Titelverteidigung

Schwarz und Gelb und clever

Meister Borussia Dortmund spielt nicht mehr nur mitreißenden Fußball, sondern nun auch abgebrüht. Deshalb winkt die Titelverteidigung

- Viel Schlaf hatte er nicht bekommen. "Ganz schön früh ist es", habe er gedacht, als er am Morgen nach dem großen Triumph aufwachte. Zu aufgewühlt war Jürgen Klopp nach dem Sieg über den FC Bayern München gewesen, als dass er gleich hätte schlafen gehen können. Also hatte er sich erst noch die Zusammenfassung des Spieltages im Fernsehen angeschaut und war spät ins Bett gekommen. Fußball kann also auch für einen Powertypen wie Klopp bisweilen beruhigend sein. Allerdings nur, wenn seine Borussia nicht beteiligt ist.

Als er Donnerstagmorgen am Trainingsgelände im Dortmunder Stadtteil Brackel vorfuhr, waren die Gedanken des Trainers wieder ganz bei den Erlebnissen vom Mittwochabend. "Es war ein außergewöhnliches Spiel", sagte Klopp: "Wir haben eine erste Hälfte gespielt, die nah am Optimum war" - und dann, in einer der "außergewöhnlichsten Schlussphasen der Bundesligageschichte in hektischen Momenten die Ruhe bewahrt".

Auf den Spuren Ottmar Hitzfelds

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff, als die Spieler vor der Südtribüne tanzten und die Fans von der Meisterschaft sangen, hatte der Meistertrainer, der als erster Dortmunder Coach nach Ottmar Hitzfeld (1996) wohl den Titel erfolgreich verteidigen wird, noch Mühe gehabt, den vierten Sieg in Folge über den Rekordmeister zu realisieren. "Viermal in Folge die Bayern zu besiegen, ist eigentlich unmöglich", hatte er in einer ersten Stellungnahme gesagt: "Das erste Mal haben wir hingekriegt, beim zweiten Mal habe ich gesagt, das kann nicht sein, aber wir haben es hingekriegt, beim dritten Mal habe ich gesagt, das ist ausgeschlossen, aber wir haben es wieder hingekriegt."

Und diesmal sei es das "beste Spiel" gewesen, das sie überhaupt gegen die Bayern gemacht hätten. Schließlich hatten die Dortmunder es diesmal auch mit einem wesentlich stärkeren FC Bayern zu tun gehabt. "Das einzige Problem der Bayern in dieser Saison ist, dass wir so viele Punkte haben", verwies der Trainer auf nunmehr sechs Zähler Vorsprung auf den Verfolger nach dem 1:0 (0:0).

Doch speziell gegen Ende des Mittwoch-Spiels, als die Bayern ihre taktischen Fesseln endlich abgelegt hatten und die Dortmunder dem hohen Tempo Tribut zollen mussten, zeigte Klopps Team, was es in den vergangenen Monaten gelernt hat: Neben der Nervenstärke, die sich nicht zuletzt in dem von Roman Weidenfeller gehaltenen Elfmeter von Arjen Robben manifestierte, war auch eine Modifizierung der Spielweise zu erkennen. Es war eben nicht nur Leidenschaft, sondern - neben einem Quäntchen Glück - auch Qualität und Cleverness, die den Ausschlag für den Sieg gegeben hatten.

So zeigte sich der Wert von Robert Lewandowski, der mit seinem 20. Saisontreffer dokumentierte, dass er von der Effizienz eines Mario Gomez (25) oder Klaas-Jan Huntelaar (24) nicht mehr so weit entfernt ist, auch darin, wie er immer wieder für Entlastung sorgen konnte. "Er hat tolle Spiele gemacht, vor allem in Momenten, in denen es für uns ganz wichtig war", lobte Klopp den polnischen Nationalstürmer. Lewandowski beruhigte das hektische Spiel, indem er, technisch versiert, den Ball immer wieder in der gegnerischen Hälfte hielt. So verschaffte er der in Schwierigkeiten gekommenen Hintermannschaft immer wieder Verschnaufpausen.

Sorge vor dem Revierderby

Die Dortmunder sind gerade dabei, die nächste Entwicklungsstufe auf dem Weg zu einer etablierten Spitzenmannschaft zu nehmen. Basierend auf Grundtugenden wie dem konsequenten Spiel gegen den Ball und dem schnellen Umschalten hat auch der Variantenreichtum zugenommen: Das Team lernt, auch mehr Ballbesitz anzustreben. Es versucht, wenn es spürt, dass der Gegner stärker wird, Ergebnisse auch zu verwalten. "Das, was wir machen, geht nicht im Vorbeigehen. Wir machen das mit Haut und Haaren. Fertig", sagte Klopp: "Spielst du nur einen Tick schlechter, kriegst du auf die Ohren."

Das gilt erst recht für das Revierderby. Es bleibe kaum Zeit, um darüber nachzudenken, um wie viel näher sich der BVB durch den Sieg im Ligagipfel der achten Meisterschaft gebracht habe, wenn ein Gang zum Erzrivalen nach Schalke ansteht. "Was die Motivation angeht, ist das ein perfektes Spiel", erklärte Klopp. Dieses Spiel steht auch für die Schalker nach dem deprimierenden 1:4 in Nürnberg unter einem besonderen Stern. "Wir wissen, was das Spiel gegen Dortmund für die Fans bedeutet", sagte der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder und ergänzte: "Für manche ist es wichtiger, das Derby zu gewinnen, als einen Titel zu holen."

Spannend ist auch die Frage, wie die möglichen Erfolge gefeiert werden. Dabei hatte sich die Stadt Dortmund doch so bemüht, vorausschauend zu planen. Schon im Dezember wurde entschieden, die vom 4. bis 6. Mai in den Westfalenhallen anberaumte Messe "Hund und Heimtier" um eine Woche zu verschieben. Schließlich sollte, für den Fall der Meisterschaft, am 6. Mai, dem Sonntag nach Saisonschluss, die offizielle Feier stattfinden. Doch dann zog der BVB auch noch ins Pokalfinale ein. Folglich kam nur noch der 13. Mai, der Sonntag nach dem Endspiel in Berlin, in Frage. Aber an diesem Tag blockieren nicht nur die Hundefreunde die Parkplätze vor den Hallen der Bundesstraße 1, dem geplanten Ort für die große Bühne. Es finden in Nordrhein-Westfalen auch noch die Landtagswahlen statt.