Abstiegskampf

"Kämpfen ist eine Frage der Mentalität"

Trainer Rehhagel beklagt die Körpersprache seiner Spieler

- Mit irdischen Kräften ist schon lange nicht mehr zu erklären, dass Hertha BSC auch am 34. und letzten Bundesliga-Spieltag tatsächlich noch begründet auf Rettung hoffen darf. Wer bis hierhin nur sechs Spiele gewonnen und 28 Punkte gesammelt hat, weil er auf dieser Strecke zwischenzeitlich zwölf Spiele am Stück sieglos geblieben ist, der ist normalerweise hilflos dem Untergang geweiht - also müssen höhere Mächte es gut meinen mit den Berlinern. Anders kann es sich inzwischen selbst Trainer Otto Rehhagel nicht mehr erklären, warum nach dem 0:4 der Seinen gegen Schalke 04 noch immer nicht Schluss ist mit Hoffen, Beten und Bangen. "Der Fußball-Gott hat gesagt: Komm, ich geb' euch noch eine Chance", hat Rehhagel regelrecht ungläubig nach einer abermals unterirdischen Leistung der Herthaner auf Schalke gesagt.

Als Spieler war Rehhagel im Hertha-Trikot vor knapp einem halben Jahrhundert ein ausgewiesener Kämpfer. Die Leistung der aktuellen Berliner Spielergeneration kommentierte er so: "Ich werde jetzt nicht eine Woche vor dem Endspiel sagen, von welchen Spielern ich enttäuscht bin." Muss er auch nicht. Auf Andreas Ottl verzichtete er aus freien Stücken - Zufall war das nicht. Doch berechtigte Enttäuschung hin oder her: Mit einem Sieg im besagten "Endspiel" gegen Hoffenheim ist der Sprung auf den Relegationsplatz 16 schließlich weiter möglich.

Klar ist aber auch, dass dazu eine andere Leistung, eine andere Einstellung und ein anderes Auftreten nötig sein werden, als dies in den vergangenen Wochen auf Schalke, gegen Kaiserslautern (1:2) und Freiburg (1:2) der Fall war. Die Merkmale dieser Niederlagen sind immer gleich: Beim kleinsten Rückschlag gerät das gesamte Gebilde ins Wanken, niemand ist da, der sich entscheidend gegen den Zusammenbruch zu stemmen vermag.

Hoffnung auf die Rückkehrer

Auf Schalke fasste Rehhagel es präzise zusammen "Es waren zu viele Spieler auf dem Platz, die keine Körpersprache haben, die zu still sind. Kämpfen ist eine Frage der Mentalität. Kobiashvili und Niemeyer hätten uns sehr geholfen." Immerhin, die Genannten kehren nach Sperren gegen Hoffenheim ins Team zurück. Intern lautet die Rechnung damit so: Mit ihnen und dazu Torwart Thomas Kraft und den Innenverteidigern Roman Hubnik und Christoph Janker stehen somit gegen Ex-Trainer Babbel schon mal fünf Spieler auf dem Platz, die die im Fußball sprichwörtlichen Eier besitzen. Die Hoffnung lautet, dass die Mentalität dieses Fünferblocks abfärbt auf die latent leidenschaftlichen Lell, Lasogga und Raffael. In Summe ergäbe das ja fast so etwas wie ein Ensemble, das sich wehren könnte.

Ebenfalls in Gelsenkirchen hatte Rehhagel angekündigt, noch wisse er nicht im Detail, "welche Maßnahmen wir nächste Woche ergreifen"; fest stehe nur dies: "Wir müssen weiter positiv denken und an den Klassenerhalt glauben. Wir müssen jeden Tag zusammen kommen und über die Dinge reden, die wir besser machen müssen." Zumindest für diesen Montag gilt das nicht. In der Vorbereitung auf das Finale dürfen die Spieler ein letztes Mal ihrer eigenen Wege gehen. Das Trainerteam hat frei gegeben.