Handball

Für die Füchse ist das Viertelfinale wie ein Endspiel

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Alexandra Gross

Champions League: Gegner Leon sieht Berliner als Traumlos, doch die hoffen auf nächsten Coup

- Auch der Regen konnte die gute Stimmung der illustren Reisegruppe aus Berlin nicht trüben. Bestens gelaunt bestieg die Mannschaft der Füchse gestern Vormittag nach der Landung am Flughafen in Madrid einen dunkelroten Reisebus und fuhr in Richtung Norden nach Leon. Dabei erklärte Rückraumstar Iker Romero seinen Kollegen, dass ja in seiner Heimat eigentlich immer die Sonne scheine und Spanien ein sehr schönes Land sei. Torsten Laen stimmte ihm nur allzu gern zu, für den Kapitän des Handball-Bundesligisten war es gestern wie für Romero eine Rückkehr, hatte er doch vor seinem Wechsel 2009 nach Berlin zwei Jahre lang für Ciudad Real gespielt und mit dem spanischen Spitzenklub zwei Mal die Champions League gewonnen. Heute nun ist Laens ganze internationale Erfahrung gefragt, wenn er mit den Füchsen im Viertelfinal-Hinspiel der Königsklasse auf Ademar Leon trifft (17.30 Uhr, Eurosport).

Mit zwei furiosen Erfolgen gegen den Deutschen Meister HSV Hamburg hatten die Berliner für großes Aufsehen in dem renommierten europäischen Klubwettbewerb gesorgt und damit auch den größten Coup der Vereinsgeschichte gefeiert. Geschäftsführer Bob Hanning hatte diesen Triumph als die Sahne auf dem eh schon köstlichen Schokoladenkuchen bezeichnet. Weil ja eigentlich schon das Erreichen der K.o.-Runde aller Ehren wert gewesen sei. Immerhin spielen die Füchse zum ersten Mal auf internationalem Parkett mit und dann gleich in der Champions League. "Jetzt setzen wir mit dem Viertelfinale noch die Kirsche auf die Sahne", sagt der Manager, "das schmeckt noch besser, und wir sind stolz, dass wir dort spielen dürfen." Und seine Freude wuchs gestern Nachmittag sogar noch einmal, als nämlich seine Berliner Auswahlmannschaft bei der Schul-WM in Varazdin/Kroatien durch einen Sieg über Ungarn das Finale erreichte.

Auch nächste Saison im Europacup

Mit dem Erreichen der Runde der besten acht Handball-Mannschaften des Kontinents schreiben die Füchse ihre beeindruckende Erfolgsgeschichte fort. In der Liga halten sie seit Saisonbeginn einen Spitzenplatz. Derzeit liegen sie auf dem dritten Rang, der erneut zur direkten Qualifikation für die Königsklasse berechtigen würde. Durch den Sieg am vergangenen Mittwoch über den Bergischen HC steht nun endgültig fest, dass das Team von Trainer Dagur Sigurdsson auch in der kommenden Saison international spielen wird. Nur welcher Wettbewerb es wird, ist noch offen. "Wir haben uns den großen Traum von Europa erneut erfüllt", jubiliert Hanning, "jetzt kommt die Zugabe mit zwei Riesenträumen, die wir uns verwirklichen können." Das Erreichen des Endrundenturniers in der Königsklasse, das sogenannte Final Four, das Ende Mai in Köln stattfindet, und die direkte Qualifikation für die Champions League. Hanning: "Wir haben es jetzt auf jeden Fall selbst in der Hand, und das ist ein gutes Gefühl. Es ist für uns bislang eine grandiose Saison, und wir freuen uns auf die verbleibenden Aufgaben in Bundesliga und Champions League."

Gut 6500 Zuschauer finden im "Palacio de los Deportes de Leon" Platz, in dem heute die Viertelfinalpartie angepfiffen wird. Dass es da sehr wahrscheinlich heiß hergehen wird, kann die Füchse nicht schrecken. Sie sind es gewohnt, vor Tausenden gegnerischen Anhängern erfolgreich zu bestehen, das haben sie längst bewiesen. "Wir haben in der Bundesliga und in der Königsklasse diese Saison insgesamt nur zwei schlechte Halbzeiten gezeigt, in Göppingen und in Flensburg", sagt Manager Hanning. Das ist in der Tat beachtlich, 80 starke Halbzeiten stehen damit zwei schwachen gegenüber, damit lässt es sich leben. Diese erstklassige Bilanz gilt es nun in Leon auszubauen.

Spanier sind heimstark

Kapitän Laen weiß um die Stärke der Nordspanier. "In Leon erwarten uns eine volle Halle und ein Team, das auf jeder Position sehr gut besetzt ist", sagt der 32-jährige Kreisläufer. Gerade vor heimischer Kulisse konnte das Team aus Kastilien auftrumpfen, trotzte so in der Gruppenphase der Champions League dem schier übermächtigen THW Kiel ein Unentschieden ab. "Die Spanier spielen viel über den Kreis und sind eins gegen eins stark. Das müssen wir unterbinden", sagt Laen. Rechtsaußen Markus Richwien spricht aus, was im Team viele denken: "Wir treten in Leon mit viel Selbstvertrauen an. Wenn wir gut in der Abwehr stehen, haben wir dort eine Chance."

Nach der Auslosung des Viertelfinals hatten die Verantwortlichen von Ademar Leon die Füchse als Traumlos gefeiert. Immerhin hätte es ja auch der THW Kiel, der FC Barcelona oder Atletico Madrid sein können, also einer der drei Top-Favoriten auf den Gewinn des Wettbewerbs. "Jetzt müssen die Spanier aufpassen, dass sie sich an diesem Traumlos nicht verschlucken", sagt Hanning und lächelt verschmitzt: "Uns zu schlagen, ist gar nicht so einfach. Die Mannschaft ist heiß."

Das Rückspiel steigt am 29. April in der Max-Schmeling-Halle, für die Partie sind nur noch wenige Restkarten zu haben. "Wir hoffen, dass dann das Wunder von Berlin weitergeht", sagt Hanning und gibt ein klare Marschroute für das Hinspiel heute aus: "Wir sollten in die Partie gehen, als ob es ein Endspiel wäre. Wir gucken nicht auf das Resultat, das wäre tödlich, wir spielen in Leon auf Sieg."