Handball

Mit neuem Mut zurück ins Leben

Die deutschen Handballer haben das EM-Debakel verkraftet und kämpfen wieder mit Leidenschaft

- Das Packen seiner Reisetasche geht Martin Heuberger leicht von der Hand. Als Bundestrainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft ist es der 47-Jährige gewohnt, viel unterwegs zu sein. Mal schaut er sich seine Spitzenkräfte in Kiel oder Berlin an, mal führt er die Delegation des Deutschen Handballbundes (DHB) an - wie am Montag in Danzig, wo seine Auswahl Polen 28:26 bezwang.

Über ein Kurztrainingslager in Glücksburg geht es für den Tross weiter nach Herning in Dänemark, wo am Freitag die Begegnung mit dem Europameister ansteht; einen Tag später gibt es das gleiche Duell in Flensburg. "Ich bin schon mehr unterwegs, seit ich diesen Job habe", gibt Heuberger zu. Der Aufwand aber sei es wert, der Bundestrainer ist bester Laune. "Denn die Mannschaft lebt, sie hat gegen Polen mit Herz und Leidenschaft gespielt", freut sich Heuberger.

Zwei Monate sind vergangen, seit der deutsche Männerhandball bei der EM einen Tiefpunkt erlebt hat. In Serbien hatte die Auswahl das Halbfinale und damit die letzte Chance auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London verpasst. So gerieten gleich die ersten Titelkämpfe für den neuen Bundestrainer Heuberger, der im Sommer 2011 Nachfolger des legendären Heiner Brand geworden war, zu einem Fiasko. Während über Ostern viele Nationen um die letzten Olympiatickets kämpfen, übt Deutschland schon für die Zukunft.

Viel wurde seit dem EM-Aus geredet - und gestritten, vor allem zwischen der Handball-Bundesliga (HBL) und dem Verband. Immer wieder gab es Vorwürfe, der DHB sei unmodern. Nationaltorhüter Silvio Heinvetter von den Füchsen Berlin hatte gar den Rücktritt von Verbandspräsident Ulrich Strombach gefordert. "Da ist viel Porzellan zerschlagen worden", gibt Bob Hanning zu.

Der Geschäftsführer der Füchse und Vizepräsident der Handball-Bundesliga hält sich mit Kritik nicht zurück, er legt gern den Finger in die Wunde. Der 44-Jährige fordert mehr denn je eine professionelle Nachwuchsarbeit im deutschen Handball, so wie es die Liga vormacht. "Die HBL investiert pro Saison fünf Millionen Euro in die Jugend", sagt Hanning und hofft, dass der "gordische Knoten zwischen Verband, Liga und den Landesverbänden" schon bald zerschlagen wird, um gemeinschaftlich die Zukunft zu gestalten und mittelfristig auch wieder den Anschluss an die Weltspitze zu schaffen. "Wir müssen mit unserem Potenzial bis 2020 der modernste Handballverband weltweit sein", fordert Hanning.

Auf dem Parkett hat Heuberger die Wende bereits eingeleitet, junge Spieler erhalten nun zunehmend eine Chance sich zu bewähren, dafür wurde jüngst auch die B-Nationalmannschaft ins Leben gerufen, in der zuletzt auch die Berliner Johannes Sellin und Ewgeni Pewnow debütierten. Der Bundestrainer richtet den Blick nach vorn. Muss er auch, immerhin steht im Juni die Qualifikation für die WM 2013 an. "Diese Spiele gegen Bosnien-Herzegowina sind extrem wichtig, um dann bei der WM in Spanien den nächsten Schritt machen zu können", sagt Heuberger.

Nachwuchselite beim Rookie Cup

Im Bemühen um eine bessere Nachwuchsarbeit hat der DHB in der Vorwoche Ex-Weltmeister Markus Baur als neuen Junioren-Bundestrainer verpflichtet. In Christian Schwarzer und Klaus-Dieter Petersen sind bereits zwei frühere Weltklassespieler in der Nachwuchsförderung aktiv. Beide werden auch am Wochenende beim Rookie Cup in Berlin weilen, wenn die besten deutschen Jugendspieler um den Sieg kämpfen. "Wenn wir eine gute Anschlussförderung gewährleisten, sehen wir am Osterwochenende in Berlin vielleicht Spieler, die Deutschland bei den Olympischen Spielen 2020 vertreten können", sagt Hanning, "auf jeden Fall tummelt sich bei dem Turnier die Nachwuchselite aus Deutschland." Der Rookie Cup steigt von Freitag bis Sonntag im Horst-Korber-Sportzentrum und in der Sporthalle Falkenseer Damm (Eintritt frei).