Wasserball

Spandau träumt von Olympia

Sieben Berliner Wasserballer wollen sich für London qualifizieren

- Wasserball, das weiß jeder, der es einmal selbst probiert hat, ist nur etwas für schmerzfreie Typen mit langem Atem. Das Nationalteam Südafrikas hat wohl deshalb, obgleich als Afrikameister für die Olympischen Spiele qualifiziert, dankend auf sein London-Ticket verzichtet. Die Aussicht, bei fünf Auftritten gegen die Topteams der Welt fünfmal buchstäblich abzusaufen, war Grund genug dafür.

Deshalb geht es beim Qualifikationsturnier in Edmonton/Kanada vom 1. bis 8. April nun um vier statt um drei freie Plätze für die Olympischen Spiele. Auch an dieser Veranstaltung mögen manche Nationen nicht teilnehmen, obwohl sie startberechtigt wären. Ägypten etwa, der zweite halbwegs wettbewerbsfähige Afrikavertreter, ist ebenso unpässlich wie Japan, China und Neuseeland. Nachrücker sind Argentinien sowie Niederlande, Mazedonien und Türkei, die bei der EM im Januar in Eindhoven nur die hintersten Ränge zehn bis zwölf belegten. So ähnelt dieses Turnier nun einer B-Europameisterschaft mit amerikanischer Beteiligung. Bei der Deutschland, der EM-Fünfte, zu den Favoriten zählt. Bundestrainer Hagen Stamm ist sicher: "Wir sind in London dabei. Mit dem Thema des Scheiterns befasse ich mich gar nicht."

Er und sein Team, in dem allein sieben Spandauer Wasserfreunde stehen, befassen sich stattdessen mit den Vorrundengegnern Rumänien, Montenegro, Niederlande, Griechenland und Mazedonien. Jeden von ihnen haben die Deutschen in jüngerer Vergangenheit besiegt. Stamm sagt voller Optimismus: "Wir sind kontinuierlich besser geworden. Andere Nationen haben Angst vor uns." Vor zwölf Jahren, als er seinen Job übernahm, erinnert sich der 51-Jährige, verlor sein Team noch gegen Kroatiens Junioren. Bei der vergangenen EM in Eindhoven warfen sie die kroatischen Männer aus dem Wettbewerb. Olympiasieger Ungarn oder Weltmeister Italien wurden bereits geschlagen.

Im Trainingslager in Kalifornien unterlag Stamms Sieben zwar in den zwei letzten Testspielen den USA 10:12 und Italien 5:9, aber "wir haben gelernt, uns zu wehren", sagt Zellmer, "früher haben uns die großen Nationen geschlagen, weil sie uns körperlich überlegen waren. Jetzt beschweren sie sich über unsere Härte. Wir sehen das als Anerkennung."

Und Edmonton als eine große Chance, sich wie zuletzt vor Athen 2004 und Peking 2008 zum dritten Mal in Folge für Olympische Spiele zu qualifizieren. Nachdem die deutschen Fußballer, Handballer und Basketballer grandios an diesem Ziel gescheitert sind, die Volleyballer noch vor sehr schweren Ausscheidungsturnieren stehen, eine gute Gelegenheit, die Randsportart Wasserball einmal wieder in den Vordergrund zu rücken. Und Stamm einen würdigen Abschied zu verschaffen. Der Bundestrainer hat angekündigt, sein Amt nach London aufzugeben.

"Wir müssen in unserer Gruppe Erster oder Zweiter werden, dann haben wir die besten Voraussetzungen", sagt Torjäger Moritz Oeler. Der Einzug ins Halbfinale bedeutet die Qualifikation für London. Geht Oelers Plan auf, drohen im Viertelfinale Gegner vom Kaliber Brasiliens oder der Türkei, von denen nicht viel mehr bekannt ist, als dass sie schwimmen können. Sollte es schlechter laufen, könnte auch Spanien der Kontrahent im alles entscheidenden Spiel werden. Zuletzt trafen sich beide Teams bei der EM. Deutschland gewann 16:10. Hagen Stamms Optimismus scheint berechtigt.