Real Madrid

Kunst und Kraft aus Deutschland

Real Madrid besiegt Barcelona dank Khedira und Özil und ist bereit für Bayern

- Bereits am Flughafen Barcelona wurde Real Madrids Delegation gefeiert wie ein Meister. Gesänge und bengalische Feuer von Exilfans verabschiedeten den Tross vor dem Trip zurück in die Hauptstadt, wo sich das Szenario gleich wiederholte. Es war ein großer Abend für den Klub, der sich nach wie vor für den größten der Welt hält. Der 32. Ligatitel ist bei sieben Punkten Vorsprung nur noch Formsache, Erzrivale FC Barcelona weit vom Thron entfernt.

Dabei war dieses 2:1 für sich genommen nicht mal ein besonderer Sieg. Reals Innenverteidigung Pepe und Sergio Ramos gelang es, Lionel Messis Wirkung zu beschränken, womit gegen das momentan nicht allzu präzise Barcelona schon eine Menge erreicht war. Madrid schaffte es sogar, das Publikum über weite Strecken aus dem Spiel zu nehmen. Auf Rängen und Rasen herrschte eine merkwürdig kühle Atmosphäre, selbst die üblichen "Clasico"-Raufereien entfielen. Es blieb der zweite Sieg über Barcelona in den vergangenen 15 Duellen, der erste Triumph von Trainer Jose Mourinho bei zehn Anläufen im Camp Nou. Real liegt 87:86 vorn im Allzeitvergleich, hat außerdem mit den Toren 108 und 109 den Liga-Saisonrekord (107) überboten.

Die Hauptstadtpresse hat das am Sonntag alles euphorisch aufgelistet, nur hier und da wurde ein wenig gemosert, dass es Sami Khedira war, der mit einem Abstauber zum 1:0 das historische 108. Tor erzielte. Der deutsche Defensivspieler wird in den Berichten immer noch bevorzugt mit Industriemetaphern versehen. Für den körperlichen, schnörkellosen Fußball Mourinhos ist er jedoch nicht weniger unabdinglich als die blitzartigen Inspirationen seines Landsmanns Mesut Özil, der Cristiano Ronaldo nach Barcelonas Ausgleich durch Alexis postwendend den Siegtreffer auflegte. Özil besorgt die Kunst, Khedira die Arbeit - die Präferenzen von Fans und Medien sind da klar. Wenigstens die Zeitung "As" würdigte Khediras Tor als "Preis für die Bescheidenheit", mit der er sich stets in den Dienst der Mannschaft stelle.

Durchaus rollenkonform verlor Khedira selbst nach dem Spiel nicht allzu viele Worte über sein historisches Tor. Wie alle Kollegen betonte er zudem, was ihnen Mourinho direkt in der Kabine eingebimst hatte - die Meisterschaft sei angesichts vier ausstehender Spiele noch nicht in der Tasche. "Dieser Sieg war vor allem wichtig für den Kopf", befand der Deutsche. Erstens: "Wir hatten sehr viele Anläufe hier und waren oft die bessere Mannschaft, aber dann hat es irgendwie immer nicht geklappt." Zweitens: "Wir hatten schon zehn Punkte Vorsprung, der ist dann geschmolzen. Barcelona war heiß auf uns, da haben wir das richtige Zeichen gesetzt." Drittens, natürlich: "Gerade vor Mittwoch ist das für das Selbstvertrauen sehr, sehr wichtig."

Am Mittwoch kommen die Bayern zum Champions-League-Rückspiel nach Madrid, und sie hätten sich wohl tatsächlich lieber einen anderen Gemütszustand beim Gegner gewünscht. "Viele Leute haben ja nichts auf diese Mannschaft gegeben", sagte der auch im Triumph gewohnt grummelige Assistenztrainer Aitor Karanka bei seinem routinemäßigen Einsatz für Presseboykotteur Mourinho. Gefragt nach Mesut Özil betonte er, dieser habe "alle Zweifel ausgeräumt", und diese Botschaft gilt wohl auch für das Team.

Tatsächlich wurde Barcelona von den Anhängern im Camp Nou mit einer Ovation verabschiedet, die als melancholische Würdigung der großen, mit 13 Titeln bestückten Epoche unter Trainer Pep Guardiola verstanden werden konnte. Dieser hat seinen auslaufenden Vertrag immer noch nicht verlängert, bereits am Dienstag muss gegen Chelsea in der Champions League ein 0:1 wettgemacht werden.