Interview mit Scott Touzinsky

"Nirgendwo fühle ich mich so wohl wie in Berlin"

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US-Volleyballstar Touzinsky will Meistertitel zum Geburtstag

- Am Sonntag tritt der Amerikaner Scott Touzinsky mit den BR Volleys zum entscheidenden Finale um die Deutsche Meisterschaft bei Generali Haching an. Mit Morgenpost-Redakteur Dietmar Wenck sprach der Olympiasieger über das große Saisonfinale.

Berliner Morgenpost:

Was ist passiert, Herr Touzinsky? Sie hinken trotz Meniskusverletzung ja gar nicht mehr, sondern laufen wie ein Champion - eine Wunderheilung?

Scott Touzinsky

(lacht): Es schmerzt schon noch. Aber ich denke jetzt nur noch an dieses eine Spiel. Es ist gut zu wissen, dass es danach vorbei ist. Wir haben jetzt eine Riesenaufgabe vor uns.

Sie sind in diesem Jahr schon Meister geworden, bevor Sie im Januar nach Berlin zurückkehrten, mit Fajardo Cariduros in Puerto Rico. Sie wissen also, wie das geht. Erklären Sie es uns?

Auf jeden Fall werde ich dieselben Schuhe tragen, die ich dort getragen habe, ich bin extrem abergläubisch. Was das Wichtigste ist: Wir müssen Spaß haben. Und wir müssen das Gefühl bekommen, wir hätten ein Heimspiel, mit unseren 8000 Fans im Rücken. Das haben wir definitiv nicht getan in den ersten beiden Spielen in Haching. Wir waren gut, aber nicht mit der letzten Disziplin. Es ist vielleicht nicht schlecht, dass wir diese Erfahrung schon gemacht haben. Wir müssen uns jetzt ganz auf uns konzentrieren, unseren Volleyball spielen, uns nicht nach dem Hachinger Stil richten. Gelingt uns das, gewinnen wir das Spiel und den Titel.

Letztes Jahr standen Sie mit den BR Volleys auch in der Finalserie, damals gegen Friedrichshafen, und verloren. Was ist diesmal anders? Was gibt Ihnen Zuversicht?

Wir sind disziplinierter geworden und geduldiger. Wir wissen, dass wir die langen Ballwechsel für uns entscheiden, dass wir uns Punkte herausarbeiten können. Letztes Jahr haben wir oft zu schnell den perfekten Abschluss gesucht. Jetzt lassen wir uns Zeit. Die Ballwechsel dauern, und wir beobachten, wie unsere Gegner immer müder werden. Wir schauen uns an und sehen: Von uns ist niemand müde. Wir sind physisch stärker.

Was hat sich bei Ihnen verändert? Ende der Vorsaison hat Manager Kaweh Niroomand Sie zu Ihrer eigenen Überraschung nicht behalten wollen. Er war unzufrieden.

Ich kam in 100-prozentiger Form aus Puerto Rico. Sie sehen jetzt den Scott Touzinsky, wie die Welt ihn kennt, auch wenn mir mein Meniskus gerade ein paar Probleme bereitet. Im Vorjahr war es anders, da spielte ich mit einer Schulterverletzung, und ich war nicht richtig fit. Trotzdem habe ich alles gegeben und fand, ich hätte eine Vertragsverlängerung verdient. Herr Niroomand sah das anders. Wir blieben aber in Kontakt. Ich wollte danach zunächst wieder zu meiner Bestform finden, habe geschuftet, meine Schulter wieder hinzukriegen. Ich wollte eine zweite Chance in Berlin, weil ich hier noch etwas zu beweisen habe. Ich spürte auch, ich bekomme sie. Jetzt sieht es gut aus.

Was sagen Sie denn zu den stark wachsenden Zuschauerzahlen in Berlin?

Solch eine Atmosphäre kennt man in den USA beim Volleyball nicht. Als ich meine ersten Spiele hier bestritten habe, bekam ich jedes Mal eine Gänsehaut. Meinem Landsmann Kawika Shoji habe ich gesagt, als er überlegte, nach Berlin zu kommen, dass es solch eine Stimmung in ganz Europa nicht noch einmal gibt wie hier. Es ist unglaublich.

Wo soll der Weg der Volleys noch hinführen? Glauben Sie, dass Volleyball in Berlin sogar mit Eisbären, Füchsen oder Alba konkurrieren kann?

Hätten Sie mich das vor einem Jahr gefragt, hätte ich noch geantwortet: vergiss es! Jetzt, wo wir alle Spiele in der Schmeling-Halle haben, diesen enormen Zuspruch, dazu einen großen Sponsor, glaube ich zwar immer noch nicht, dass wir sie überholen können. Aber wir können es mit ihnen aufnehmen. Wenn wir jetzt noch einen TV-Vertrag bekämen...

Sie haben Sonntag 30. Geburtstag. Gibt es also auf jeden Fall eine Party?

Wenn wir zurück in Berlin sind. Schön wäre, es gibt doppelten Grund. Ich habe mich in acht Jahren Profi-Volleyball noch nirgends so wohl gefühlt wie hier. Und ich bin ja schließlich hierher gekommen, weil Berlin diesen Titel unbedingt haben will. Wir könnten dann in der Schmeling-Halle Champions League spielen, das wäre ein weiterer fantastischer Level für uns. Es würde uns helfen, wie es den Füchsen geholfen hat. Das Publikum liebt solche Events, Berlin ist eine so großartige Sportstadt.