Hockey

Champions League zum Nulltarif

Geld verdienen die BHC-Spieler nicht, der Meistertitel ist trotzdem drin

- Die Spieler des Berliner HC hatten einen Kreis geschlossen und feierten, als wären sie schon Deutscher Meister. Obwohl - was heißt schon : Seit 1965 ist dieser Erfolg den Männern des Vereins verwehrt geblieben. Aber sie haben endlich wieder eine Mannschaft zusammen, die in der Lage scheint, diesen Titel zu holen. Immerhin steht zwei Spieltage vor Schluss der Feldhockey-Bundesliga fest, dass die Zehlendorfer als Erster ins Final Four einziehen. Am Sonnabend bezwangen sie Rot-Weiß Köln mit 4:1 (1:0), tags darauf folgte ein 2:2 (0:0) gegen Uhlenhorst Mülheim. Neun Punkte beträgt der Vorsprung vor den Kölnern, 18 Mal in Folge haben die Berliner nicht verloren. Mit Platz eins ist auch sicher, dass der BHC in der kommenden Saison in der European Hockey League (EHL) antreten darf, einer Art Champions League des Hockey. "Das ist für unseren Verein ein Meilenstein", jubelte Präsident Michael Stiebitz.

Vor sieben Jahren, erinnert sich Nationalspieler Martin Häner, war er mit 16 zum BHC gekommen. Damals spielte der Klub gegen den Abstieg, ebenso in den folgenden beiden Jahren. Dann ging es allmählich aufwärts, mit einem Team, das zwar in Pilt Arnold und Martin Zwicker zwei weitere Olympia-Aspiranten hat und in Ulrich Bubolz einen Weltmeister im Tor, aber in dem anders als bei der Bundesliga-Konkurrenz keine Gehälter gezahlt werden. "Unser Erfolg", sieht sich Präsident Stiebitz bestätigt, "ist der Beweis dafür, was mit Leidenschaft und Herzblut zu erreichen ist."

Nachwuchs ist schon spitze

Der Sportmarketing-Experte und selbstständige Unternehmer hält nichts davon, Hockeyspieler zu Profis zu machen. Lieber steckt der Verein sein Geld in den Nachwuchs (die männliche A-Jugend ist Deutscher Meister in der Halle und Zweiter auf dem Feld) und versucht, über Topveranstaltungen Begeisterung zu schaffen. Von einer "Event-Offensive" gar spricht der ehemalige Hockeyspieler. Die Endrunde der deutschen Hallenmeisterschaften findet für drei Jahre in Berlin statt, ebenso am ersten Juni-Wochenende die Feld-Endrunden der Männer und Frauen. Auch die BHC-Damen sind nach dem 3:0 (3:0) am Sonntag gegen Etuf Essen auf gutem Wege. Das hilft, denn Stiebitz hat ambitionierte Ziele: Mit 2000 Zuschauern pro Tag soll die schmucke BHC-Arena an der Wilskistraße ausverkauft sein. Die ersten 100 Dauerkarten sind schon weg.

Das Erstaunliche ist, dass nicht auch der eine oder andere Spieler schon weg ist. Vor allem Häner (23), der trotz seiner Jugend als einer der Besten der Welt gilt. Hamburger, Kölner, Mannheimer - sie alle würden gutes Geld bezahlen für einen wie ihn. Hat es noch keine Gespräche gegeben? Angebote schon, Gespräche nein - "da gibt es nichts zu besprechen", sagt der Innenverteidiger, "dieser Verein ist einzigartig. Wenn man sieht, wie hier einander geholfen wird und die Ehrenamtlichen rackern und tun. Da fühlt man sich so wohl, deswegen sind alle noch hier."

Alle würden sich noch wohler fühlen, wenn die 47 Jahre währende Sehnsucht nach dem Titel nun endlich gestillt würde. "Dafür braucht man auch Glück", sagt Häner vorsichtig, "aber wir haben die beste Defensive der Liga. Und wir haben Selbstvertrauen. Es ist möglich."