1:0-Sieg

Hamburg atmet auf

Son Heung Min schießt den HSV zum 1:0-Erfolg gegen Hannover

- Thorsten Fink spurtete auf den Rasen und herzte jeden, der seinen Weg kreuzte. Während die Fans "Niemals Zweite Liga" sangen, redete der Trainer des Hamburger SV liebevoll beschwörend auf David Jarolim ein, drückte seine Wange in das Gesicht des Torschützen Son Heung Min und umarmte jeden, wirklich jeden Betreuer einzeln. Sogar das Maskottchen "Dino Herrmann" bekam Finks Erleichterung nach dem 1:0 gegen Hannover 96 zu spüren.

Es war für Trainer, Spieler und Fans des noch nie abgestiegenen Bundesliga-Gründungsmitglieds kein normales Nordduell. Der Hamburger SV befindet sich im Kampf um die Bundesliga-Existenz und scheint dies gerade noch rechtzeitig begriffen zu haben. "Heute bin ich zufrieden. Das war die Ausstrahlung, die ich mir von meiner Mannschaft im Abstiegskampf wünsche", sagte Fink erleichtert. Noch am Mittwoch hatte der frühere Mittelfeldspieler von Bayern München kein gutes Haar an seiner Mannschaft gelassen, was nach dem 0:4 von Hoffenheim allerdings auch verwunderlich gewesen wäre.

Immer hatte sich der 44 Jahre Trainer schützend vor seine Mannschaft gestellt, doch nach dem Offenbarungseid verschärfte Fink den Ton: "Es war mal Zeit, dass wir unsere Spieler nach außen hin kritisieren. Es kann nicht sein, dass man gegen Bayern oder gegen Leverkusen so gut spielt und dann in Hoffenheim 0:4 verliert." Die Lektion hatten seine Profis verstanden, gegen den Europa-League-Kandidaten Hannover 96 waren von Beginn an Kampf und Leidenschaft zu spüren.

Matchwinner mit Gänsehaut

Schon nach zehn Sekunden holte der Südkoreaner Son den ersten gefährlichen Freistoß heraus, vor seinem Treffer setzte er sich beherzt gegen Steven Cherundolo durch und vollendete gekonnt. "Das Tor ist wie ein Traum für mich. Es war eine tolle Stimmung im Stadion, ich hatte eine Gänsehaut", sagte Son. Für Feierlichkeiten ist es in Hamburg allerdings noch deutlich zu früh, die Konkurrenten FC Augsburg und Hertha BSC punkteten ebenfalls. "Es war ein kleiner Schritt, wir sind noch lange nicht durch", sagte David Jarolim bestimmt. "Alle haben mitgezogen, wenn wir das weiter machen, dann schaffen wir es auch", fügte Marcell Jansen hinzu. Die Tabelle bestätigt beide. Der HSV ist noch lange nicht aus der Gefahrenzone und muss in den verbleibenden drei Partien an diese kämpferische Leistung anknüpfen. "Wir müssen gleich nachlegen", sagte Fink, sicher ist er sich aber nicht, dass dies seiner Mannschaft auch gelingen wird: "Nächste Woche in Nürnberg müssen wir schauen, ob wir das gleiche Gesicht zeigen. Wir haben Leistungsschwankungen."

Schwankend - das gilt auch für Hannover. Nach dem Heimsieg gegen Wolfsburg zeigte 96 wieder sein unschönes Auswärts-Gesicht. "Der HSV war die agilere, bissigere Mannschaft", sagte Trainer Mirko Slomka. "Ich kann mir nicht erklären, warum wir auswärts so viel schlechter auftreten als zu Hause", fügte Keeper Ron-Robert Zieler an. Hoffnung im Rennen um die Teilnahme an der Europa League schöpft er vor allem aus einem Fakt: Kommenden Sonntag gegen Freiburg spielt Hannover wieder zu Hause.