Abstiegskampf

Preetz zeigt Babbel die Rote Karte

Hertha trifft beim wichtigsten Saisonspiel ausgerechnet auf den Ex-Trainer. Im Vorfeld fliegen Giftpfeile

- Einem Drehbuch-Autoren beim Fernsehen wäre das Manuskript zurückgegeben worden: Zu unglaubwürdig, zu sehr ausgedacht klingt die Geschichte. Und vor allem zu kitschig. Doch das Unterhaltungsgeschäft Fußball-Bundesliga macht es möglich: Am 34. und letzten Saison-Spieltag spielt Hertha BSC um alles: 'Absteigen oder nicht Absteigen' heißt die Frage. Als wäre das allein nicht spannend genug: Gegner ist die TSG Hoffenheim mit einem, der eben noch als Erfolgstrainer bei Hertha galt: Markus Babbel. Mit dem Übungsleiter war der Hauptstadt-Klub letztlich souverän 2010/11 durch das Unterhaus marschiert und als Zweitliga-Meister im vergangenen Sommer aufgestiegen. In der Bundesliga hatte der Aufsteiger mit Babbel eine solide Hinrunde gespielt. Nach einem in der Liga noch nicht gesehenen Zerwürfnis im vergangenen Dezember, auf das gleich noch eingegangen wird, erfolgte die Trennung.

Babbel als Baron Münchhausen

Am Sonnabend kommt Babbel nun erneut ins Olympiastadion, diesmal in den Diensten von 1899 Hoffenheim. Für Hertha ist es eine existenzielle Partie. Bei einer Niederlage muss der Etat mehr als halbiert werden, auf der Geschäftsstelle drohen Entlassungen. Doch der Trainer, der seiner Ex-Mannschaft immer wieder "einen tollen Charakter" bescheinigt hat und auf dem Oberarm ein Hertha-Tattoo trägt, wird alles daran setzten, eben diese Spieler in Liga zwei zu schicken. "Das Thema Hertha ist für mich erledigt. Ich will die drei Punkte in Berlin mit aller Macht haben", sagt Babbel.

So richtig erledigt scheint das Thema für Babbel aber nicht zu sein. Hertha-Manager Michael Preetz hatte seinen damaligen Trainer im vergangenen Dezember wegen Zerstörung des Vertrauensverhältnisses gefeuert. Es war auf Babbels zweiter Trainer-Station die zweite vorzeitige Beurlaubung. Die Schmach scheint an Babbel zu nagen. In einem Interview im "Tagesspiegel" versichert Babbel, er wolle das Thema "jetzt nicht aufbauschen". Um dann zum Rundumschlag auszuholen. Mit ihm wäre Hertha "hundertprozentig nicht abgestiegen". Überhaupt, ihm sei übel mitgespielt worden. Es würden "gezielt Sachen über mich in Umlauf gebracht, die nicht der Wahrheit entsprechen. Manches geht tief in die Privatsphäre hinein."

Babbel wiederholt seine Version, er hätte Preetz im November und Dezember zweimal mitgeteilt, dass er Hertha im Juni 2012 verlasse. Als Begründung gibt er im Interview "sportliche Gründe" an. "Ich wollte mich sportlich weiterentwickeln. Meine Vorstellungen haben nicht mit denen von Hertha gepasst."

Am Vormittag seiner Entlassung im vergangenen Dezember hatte Babbel noch das Gegenteil formuliert. Er habe Hertha nicht aus sportlichen Gründen abgesagt. "Die Mannschaft hat einen tollen Charakter." Es liege auch nicht an den sportlichen Perspektiven. "Es sind rein persönliche Gründe" sagte Babbel damals vor 50 Journalisten. Bei Hertha sind die Behauptungen von Babbel schon damals mit Empörung aufgenommen worden. Der damalige Trainer habe den Verein hingehalten. Und am Ende hätte er nicht einmal den Mut gehabt, Manager Preetz seine Entscheidung mitzuteilen, sondern habe seinen Berater am Telefon vorgeschickt. Präsident Werner Gegenbauer bezeichnete Babbel als "Baron Münchhausen". Das findet Babbel heute noch gemein. Hertha sei mit ihm "nicht ehrlich umgegangen". An Versöhnung oder zumindest normalen Umgang mit seinem ehemaligen Vorgesetzten denkt Babbel nicht. Für ein Gespräch mit Preetz "habe ich überhaupt keinen Bedarf", sagt er im "Tagesspiegel".

Hertha-Manager Preetz hätte eine Menge zu erzählen. "Im Fußball gibt es normalerweise eine Rote Karte, wenn jemand nachtritt. In dieser Woche werde ich dazu nichts weiter sagen. Wir haben wichtigere Themen."

Für Hertha liegt der Fokus am Sonnabend nicht auf dem Duell "Babbel vs Preetz". "Wir haben eine letzte Chance, den Relegationsplatz zu erreichen", sagte der Manager, "die Jungs brennen auf dieses Spiel." Davon abgesehen: Preetz wird seine Meinung zum ehemaligen Trainer noch ausführlich darlegen - auf der Mitgliederversammlung im Mai.