Zweite Liga

Bei Union steht verletzter Quiring vor dem Saisonaus

Enttäuschung, Frust, Verzweiflung - vielleicht sogar Wut? Die emotionale Verfassung von Christopher Quiring wird derzeit ohne Zweifel eine Mischung aus allem sein.

- Kein Wunder, gab der Mittelfeldspieler des 1. FC Union doch am Donnerstag beim 1:0 (1:0) gegen Erzgebirge Aue seinen zweiten Comeback-Versuch nach überstandener Oberschenkelverletzung - und befand sich nur zwölf Minuten später schon wieder auf dem Weg in die Kabine. Es war der Tiefpunkt in einer Partie, die aus Sicht des Berliner Fußball-Zweitligisten nur einen Höhepunkt hatte: den Siegtreffer durch Chinedu Ede (9.).

Quirings erneute Muskelverletzung am rechten Oberschenkel wirft Fragen auf. Ist der 21-Jährige, nachdem er sich Mitte Februar in Bochum einen Muskelfaserriss zugezogen und vier Wochen später im Spiel in Aachen schon einmal einen Rückschlag erlitten hatte, zu früh auf den Platz zurückgekehrt? "Er hat im Training alles absolviert, mehr Sprints als im Spiel gemacht", sagte Trainer Uwe Neuhaus: "Es ist fast gar nichts zu sehen. Vom Ablauf ist es wie in Aachen, es kann kein Riss sein. Er geht normal die Treppe rauf."

Hatte der Flügelflitzer, ehrgeizig wie er ist und eventuell auch um seinen erst in dieser Saison erworbenen Stammplatz fürchtend, den wahren Gesundheitszustand seines Oberschenkels beschönigt? "Ich glaube nicht, dass er etwas verheimlicht hat. Spätestens nach dem ersten Rückschlag hat er schon Respekt davor gehabt", so Neuhaus. Dass der Coach den Spieler ermahnt hatte, auf Nummer sicher zu gehen und im Zweifel lieber auf ein Spiel mehr zu verzichten, gibt der Sache allerdings einen Beigeschmack.

Quiring selbst, der "von Saisonende bis Karriereende in seinem Kopf alles durchspielt" (Neuhaus), wirkt ratlos: "Ich habe voll trainiert und keinerlei Beschwerden gehabt. Keine Ahnung, warum so was dann im Spiel passiert und nicht im Training. Ich muss jetzt mit der Situation klarkommen und hoffe, dass wir herausfinden, woran das liegt." Rückendeckung bekommt er dabei von Ede: "Ich hatte die gleiche Geschichte auch dreimal hintereinander. Man denkt, es geht, man trainiert, schießt, sprintet, alles ist in Ordnung. Ich denke nicht, dass unsere medizinische Abteilung zu voreilig gehandelt hat. Er hätte ja am liebsten noch früher gespielt, sie haben ihn schon gebremst."

Gegen Aue wirkte Quiring wie ein verängstigter Junge, der unbedingt verbergen wollte, was passiert war. Erst als Kapitän Torsten Mattuschka mit wilden Gesten auf dem Rasen signalisierte, dass mit Quiring etwas nicht stimmte, beorderte ihn Neuhaus vom Feld - und da das Wechselkontingent erschöpft war, musste Union die Partie zu Zehnt beenden. Saisonende für Quiring? Neuhaus: "Das würde ich so formulieren - mit Fragezeichen."