Eishockey

Felski macht die 1000 voll

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Marcel Stein

Im entscheidenden Finalspiel der Eisbären gegen die Adler Mannheim feiert der Berliner Stürmer heute ein großes Jubiläum

- Schon wieder ein Jubiläum. Aber das regt Sven Felski nicht mehr auf, in 20 Profijahren durfte er bereits viele erleben. Aber trotzdem, so bedeutend wie dieses war keines vorher. So unwichtig wie dieses fühlte sich andererseits jedoch auch wieder keines an. Weil die Überlagerung der Ereignisse es gar nicht zulässt, jetzt Persönliches in den Vordergrund zu heben. Im Finale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) haben Felskis Eisbären aus Berlin ein fünftes und letztes Spiel gegen die Adler Mannheim erzwungen, sie können heute in eigener Halle den sechsten deutschen Meistertitel gewinnen (19.30 Uhr, O2 World und Sky). Und das beim 1000. Erstligaauftritt von Sven Felski im Trikot der Berliner Mannschaft.

Er selbst kann das nicht mehr hören. Seit Wochen wurde Felski auf diese Möglichkeit angesprochen, inzwischen verdreht er nur noch die Augen. "Das ist mir scheißegal", sagt der 37 Jahre alte Stürmer. Er will wie die anderen in der Mannschaft jetzt nur noch diesen Titel, über die 1000 kann er ja später noch nachdenken. Vielleicht sogar sehr intensiv, es könnte ja auch sein allerletztes Spiel sein.

Schönstes Erlebnis in Mannheim

Aber alle wissen eben, dass es ein großer Meilenstein einer großen Karriere ist. "In der Kabine kamen gleich einige zu mir und haben mir dazu gratuliert, dass ich das erreiche", sagt Felski. Das war nach dem 6:5 nach Verlängerung in Mannheim am Sonntagabend, einem unglaublichen Spiel, an das sich viele vielleicht noch länger erinnern werden als an Felskis Jubiläum. Erledigt waren die Eisbären, Mannheim der große Sieger im Duell der DEL-Rekordmeister mit je fünf Titeln: 14 Minuten vor Spielende führten die Adler 5:2, doch die Eisbären versetzte das in einen Rausch, sie lieferten einen unfassbaren Kampf gegen das Ende ab, zerstörten ihren Gegner auf die brutalste Weise - jedoch allein durch spielerische Überlegenheit. "Das sind die schönsten Erlebnisse", sagt Sven Felski. Weil sie zuvor einfach unmöglich erschienen.

Die Geschichte, die da am Sonntag geschrieben worden ist, handelt viel von einem überragenden Team, das die Berliner über die Jahre aufgebaut haben. Von ihrer kontinuierlichen Arbeit, dem Bestreben, eine Mannschaft mit einer eigenen Identität zu kreieren, die sich dank ihres Talents, aber ebenso dank ihrer Geschlossenheit nach oben spielt. "Wir sind charakterlich einfach total stark", sagt Felski. Sie alle kennen sich meist lange, haben schon viele Titel gemeinsam gewonnen. Das macht es möglich, auch größte Hürden zu überwinden. Mannheim etwa verfügt über ein komplettes Aufgebot, die Eisbären müssen auf drei ihrer besten Spieler verzichten. "Aber ob nun drei Mann fehlen oder zehn, das macht bei uns auch nichts aus", erzählt Felski. In der Hauptrunde fehlten tatsächlich teilweise zehn Spieler, trotzdem belegten die Berliner am Ende Platz eins in der Tabelle.

Im letzten Heimspiel der Hauptrunde gegen die Kölner Haie war es Mirko Lüdemann, der die Marke der 1000 Spiele als erster deutscher Profi erreichte. Alle Partien hat Lüdemann für die Kölner absolviert. Bei Sven Felski aber geht die Heimatverbundenheit noch weiter, er hat auch im Nachwuchs nie woanders gespielt als bei den Eisbären. Er war nur mal in einer anderen Sportart aktiv. "Ich habe ihn noch bei den Eiskunstläufern kennengelernt", sagt Hartmut Nickel. Der 67-jährige Assistenztrainer ist der einzige, der noch länger als Felski bei den Berlinern ist, die beiden stehen sich sehr nah. Mit vier Jahren ging Sven Felski aufs Eis, ab elf dann mit anderen Schlittschuhen, Ausrüstung und Schläger. "Schon in der Jugend haben wir gesehen, dass er mal eine Schnuppe wird", sagt Nickel.

Die gute Ausbildung auf den Kunstlaufkufen hat ihm viel gebracht, obwohl er es irgendwann satt hatte, darauf angesprochen zu werden. Aber seine Technik war nun mal sein Markenzeichen. Ganz unbescheiden beschrieb sich Felski mal als besten Schlittschuhläufer der Liga. Einer der größten Hitzköpfe war er ganz sicher. "Wir mussten auch mal mit ihm schimpfen", erzählt Nickel. Felski saß so oft auf der Strafbank wie kein anderer in der DEL. Er war unbequem für die Gegenspieler, manchmal auch für die Trainer seiner eigenen Mannschaft.

Davon hat er etliche erlebt, das war mal mehr und mal weniger förderlich für seine Karriere. Als etwa 1995 die Ausländerbeschränkungen wegfielen, musste der Berliner oft zuschauen. Deutsche Spieler waren einfach nicht gefragt zu der Zeit. "Svenni musste auch schmerzhafte Stunden überstehen", sagt Nickel. Es tat weh, bei dem Klub, bei dem er aufgewachsen ist, nicht die erste Wahl zu sein. Deshalb war er einmal kurz davor, den Klub zu wechseln. Ausgerechnet zu den Preussen wollte er, den verhassten Lokalrivalen. Nur die hohe Ablösesumme kam dazwischen. Zum Glück.

Wer weiß, wie sich sonst alles entwickelt hätte für ihn? Ob er Meister geworden wäre? Geglaubt hatte er fast nicht mehr daran nach vielen enttäuschenden Jahren, nach Spielzeiten, in denen es nur ganz knapp nicht reichte. Dann kamen plötzlich noch ganz viele Titel zusammen, Hohenschönhausen, der Stadtteil, in dem er unweit des Wellblechpalastes aufwuchs, wurde plötzlich vom Synonym für Verlierer zum Sinnbild für ganz großes Eishockey.

Eine Institution im Verein

Das er fast ebenso wenig erlebt hätte wie den Umzug von der kleine Halle in die große Arena nach Friedrichhain. Coach Pierre Pagé wollte ihn loswerden, aber er konnte sich nicht durchsetzen. Nicht bei Felski, der eine Institution ist in diesem Verein. Nach dem dritten Spiel im Halbfinale, das die Berliner gegen Straubing 1:3 verloren, beschwerte sich der Angreifer über etwas zu wenig Unterstützung der Fans. Das darf nur er, ohne damit einen Aufruhr zu verursachen.

Nun könnten die Eisbären zum ersten Mal überhaupt in der O2 World vor eigenem Publikum den finalen Saisonsieg erringen - garniert mit Felskis Jubiläum. Und was kommt danach? Mal sehen, sein Verbleib im Klub ist längst geregelt, Felski will am liebsten sein ganzes Leben bei den Eisbären verbringen. "Er ist der beste Repräsentant des Klubs", findet Nickel. Nur die künftige Position ist noch offen. Unbestimmt ist auch, wie es nun passieren soll, die große Ehrung für die 1000. Das Trikot ist fertig, auch der Fanshop wird beliefert, damit alle etwas davon haben. Aber vor dem fünften Finale gibt es keine Gratulation, das passt einfach nicht an diesem Tag.