Erfolgreich

Rath reitet mit Wunderhengst Totilas aus der Krise

Dressur-Duo siegt in Hagen mit Bestleistung

- Hoch gelobt, tief gefallen - und wieder aufgestanden: Matthias Alexander Rath hat am Wochenende beim Turnier in Hagen das Herz eines großen Sportlers gezeigt. Die Vorzeichen waren nicht günstig, der Druck brutal groß. Doch der Dressurreiter hat seinen Millionenhengst Totilas mit ruhiger Hand durch die Lektionen geführt. Er ist zurück in der Weltspitze und hat im Olympiajahr vielleicht eine bessere Ausgangsposition als noch vor eineinhalb Jahren, als sie ihm diesen Totilas in den Stall stellten.

"Für ihn freut es mich ganz besonders", sagte der neue Bundestrainer Jonny Hilberath nach den zwei Siegen von Rath in Grand Prix und Kür mit persönlicher Bestleistung. "Was er im vergangenen Jahr durchmachen musste, war schon fast unmenschlich. Diese Kritik und Häme in den Internet-Foren und Medien - das geht einfach zu weit", sagte der 56-Jährige und erinnerte an den August 2011, als Totilas bei der EM unter Rath den Wunderpferd-Status verlor.

Hilberath ist erst seit einer Woche im Amt, seitdem sein Freund und Vorgesetzter Holger Schmezer am 19. April im Hotelzimmer von 's-Hertogenbosch verstarb. Hilberath ist ein warmherziger Mensch, das spürt man gleich. Der Tod von Schmezer hat ihm zugesetzt, er musste Interviews abbrechen, weil er nicht mehr sprechen konnte. Doch jetzt hat er die Aufgabe angenommen, auch wenn ihm dieses Schwarz-Weiß-Denken der Kritiker noch immer ein Dorn im Auge scheint.

Doch Hilberath weiß auch, dass sein Job manchmal keine Zwischentöne mehr zulässt. So muss er im Juli einigen Reitern sagen, dass sie nicht zu Olympia fahren. Wie wichtig das Projekt Olympia vor allem für das Lager von Rath ist, zeigen die Anstrengungen, die in den vergangenen Monaten unternommen wurden. Das Deckprogramm des Hengstes wurde geändert. Vater und Trainer Klaus Martin Rath stellte das Aufwärmprogramm auf dem Abreiteplatz um. Totilas wird dort härter rangenommen. Der Kopf des Vierbeiners wurde in Hagen dabei auffallend lange an den Hals gezogen, um ihn gefügiger zu machen. Einige sprachen von "Rollkur" und schlugen Alarm. Der Bundestrainer blieb zurückhaltend: "Man kann darüber diskutieren", sagte Hilberath: "Totilas wurde bei seiner Ausbildung in den Niederlanden oft so trainiert. Vielleicht muss man die alten Gewohnheiten pflegen, wenn man Erfolg haben will."