Champions League

England macht Helden aus seinen Betonmischern

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Barcelona scheitert wieder am destruktiven FC Chelsea

- Als die "Betonmischer von Barcelona" auf die Insel zurückkehrten, waren die müden und abgekämpften Profis des FC Chelsea in den englischen Medien längst zu Fußball-Göttern aufgestiegen. "Sie sind alle Helden", titelte das Boulevard-Massenblatt The Sun nach dem Einzug der Blues ins Finale der Champions League. Wie den Zeitungen war auch den Protagonisten im Anschluss an das 2:2 (1:2) beim Titelverteidiger FC Barcelona völlig egal, dass die restliche Fußball-Welt der destruktiven Spielweise und dem Chelsea-Catenaccio nichts abgewinnen konnte. Routinier Frank Lampard bezeichnete den zweiten Finaleinzug der Londoner nach 2008 als einen "der größten Erfolge" der Klubgeschichte, Teammanager Roberto Di Matteo hatte nach dem Remis im Halbfinal-Rückspiel vor 95.000 Zuschauern im Estadio Camp Nou sogar ein Sieger-Gen bei seinen Schützlingen ausgemacht. "Wir haben in dieser schwierigen Saison immer etwas Besonderes geleistet, wenn es darauf angekommen ist. Das ist ein Teil der DNA meiner Spieler", sagte der Italiener.

Finale ohne Kapitän Terry

Ob das vom Coach beschworene Sieger-Gen zum ganz großen Wurf reichen wird, darf allerdings bezweifelt werden. Im Finale am 19. Mai in München fehlen den in die Jahre gekommenen Defensivkünstlern, die sich beim spanischen Meister nach dem Platzverweis für Kapitän John Terry (37.) fast ausschließlich um den eigenen Strafraum versammelt hatten, vier gesperrte Leistungsträger. Neben Terry stehen Torschütze Ramires, Ivanovic und Meireles nicht zur Verfügung. "Ich bin aber ganz sicher, dass wir eine Mannschaft auf den Platz schicken werden, die den Verein stolz machen wird", sagte Di Matteo. Zufriedenstellen will der 41-Jährige vor allem Klubbesitzer Roman Abramowitsch. Sollte der Russe endlich die lang erträumte Rendite für seine Investitionen in Höhe von mehreren hundert Millionen Euro erhalten, könnte Di Matteo doch noch vom Interims- zum Chefcoach befördert werden. Nicht zuletzt deshalb betrieb Di Matteo mit Nachdruck Werbung in eigener Sache und wollte nichts von einem glücklichen Finaleinzug wissen. "Wir stehen völlig zu Recht im Endspiel, Barcelona hat es nicht verdient. Wir haben in zwei Spielen nicht verloren. Wir spielen eben einen anderen Stil als Barcelona", äußerte der Coach.

Di Matteo verschwieg allerdings, dass die Engländer ihren Finaleinzug vor allem Lionel Messi zu verdanken hatten. Der dreimalige Weltfußballer war die tragische Figur der Partie. Erst traf der Argentinier in der 48. Minute vom Elfmeterpunkt nur die Latte, in der Schlussphase landete einer seiner Schüsse am Pfosten. "Im Fußball gewinnt eben nicht immer die bessere Mannschaft", sagte Torres, der in der Schlussminute das 2:2 erzielt hatte. Ähnlich sahen es die englischen Zeitungen. "Torres besiegelt das Wunder von Barcelona. Zehn Mann verteidigten die Festung und folgten ihrer Bestimmung", schrieb The Independent treffend.

( sid )