Boxen

Huck-Kampf wird zum Duell der Trainerlegenden

In Erfurt treffen sich auch Wegner und Sdunek

- Sie sind ganz einfach Freunde - seit nunmehr 43 Jahren. Ulli Wegner (70) und Fritz Sdunek (65). Doch am Sonnabend, in Erfurt, ruhen die Sympathien für exakt oder maximal 47 Minuten. Zwölf Mal drei, in denen geboxt wird - und elf Mal eine, in der sich die Charaktere der zwei in ihren Worten widerspiegeln. Worten, die sie ihren Schützlinge Marco Huck (Wegner) und Ola Afolabi (Sdunek) mit auf den Weg geben. Wegner in seinem unverwechselbaren Duktus, Sdunek stets der Fels in der Brandung.

Es ist das zweite Duell (ab 23 Uhr/ARD) zwischen dem 27 Jahre alten Berliner Huck (36 Kämpfe, 34 Siege), Cruisergewichts-Weltmeister nach Version der World Boxing Organization (WBO), und dem fünf Jahre älteren Briten. Für Afolabi (24 Kämpfe, 19 Siege), mittlerweile im Team der Klitschkos unter Vertrag - nicht zuletzt als Sparringspartner - ist es vielleicht die letzte Chance, selbst Weltmeister zu werden. Dementsprechend locker kommentiert er seine Niederlage vom 5. Dezember 2009, als er sich Huck in Ludwigsburg nach Punkten beugen musste.

"Bei unserem ersten Aufeinandertreffen war ich nicht richtig vorbereitet, um Huck richtig gefährlich werden zu können. Ich war mit meiner Fitness nicht zufrieden. Das soll keine Ausrede sein, Huck war an dem Abend besser. Aber jetzt trainiere ich bei Herrn Sdunek. Er hat mich vorangebracht. In der Technik und in meiner Disziplin", so Afolabi, der in Los Angeles lebt. "Jetzt weiß ich, warum er als einer der besten Trainer weltweit gilt. Auch die Tatsache, dass ich bei den Trainingslagern von Vitali und Wladimir Klitschko dabei bin, ist ein Vorteil."

Kilos wieder wegtrainiert

Was Huck selbstredend anders sieht. "Afolabi ist stärker geworden. Aber ich habe in der Zwischenzeit auch nicht geschlafen. Er wird an meiner Härte zerbrechen. Den WM-Traum erfülle ich ihm nicht", so der Titelverteidiger, der Mitte des Jahres erstmals Vater wird ("Ich platze vor Stolz").

Nach seinem Schwergewichts-Kampf am 25. Februar in Stuttgart gegen Alexander Povetkin unterzog sich Huck zunächst einem intensiven Ausdauer-Training, um die für die Königsklasse angefutterten Kilos wieder in Vergessenheit geraten zu lassen. Anschließend intensivierte er nochmals seine Schlagkraft-Übungen.

Auch die Trainer stellen sich hinter ihre Schützlinge. "Wir werden für eine Überraschung sorgen. Nach dem Kampf wird es 2:1 für mich stehen", sagt Sdunek. "Wenn er 100 Prozent bringt, müsste Marco am Ende vorn liegen", hält Wegner dagegen.

Zum ersten Mal in einem Profikampf trafen beide vor zwölf Jahren aufeinander, als der von Sdunek betreute Vitali Klitschko die "deutsche Eiche" Timo Hoffmann (Halle/Saale) nach Punkten besiegen konnte. Sieben Jahre später triumphierte Wegners Mittelgewichts-Weltmeister Arthur Abraham in Berlin gegen Khoren Gevor durch K.o. in Runde elf.

Erstmals im Ring standen sich beide 1969 gegenüber - als Amateure. Sdunek bestritt in Gera einen Kampf gegen Wegners Schützling. "Ich gewann nach Punkten", freut er sich heute noch. Die Reihe der von ihnen betreuten Weltmeister ist schlicht atemberaubend. Sdunek zeichnete unter anderem für die Champions Dariusz Michalczewski, Ralf Rocchigiani, Vitali und Wladimir Klitschko oder Felix Sturm verantwortlich. Wegner formte Sven Ottke, Markus Beyer, Arthur Abraham, Marco Huck oder Yoan Pablo Hernandez zu Titelinhabern.