba bezwingt Würzburg im ersten, hart umkämpften Play-off-Viertelfinale mit 75:67. Taylor und Wood beste Werfer

- Der erste Schritt ist getan. Anders als Topfavorit Bamberg bei der Heimniederlage gegen Bonn gaben sich die Basketballer von Alba Berlin zum Play-off-Start keine Blöße. Sie schlugen die Baskets aus Würzburg im ersten Spiel des Viertelfinales mit 75:67 (44:31) und führen in der "Best of five"-Serie mit 1:0. Am Mittwoch (19 Uhr) müssen sie zu Spiel zwei in Franken antreten. Für Albas Geschäftsführer Marco Baldi war es ein ganz besonders gelungener Tag, denn erstens wurde vor 10.927 Zuschauern in der O2 World keinerlei Aufhebens um seinen 50. Geburtstag gemacht, zum anderen hatte er "nicht sein schönstes, aber wichtiges Geschenk bekommen. Es war ein typisches Play-off-Spiel", analysierte der Jubilar, "ohne Fluss und ohne Rhythmus".

Die "fünfte Jahreszeit", wie das Play-off genannt wird, begann mit zwei extrem aggressiv verteidigenden Mannschaften und einem Alba-Team, das die hart erarbeiteten Würfe vom Start weg besser traf als die Gäste. Gleich die ersten Dreier von Kyle Weaver und DaShaun Wood saßen - 8:2 (3.). Alba behielt anfangs auch noch aus zwei weiteren Gründen die Oberhand. Zum einen verhinderten sie zweite Chancen der Würzburger, in dem sie mehr Rebounds holten. Zum anderen hatte sie Coach Gordon Herbert gut auf die Ganzfeldverteidigung der Baskets eingestellt. Mal brachte Kapitän Wood den Ball in die gegnerische Hälfte, mal Weaver, dann sogar auch Center Torin Francis. Letzterer bediente Derrick Allen mit einem äußerst sehenswerten Pass, den Albas Forward zum 16:10 (7.) versenkte. Iannis Kalampokis erhöhte aus der Distanz auf 20:13 (9.), bevor die Franken noch im ersten Viertel auf 21:17 verkürzten.

Franken lassen sich nicht abhängen

Zu Beginn des zweiten Durchgangs traf Alba nichts. Dafür warfen sich die Gäste ein. Nach den ersten beiden Würzburger Dreiern durch Maximilian Kleber und Ivan Elliot lagen die Berliner 21:25 zurück (13.). In solchen Momenten war Herberts Team in der Vergangenheit nervös und unsicher geworden, gestern entschied es sich anders: Es legte zu, antwortete mit einer 10:0-Serie, die Marko Simonovic und Wood mit ihren Dreiern krönten (31:25/16.). Als die Gäste abermals zum 31:31 ausgeglichen hatten, spielte sich Alba - angeführt von Bryce Taylor und Wood - vorübergehend in einen Rausch. Den folgenden dreizehn Punkten der Berliner hatte Würzburg nicht einen entgegenzusetzen.

Nach der Pause brauchte Alba 4:58 Minuten, bis Zählbares auf der Anzeigetafel erschien, verteidigte aber so verbissen, dass sich der Schaden in Grenzen hielt. Als Wood die Durststrecke beendete, führte seine Mannschaft immer noch 46:39. Eine Flut von Körben folgte auch danach nicht, die Berliner mussten sich im dritten Viertel mit sechs Punkten begnügen. Gut, dass die Verteidigung stand, so kam Würzburg auch nur auf 14 Zähler. Zehn Minuten vor dem Ende stand es 50:47, die Gäste waren in Schlagdistanz.

Sollte Basketball wirklich mal ein körperloses Spiel gewesen sein, hatte die Partie gestern nichts mehr damit zu tun. Die Würzburger witterten ihre Chance, gleich das erste Spiel der Serie und damit Albas Heimvorteil zu stehlen. Die Berliner, die weiterhin schlecht trafen, hielten mit allem dagegen, was sie hatten. Fuß an Fuß, Schulter an Schulter, Brust an Brust wurde um jeden Ball gekämpft. "Dahin zu gehen, wo es weh tut", hatte Herbert gefordert. Jetzt tat es überall weh.

Beeindruckende Trefferquote

Eine Zahl belegt das rustikale Klima, das weitestgehend die Würzburger ins Spiel brachten, besonders gut: Alba erzielte 19 der insgesamt 25 Punkte des Schlussviertels von der Freiwurflinie, Ebenso beeindruckend: Die Berliner leisteten sich dabei nicht einen einzigen Fehlwurf, trafen im ganzen Spiel 26 von 28 Versuchen (93 Prozent). Vier Minuten vor dem Ende lagen die Hausherren dennoch erneut mit 56:58 zurück. Die Würzburger setzten jetzt fast ausschließlich auf Distanzwürfe, trafen aber nur selten, und da Alba nach wie vor die Hoheit unter den Körben hatte, das Reboundduell mit 37:31 gewann, wuchs der Rückstand nicht weiter an. "Wir wussten, dass Würzburg so stark ist, dass sie jede Chance nutzen, um zurückzukommen", sagte Iannis Kalampokis nach seinem ersten Play-off-Spiel in der Bundesliga. "Man muss die Konzentration wirklich 40 Minuten lang hochhalten."

Zu den Helden des Abends wurden allerdings Yassin Idbihi, der entscheidende Rebounds holte und Bälle blockte und Taylor, der mit seiner Athletik einen Pass ins Nichts mit letzter Kraft vor dem Aus rettete, sich unter dem gegnerischen Korb durchsetzte und am Ende mit 19 Punkten vor Wood (17) Berlins Topscorer war. Für Coach Herbert wahrscheinlich nicht allzu überraschend, denn er findet, dass "Taylor in den letzten Monaten so etwas wie einen Killerinstinkt entwickelt hat".

Wie für den Rest der Mannschaft war der erste Gang gegen Würzburg auch für Idbihi "das erwartet harte Spiel. Es ist ein enger Kampf, der über vier, fünf Spiele gehen kann". Auf Baldis Geburtstag angesprochen, sagte er: "Das war kein besonderes Geschenk, wir schenken ihm lieber nachträglich die Meisterschaft." Das wird ein langer Weg.