Handball

Füchse verspielen Vorsprung und verlieren Platz zwei

Flensburg macht einen 12:19-Rückstand wett. Berliner bangen um ihren verletzten Kapitän Laen

- Und immer wieder stand da Mattias Andersson. Mal mit den Armen oder auch mit den Füßen wehrte der Torhüter der SG Flensburg-Handewitt in der Schlussphase des Handballspiels gegen die Füchse die Würfe der Berliner Angreifer ab, wurde so zum Mann des Tages - und nach 60 Minuten von seinen Mannschaftskollegen gebührend gefeiert. Derweil trotteten die Füchse enttäuscht vom Feld. Sie hatten den Sieg schon vor Augen, unterlagen am Ende aber beim Nordklub mit 25:28 (17:12) und mussten die SG in der Tabelle an sich vorbeiziehen lassen. Flensburg ist nun Zweiter, die Berliner stehen auf dem dritten Platz, der aber ebenfalls noch zur direkten Qualifikation zur Champions League berechtigt. Sven-Sören Christophersen war mit sieben Treffern bester Werfer der Füchse, die zwischenzeitlich schon mit sieben Toren geführt hatten.

Während die Füchse an der Förde in Bestbesetzung antreten konnten, mussten die Gastgeber auf einen ihrer Besten verzichten. Nationalspieler Holger Glandorf wird der SG aufgrund einer Fersenverletzung wochenlang fehlen, er war am Freitag operiert worden. "Das ist eine Katastrophe", sagte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. Doch auch die Füchse haben Anlass zur Sorge, in der Partie gegen Flensburg verletzte sich Kapitän Torsten Laen am Bein, konnte nicht mehr weiterspielen. Eine genaue Diagnose steht noch aus.

Vor 6251 Zuschauern erwischten die Füchse einen Traumstart. Sie übernahmen nach rasanten sechs Minuten auf fremdem Parkett die Führung zum 4:3, zeigten attraktiven Tempohandball und hohe Zielgenauigkeit im Abschluss. Vor allem Sven-Sören Christophersen war in Torlaune, der Nationalspieler spielte überragend auf und erzielte mit dem 9:4 (13.) seinen fünften Treffer. "Er ist ein Rückraumspieler, der Partien alleine entscheiden kann", sagte Ex-Welthandballer Daniel Stephan und lobte die ganze Mannschaft: "Die Füchse haben durch harte Arbeit und ein glückliches Händchen in der Personalpolitik großen Erfolg, außerdem ist Trainer Dagur Sigurdsson ein exzellenter Taktiker."

Letzteres trifft freilich auch auf Ljubomir Vranjes zu, der in einer Auszeit die Abwehr auf eine 3:2:1-Deckung umstellte. Somit wurde Christophersens Wirkungskreis stark eingeschränkt. Die Flensburger kämpften sich wieder heran, verkürzten zwischenzeitlich gar auf 10:8 (19.). Aber die Füchse blieben cool und konzentriert, nutzten jede noch so kleine Schwäche der SG aus. "Die Füchse stehen sehr gut in der Abwehr, sie sind abgeklärter und kommen besser mit dem Druck klar", sagte Daniel Stephan in der Halbzeit.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit ändern. Zwar bauten die Berliner ihren Vorsprung zunächst auf sieben Tore zum 19:12 (34.) aus, doch dann entdeckten die Platzherren ihren Kampfgeist und agierten nun auch viel aggressiver. Das beeindruckte auch die Füchse, die sich zunehmend schwerer taten, während Flensburg Tor um Tor herankam. Elf Minuten waren noch zu spielen, da schaffte Petar Djordjic den viel umjubelten Ausgleich für die Flensburger zum 22:22. Die Partie war nun wieder völlig offen. Und so ganz nach dem Geschmack der Fans, sie machten die Campushalle jetzt auch zur berüchtigten Hölle Nord.

Jetzt ging auch die Abwehr der Füchse aggressiver zu Werke und versuchte, die Angriffsversuche des Gegners früh zu stören. Erneut Djordjic brachte sein Team in Führung, und im Tor brillierte ein ums andere Mal Andersson. Die Entscheidung fiel in der 56. Minute, als Iker Romero einen Siebenmeter für die Berliner verwarf, Flensburg im Gegenzug das 26:24 erzielte. Und dann musste Christophersen nach einem Foul auch noch für zwei Minuten auf die Bank. "Das ist ganz bitter für die Füchse, die vierzig Minuten lang eine abgeklärte und souveräne Vorstellung gezeigt haben", analysierte Stephan.

Die Füchse müssen ihre fünfte Saisonniederlage rasch verarbeiten, schon am Mittwoch geht es in der Liga weiter. In der Schmeling-Halle empfangen sie den Bergischen HC (20.15 Uhr).