Motorsport

Vettel hat sein Lausbubenlachen wiedergefunden

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Weltmeister ist nach Sieg in Bahrain wieder souverän

- Als Sebastian Vettel zum Ende der Pressekonferenz seine kranke Oma in Deutschland grüßte, schauten sich im Red-Bull-Team alle fragend an. Niemandem, nicht einmal seinen engsten Vertrauten, hatte der Formel-1-Weltmeister von seinen Sorgen erzählt. Und nach den Genesungswünschen per Fernsehen wehrte er auch alle Nachfragen zu diesem Thema gleich wieder ab: "Das ist privat."

Es war ein kurzer Einblick ins Innenleben des Titelverteidigers, der nach schwierigen und charakterbildenden vier Wochen plötzlich wieder WM-Führender ist und auch sein Lausbubenlächeln wiedergefunden hat. Der Sieg beim höchst umstrittenen Bahrain-Rennen war Balsam auf die Seele des 24-Jährigen.

Vettel hatte in den vergangenen Wochen nicht nur auf der Strecke ungewohnt geschwächelt, ihm drohten auch ernsthafte Kratzer für sein positives Image. Erst in Malaysia die Streitereien mit dem Inder Narain Karthikeyan - ohne spätere Entschuldigung. Dann in China unsensible Aussagen zum Thema Bahrain, die für Kopfschütteln sorgten ("Ich habe noch niemanden gesehen, der eine Bombe geworfen hat, das ist ein großer Hype").

War dieser zwar so ehrgeizige, aber doch immer auch charmante und über den Tellerrand blickende junge Mann, der mit seinem Charme und Weitblick in Indien vor wenigen Monaten noch die Herzen einer Milliarde Menschen erobert hatte, plötzlich ein schlechter Verlierer? Wenn überhaupt, dann nur in Ansätzen. Denn dass neben dem Ärger über unverschuldete Kollisionen und sportliche Schwächen auch noch Stress und Müdigkeit durch einen turbulenten Flug nach Bahrain und die Sorge um die Großmutter kamen, wusste bis zum Sonntagabend niemand.

Doch plötzlich war er zurück, der Sebastian Vettel des Vorjahres. Der das Rennen nach einem harten Zweikampf mit Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen gewann, diesem auf dem Podium "Hasenohren" machte, die Lorbeeren bescheiden an seine Mechaniker weiterreichte und das Thema Bahrain schließlich doch so emotional und passend analysierte wie nur wenige seiner Kollegen: "Es war für uns alle nicht leicht, aber ich bin froh, dass niemandem was passiert ist."

Die Frage nach dem plötzlichen Sprung von Platz fünf an die WM-Spitze ist nun: Wird Vettel jetzt wieder allen davonziehen? Nein, sagt er selbst. "Ich hätte nie damit gerechnet, dass wir hier gewinnen können. Es bleibt eine knappe Saison." Nein, sagen - und hoffen - auch nahezu alle Beobachter.

( sid )