Dortmund gegen Bayern

Diese beiden treiben es auf die Spitze

Dortmund gegen Bayern: Worum es heute beim Bundesliga-Gipfel zwischen dem Ersten und Zweiten geht

Ausgangsbasis

Klopps Fahrrad-Trick Gewinnt die Borussia, hat sie sechs Punkte Vorsprung auf München. Noch nie in der Geschichte der Bundesliga ist ein Tabellenführer vier Spieltage vor Schluss dann noch abgefangen worden. Auch wenn Trainer Jürgen Klopp seinen Spielern das Rechnen verbietet und predigt: "Bei einem Sieg über die Bayern sind wir noch nicht durch" - eines kann er nicht leugnen: "Selbst ich muss anerkennen, dass wir bei drei Punkten Vorsprung vor dem Heimspiel die bessere Ausgangsposition haben." Um seine Spieler auf knifflige Situationen einzustimmen, setzt Klopp oft auf Visualisierung. Zum Beispiel mithilfe eines YouTube-Videos: Kurz vorm Ziel reißt ein Rennradfahrer die Arme siegesgewiss hoch, doch sein Rad gerät plötzlich ins Schlingern, "und es haut ihn voll auf die Fresse", drückt Klopp es drastisch aus. Ende vom Lied: der arme Tropf wird noch überholt. So dusselig sollen sich seine Dortmunder heute Abend tunlichst nicht anstellen.

Zum Siegen verdammt Auch wenn im Anschluss noch vier Spieltage anstehen: Die Bayern wissen, dass sie bei drei Punkten Rückstand gewinnen müssen, um die Titelchance zu wahren. Aus der Erfahrung heraus liegen ihnen diese Alles-oder-Nichts-Spiele. 2001 mussten sie am letzten Spieltag beim Hamburger SV gewinnen, um noch Meister zu werden. Sie siegten in letzter Minute, Rivale Schalke wurde nur "Meister der Herzen". Oder 1989: Da lag der 1. FC Köln am 31. Spieltag nur zwei Punkte hinter den Bayern. Doch die Münchner gewannen unter Heynckes das direkte Duell mit 3:1 und bremsten die übermütigen Kölner mit Christoph Daum als Coach noch aus. Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat jetzt vom "Tag der Wahrheit" in Dortmund gesprochen. Deshalb will Heynckes voll auf Sieg spielen lassen. Wird es ein Unentschieden, ist immer noch nichts verloren: Dann erwartet der Bayern-Trainer ein "Fotofinish am letzten Spieltag".

Torjäger

Karate-Geheimnis In jeder Saison als Profi gewann Robert Lewandowski (23) bislang einen Titel. 2010/11 noch zweitbester Bundesliga-Joker, hat der polnische Nationalstürmer Lucas Barrios als Stammkraft verdrängt. Er spielt mannschaftsdienlicher. Nuri Sahin gab ihm den Spitznamen "The Body". Polens Klatschpresse gefällt aber auch seine Freundin, die Karatekämpferin Anna Stachurska.

Herr der Ringe Mario Gomez zählt mit 39 Toren in 42 Pflichtspielen zu den Top-Torjägern Europas. Stolz sah man Freundin Silvia kürzlich auf der Tribüne mit einem neuen, aufwendig verarbeiteten Ring mit schwarzem Stein. Davon könnte der Stürmer sicher viele kaufen. Mit seinem neuen Vertrag bis 2016, der ihm jährlich bis zu zehn Millionen Euro einbringen soll, zählt er zu den Top-Verdienern.

Taktgeber

Preishit aus Japan Schnäppchen Shinji Kagawa kam 2010 für 350.000 Euro aus Osaka/Japan. Der beidfüßige Dribbler hat seinen Marktwert längst vervielfacht. Die Akklimatisierung des kleinen Filous (1,72 m) rasant beschleunigt hat der Derbysieg auf Schalke vorige Saison: Beim 3:1 schoss Kagawa zwei Tore, in Dortmund trugen ihn die Fans am selben Abend auf Schultern. Seinen Vertrag mag er (noch) nicht vorzeitig über 2013 hinaus verlängern. Träumt Kagawa von der Premier League, die in Japan beliebter als die Bundesliga?

Zauberer

Mit Papas Segen Franck Ribery ist in seiner fünften Saison beim FC Bayern so inspirierend wie lange nicht: elf Tore und 13 Torvorlagen sprechen für den Franzosen. Das Geheimnis seines Zaubers liegt auch darin, wie Trainer Heynckes den Star behandelt. Als Ribery kürzlich Vater wurde, rief ihn Heynckes im Krankenhaus an, um sich nach seiner Frau zu erkundigen und ihm Glück zu wünschen. Kein Wort über Training oder Fitness. "Da dachte ich mir", sagte Ribery, "das ist ein unglaublicher Mensch." Heynckes sei für ihn wie ein "Papa."

Aufsteiger

Junge aus Schalke Von wegen "Transferflop". Nach Anlaufschwierigkeiten gibt der frühere Nürnberger Ilkay Gündogan (21) in der Doppelsechs den Antreiber und ist obendrein noch torgefährlich. Wer weiß, ob der BVB im DFB-Pokalfinale stehen würde, hätte nicht Gündogan in Fürth in der 120. Minute das 1:0 erzielt. Eine emotionale Zwickmühle haben sie in Dortmund auch gelöst: Gündogan ist in Gelsenkirchen geboren, jedoch im westlichen Stadtteil Heßler. Als Sprachregelung gilt deshalb: "Essen-Ost".

Entdeckung

Erfolg im Blut David Alaba kann in München auf zwei Trainer setzen: Jupp Heynckes als seinen Förderer und Franck Ribery als Mentor. Durch sie ist der 19-Jährige zu einem der besten Linksverteidiger der Liga gereift und hat bislang von 29 möglichen Ligaspielen 26 bestritten. Der Erfolg liegt ihm offenbar im Blut. Geboren in Wien, hat Alaba eine Mutter, die einst Schönheitskönigin auf den Philippinen war, und einen Vater aus Nigeria, der es als Rapper mal in die österreichischen Charts geschafft hat.

Die Trainer

Überrumpeln statt dominieren Neulich hat Jürgen Klopp den Videotext am Fernseher eingeschaltet und eine Meldung mit seinen Namen darin gelesen - als Trainer-Kandidat für den FC Chelsea. "Geil", feixte der 44-Jährige. Einst Abwehrspieler mit überschaubarem Talent, gehört "Kloppo" heute zu den modernsten Fußballlehrern des Landes. Er ist eine Art Anti-van-Gaal. Statt Dominanz durch Ballbesitz lautet sein Credo: Wir wollen den Gegner nicht beherrschen, sondern ihn überrumpeln, durch druckvolles Spiel gegen den Ball und flinkes Umschalten. Viel abgeschaut hat Klopp sich von Wolfgang Frank, unter dem er einst beim FSV Mainz als Profi gespielt hatte. Frank war einer der ersten Trainer in Deutschland, der in der Abwehr mit Viererkette spielen ließ mit einer ballorientierten Deckung - für Klopp bis heute ein Vorbild.

Keine Zeit für Kino Jupp Heynckes sagt, er war zuletzt Ende der 80er-Jahre im Kino. Damals lief "Rain Man" mit Dustin Hoffman. Seitdem hat er keine Zeit mehr gehabt. Die wenigen freien Stunden nutzt der Bayern-Trainer für Analysen des Gegners. Am Ostermontag legte er noch mal die DVD mit Dortmunds 4:4 gegen Stuttgart ein. 66 Jahre ist er alt, seit 33 Jahren Trainer und kein bisschen amtsmüde. Ein Junggebliebener, der ohne Fußball nicht kann. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Heynckes bleibt. Er surft mit einem Smartphone im Internet und weiß, dass es um Musik geht, wenn die Spieler in der Kabine über Lady Gaga sprechen. Lockerer ist er geworden. Das sagen alle, die ihn lange kennen. Und genauso ehrgeizig und akribisch geblieben. Seiner Mannschaft gefällt das offenbar.

Die Taktik

Vorsicht auf Außen Gegen den FC Bayern gewann Dortmund die vergangenen drei Spiele, indem der BVB die Flügelstars Ribery und Robben nicht zur Entfaltung kommen ließ. Die Doppeldeckung der Borussia ist auch heute Teil des Plans: Piszczek und Blaszczykowski sind für Ribery zuständig, Schmelzer und Großkreutz für Robben. Trainer Klopp: "Das, was den Gegner stark macht, wollen wir nicht stark werden lassen."

Schnelle Wechsel Das Doppeln ihrer Außen Franck Ribery und Arjen Robben umgingen die Bayern zuletzt mit schnellen Seitenwechseln. Das ermöglicht ein variables Spiel, als sich allein auf die individuelle Klasse Einzelner zu verlassen. Auch in Dortmund wird es die Münchner Taktik sein, früh zu attackieren und zu pressen - schon allein, um die schnellen Ballstafetten der Borussen zu verhindern.