Kommentar

Abschotten ist der falsche Weg

Daniel Stolpe über Herthas Rückzug von den Fans

Was war das für ein buntes Treiben am Feiertag bei Hertha BSC. Familien mit ihren Kindern nutzten den 1. Mai, um bei herrlichem Sommerwetter Berlins prominentesten Fußballern bei der Arbeit zuzusehen, Autogramme ihrer Idole zu ergattern und Fotos mit ihnen zu machen. Trotz des drohenden Abstiegs aus der Bundesliga lag kein bisschen Feindseligkeit in der warmen Luft - und dennoch verkündete ein Klubsprecher im Anschluss kühl, dass die bislang als frei zugänglich gekennzeichnete Einheit am Mittwochvormittag nach neuester Planung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden wird.

Warum, Hertha BSC? Warum so verschlossen?

Seit Wochen präsentiert sich der Klub als eine Wagenburg in Westend. Nur kein Wort zu viel sagen, nur nicht anfassbar sein - wer oder was, bitteschön, ist diese verflixte Realität, von der alle sprechen? Ein falsches Verhalten, wie es scheint. Hätte die Wagenburg-Mentalität zu positiven Resultaten auf dem Fußballplatz geführt, niemand hätte dieses Mittel hinterfragt. Doch in dem Maße, in dem Hertha sich von allem Äußeren abschottet, wissen auch die Profis nicht um die Befindlichkeiten ihrer Anhänger. Dabei müssten manche Spieler vielleicht regelrecht einmal von den Sorgen und Ängsten der Menschen um sie herum erfahren.

So oder so gilt: Gelingt Hertha am Sonnabend kein Sieg, wird das Saisonziel Klassenerhalt also verfehlt, so ist das zuallerletzt in fehlender Unterstützung von allen Seiten begründet. Die Misere, in die Hertha sich seit Jahresbeginn manövriert hat, ist einzig und allein die Summe (zu) vieler Fehlentscheidungen abseits des Fußballplatzes.