Zweite Liga

Union spielt um den Osttitel, Hansa um die Existenz

Die Rostocker sind bei einer Niederlage heute abgestiegen. Hochsicherheitsspiel in Köpenick

- Doch, es gibt noch Ziele, die der 1. FC Union erreichen will, auch wenn es vordergründig für den Klub in dieser Saison um nichts mehr geht. Die Aufstiegsplätze sind für den Berliner Fußball-Zweitligisten längst außer Reichweite, mit dem Abstieg hatte die Mannschaft von Trainer Uwe Neuhaus ohnehin nichts zu tun in dieser Spielzeit. Doch die Köpenicker wollen erstmals beste Mannschaft aus dem Fußball-Osten werden. "Und wir wollen die 50-Punkte-Marke überspringen", sagte Trainer Neuhaus. Voraussetzung dafür ist heute ein Sieg im Ostderby gegen Hansa Rostock in der ausverkauften Alten Försterei (13.30 Uhr, Sky live).

Es könnte ein bizarres Bild werden, dass sich den knapp 18.000 Zuschauern - mehr wurden aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen - heute bieten könnte. Auf der einen Seite die Unioner, die den elften Heimsieg bejubeln und anschließend bei einer Autogrammstunde mit ihrem Team und Livemusik die Saison fröhlich ausklingen lassen. Auf der anderen Seite die Rostocker, die ausgerechnet vom Ostrivalen zurück in die Dritte Liga geschossen wurden, wodurch der Fortbestand des FC Hansa ernsthaft gefährdet wäre. Vor allem das Verhalten der gut 1500 erwarteten Hansa-Fans in diesem Hochsicherheitsspiel wird für die Atmosphäre im Stadion und auch davor von Bedeutung sein, sollten die Ostseestädter nach nur einem Jahr wieder zurück in die Drittklassigkeit müssen.

Keine Rücksicht auf Rostock

Bei Union will und kann man auf diesen Umstand keine Rücksicht nehmen. "Die Situation in Rostock ist uns bekannt", erklärte zum Beispiel Linksverteidiger Patrick Kohlmann, "aber wir müssen dafür sorgen, dass unsere Fans mit einem guten Gefühl nach Hause gehen können." Kein komisches Gefühl, dass man nun Zünglein an der Waage ist im Abstiegskampf? "Nein", sagt der Coach, "wenn wir am Sonntag gewinnen und Hansa Rostock absteigt, liegt es gewiss nicht an diesem einen Spiel. Die Mannschaft hatte knapp eine Saison Zeit gehabt, diese Situation zu vermeiden. Wir müssen unsere Aufgaben erledigen, auch gegen diesen Gegner."

Sollte Union seine Aufgabe tatsächlich entsprechend erledigen, wäre Hansa Rostock nahezu komplett erledigt. Der Verein steht nicht nur sportlich, sondern auch finanziell am Abgrund, ein Insolvenzantrag scheint unausweichlich, sollte sich der letzte DDR-Meister aus dem Profifußball verabschieden. Den Klub drücken Verbindlichkeiten in Höhe von 4,5 Millionen Euro, resultierend aus Steuerschulden aus den Jahren 1999 bis 2001. "Wir können diese Summe nicht aufbringen", ließ sich Hansas Vorstandsvorsitzender Bernd Hofmann zitieren. Dass Hofmann selbst um die Jahrtausendwende die Geschicke des 1. FC Union als Geschäftsführer mitgestaltete, gibt dem Ganzen heute zusätzlich eine pikante Note. Ebenso wie die Rückkehr von Mittelfeldspieler Dominic Peitz, der an alter Wirkungsstätte nun seinen ganz persönlichen Tiefpunkt erleben könnte.

Pfertzel kehrt zurück

Ein Maßnahmenpaket soll Hansa derweil vor dem Untergang bewahren. Dafür ist jedoch die Zustimmung der Rostocker Bürgerschaft notwendig, die am 9. Mai über das Paket entscheiden wird. Der Finanzausschuss hat allerdings bereits sein Veto eingelegt. Nachvollziehbar, soll die Stadt Rostock dem Klub doch mit insgesamt über drei Millionen Euro zur Seite springen, resultierend aus anteiligem Steuererlass, Kauf von Vereinsvermögen und einem Zuschuss von 750.000 Euro. Um dies zu erreichen, wirbt der FC Hansa unter anderem damit, ein beliebter Imageträger für die Hansestadt zu sein. Ein durchaus mutiger Ansatz, haben doch gerade die "Fans" mit ihren Randaleaktionen immer wieder dafür gesorgt, dass der Klub an Image verliert.

In jedem Fall wartet auf beide Mannschaften ein hitziges Duell. "Schlagartig gestiegene Temperaturen - damit müssen wir alle erst einmal zurechtkommen", sagte Neuhaus. Und warnt die Seinen vor dem Tabellenvorletzten: "Für Hansa Rostock ist das ein absolutes Endspiel. Sie müssen unbedingt gewinnen und sind auch noch auf fremde Hilfe angewiesen." Heute zum Beispiel darauf, dass der Karlsruher SC auf Relegationsplatz 16 nicht bei Schlusslicht Aachen siegt.

Unions Trainer kann in der Viererabwehrkette wieder auf Marc Pfertzel bauen, der seine Gelb-Sperre abgesessen hat. Zudem dürfte wohl Silvio neben Simon Terodde als zweite Spitze agieren. Auch Michael Parensen wird dabei sein. Trotz Pferdekuss am Oberschenkel, erlitten im Training, ist sein Einsatz nicht gefährdet.

Die kleine Wertung im Kampf um die beste Ost-Mannschaft haben die Unioner im Übrigen schon für sich entschieden. In den direkten Duellen gegen die Ost-Rivalen Dresden, Cottbus, Aue und Rostock sind die Köpenicker nicht mehr einzuholen. Vier Siege (bei einem Unentschieden und einer Niederlage) fuhren die Berliner bislang ein. Keiner an der Alten Försterei hätte etwas dagegen, wenn Union das halbe Dutzend auf der Zielgeraden der Saison voll machen würde.

So wollen sie spielen: Glinker - Pfertzel, Stuff, Parensen, Kohlmann - Karl - Mattuschka, Ede - Belaid - Terodde, Silvio.