Markus Babbel

Die Wahrheit liegt neben dem Platz

Warum Markus Babbel vor Herthas Endspiel gegen Hoffenheim großen Redebedarf hat

- Als wären da nicht schon genug Emotionen. Für Hertha BSC geht es am 34. und letzten Bundesliga-Spieltag um alles oder nichts. Mit einem Sieg am Sonnabend gegen Hoffenheim dürfen die Berliner weiter von der Bundesliga träumen. Vorausgesetzt, der FC Bayern leistet gegen Köln Schützenhilfe. Und vorausgesetzt, die Berliner würden den Umweg der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten meistern. Siegt Hertha jedoch gegen Hoffenheim nicht, steht am Ende der Saison der Abstieg. Sandhausen statt Dortmund, sieben Millionen Euro TV-Einnahmen statt 19 Millionen in der Bundesliga - wieder einmal wäre Berlin die einzige Hauptstadt in Europa ohne Fußball-Erstligisten.

Als wären das nicht genug der Emotionen, einer tut alles, um die Stimmung weiter zu befeuern. So behauptet Ex-Trainer Markus Babbel zwar, er "habe mit dem Kapitel Berlin abgeschlossen. Jetzt bin ich Trainer in Hoffenheim." Dafür, dass ihn das Thema Hertha nichts mehr angeht, vergeht aber kein Tag, an dem Babbel vor dem Abstiegsendspiel im Olympiastadion große Interviews gibt. Von "Tagesspiegel" bis "BZ" - Babbel hat erheblichen Redebedarf. Einziges Thema: Wie übel ihm in der Hauptstadt mitgespielt worden sei. In der "BZ" inszeniert Babbel sein "glückliches Eheleben". Und ist empört, dass über ihn "Frauen-Gerüchte" in die Welt gesetzt werden. Babbel: "So ein Unfug. Ich weiß, dass seit meiner Entlassung gezielt Gerüchte verbreitet werden." In Wahrheit, so erzählt die Geschichte, sei Babbel ein treusorgender Ehemann. Ein, wie Ehefrau Silke zitiert wird "toller Familienmensch". Eine der kuriosen Volten dieser Woche liegt darin, dass es ausgerechnet Babbel ist, der die Schublade mit der Aufschrift "Gerüchte" aufzieht und sich als Erster dazu äußert - bisher hatte das Thema in den Medien nicht stattgefunden.

Rückblende: Im Mai 2010 war Markus Babbel in Berlin gelandet, er hatte Aufbruchstimmung beim damaligen Absteiger verbreitetet. Allerdings kursieren die Gerüchte nicht erst seit dem abrupten Ende der Arbeitsbeziehung kurz vor Weihnachten 2011. Diese Gerüchte sind schon länger bekannt. Schon bei der Zweitliga-Krise im Spätherbst 2010 - Hertha verlor damals fünf von sieben Pflichtspielen - lautete das Thema hinter der sportlichen Krise: Babbels kompliziertes Leben außerhalb der Trainingszeiten.

Frau Babbel sagt für ihren Mann ab

In einer Art Vorwärtsverteidigung stellte sich Babbel damals vor die erfahrenen Spieler und legte sein Schicksal in die Hände des Teams. Er sei seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht geworden. Er sei verantwortlich für die Krise. Aber wenn die Mannschaft bereit sei, für ihn zu kämpfen, werde er sie aus der Krise herausführen. Resultat: Hertha fand zurück in die Erfolgsspur, zum Saisonende gelang der Aufstieg samt Zweitliga-Meisterschaft souverän. Was blieb, waren Irritationen um Babbel. Als Belohnung für die Saison flog der gesamte Tross im Mai 2011 für fünf Tage nach Mallorca. Einer ließ in der Nacht vor der Abreise telefonisch bei Präsident Werner Gegenbauer absagen. Silke Babbel teilte am Handy mit: Kein Ausflug mit der Mannschaft, ihr Mann werde zu Hause in München erwartet.

Aufsteiger Hertha startete ordentlich in die Bundesliga-Saison, aber die Merkwürdigkeiten um den Trainer wollten nicht enden. Die Rede war von anonymen Briefen mit angeblich pikanten Details über Babbels Leben in Berlin, adressiert waren die an seine Ehefrau in München. Die nahm Kontakt zu Hertha auf. In diversen Gesprächen Anfang November 2011 versuchte der Klub, Babbel zu helfen. Ob er Anzeige gegen Unbekannt erstatten wolle? Ob eine Detektei eingeschaltet werden solle? Babbel, so wird berichtet, lehnte jedoch alle Angebote ab.

Insofern waren die mit den Verhältnissen vertrauten Beobachter nicht überrascht, als der Trainer am 18. Dezember seine Entscheidung, sich nicht länger an Hertha binden zu wollen, so begründete: "Schlussendlich sind es private Gründe."

Da fällt es schon auf, dass Babbel aktuell im "Tagesspiegel" seinen Weggang mit dem begründete, was er vor vier Monaten ausdrücklich ausgeschlossen hatte: mit sportlichen Aspekten. Er habe sich gegen Hertha entschieden, so Babbel heute, weil "ich mich sportlich weiterentwickeln wollte. Meine Vorstellungen und die von Hertha haben nicht zusammengepasst."

Der Schein-Frieden zu Weihnachten

Im Nachhinein muss man feststellen, dass die Mitteilung, die Babbel und sein ehemaliger Arbeitgeber am 22. Dezember 2011 veröffentlichten, nicht das Papier wert war, auf dem sie gedruckt wurde. "Wir haben gemeinsam und einverständlich alle Meinungsverschiedenheiten erledigt und jeden Streit beigelegt", hieß es.

Bei Hertha BSC nervt das Thema gewaltig. Manager Michael Preetz sollte festgenagelt werden, wann er Babbel die Hand reichen werde, vor oder nach dem Schicksalsspiel? Preetz: "Wenn wir uns über den Weg laufen." Grundsätzlich blieb er bei seiner Linie: Kein Kommentar vor der Partie, dazu wird es später vor den Mitgliedern noch Gelegenheit geben.

Die Blau-Weißen müssen gegen Hoffenheim gewinnen. Trainer Otto Rehhagel sagte: "Dass es Störfeuer von außen gibt, erlebt man immer wieder. Davon müssen sich die Spieler freimachen. Denn die Wahrheit liegt auf dem Platz." Im Übrigen: "Was ich am meisten hasse, ist Klatsch und Tratsch."

Immerhin hat Babbel bis Dezember mit dem gesamten Hertha-Kader intensiv und relativ erfolgreich zusammengearbeitet (mit Ausnahme von Felix Bastians, der erst im Januar vom SC Freiburg verpflichtet worden war). Welche Auswirkungen haben dessen Dauer-Statements aus Hoffenheim für den Kader? Den einer Extra-Motivation? Oder genau das Gegenteil? Manager Preetz: "Das spielt überhaupt keine Rolle. Es geht um den Klassenerhalt für Hertha BSC, um nichts anderes."