Basketball

Alte Freunde, neue Rivalen

Gemeinsam haben Mithat Demirel und Marko Pesic sehr viel erreicht, heute stehen sie sich mit Alba und Bayern gegenüber

- Und doch ist die Toppartie der beiden Teams heute in der O2 World (20 Uhr, Sport1 live) für sie etwas ganz Besonderes. Demirel spricht für beide: "Wir werden danach weiter Freunde sein." So wie seit 17 Jahren.

Sie sind einst zusammen in Lankwitz zur Schule gegangen, beseelt von dem Traum, Basketballprofi zu werden. Sie haben sich als Nachwuchskräfte bei TuS Lichterfelde und Alba Berlin hochgedient, holten dort zwischen 1997 und 2003 fünf nationale Meistertitel und vier Pokalsiege, sie wurden Nationalspieler (Platz drei bei der WM 2002, EM-Zweite 2005), inzwischen hat jeder seine eigene Familie. Pesics Sohn Luka ist sechs Jahre alt, Titus, der Filius von Demirel, seit Donnerstag 14 Monate. Und sie haben jetzt Jobs, um die sie viele beneiden. Dennoch ist diese Vertrautheit geblieben. Marko Pesic drückt es so aus: "Wenn ich Mithat sehe, denke ich immer gleich, ich müsste jetzt zu ihm passen." So wie sie es tausende Male gemacht haben, als Spielmacher Demirel und Flügelspieler Pesic gemeinsam auf dem Parkett standen.

Wenn Demirel sagt, er freue sich, "dass Marko und ich jetzt so tolle Arbeitsmöglichkeiten haben", scheint auch etwas Verwunderung mitzuschwingen, darüber, was aus den Jungs vom Beethoven-Gymnasium geworden ist, die zwischen 1995 und 1997 in einer Klasse den beschwerlichen Weg zum Abitur gingen.

Schulzeit hat sehr geprägt

Wer einst der bessere Schüler war, darüber gehen die Meinungen auseinander. Noten werden nicht verraten, Demirel sieht sich zwar im Vorteil, wählt als offizielle Sprachregelung aber den unverfänglichen Satz: "Wir haben uns auch in der Schule gut ergänzt." Pesic kontert: "Ich war der bessere, Mithat der geschicktere Schüler." Unstrittig ist, dass im Sportunterricht der 1,80 Meter große Demirel gegenüber Pesic (1,98 Meter) speziell beim Geräteturnen deutlich im Vorteil war.

"Extrem geprägt" hätten sie die Zeit in der Schule, die Doppelbelastung mit dem Sport, später die gemeinsamen Profijahre, erzählt Demirel. Bei Alba waren sie anfangs die Jungen, "die in Lauerstellung waren", um sich gegen die Etablierten durchzusetzen. Keine leichte Zeit, weil man sich jede Minute im Alba-Team schwer erkämpfen musste; Frust war oft Wegbegleiter, weil der Trainer einen wieder mal gar nicht oder nur sehr kurz eingesetzt hatte. Für Pesic war's doppelt schwer. "Er musste noch mehr arbeiten als die anderen. Sein Vater hat ihn hart rangenommen", erinnert sich Demirel.

Der Vater: Svetislav Pesic, Coach bei Alba. "Mein Vater war fordernd, streng, aber gerecht", stellt der Sohn im Rückblick fest. Auf dem Rücksitz ging Demirel da schon mal in Deckung, wenn auf der gemeinsamen Rückfahrt nach einem Training bei der Familie Pesic im Auto die Fetzen flogen.

Beiden ist Emir ("Muki") Mutapcic eine große Stütze gewesen, lange Jahre Trainer bei TuSLi und Alba, erst Assistent von Pesic, später selbst Cheftrainer. Er hat die Jungen immer wieder aufgebaut. "Ohne ihn wären wir nicht da, wo wir heute sind", ist sich Pesic sicher. "Das sollte man in dieser schnelllebigen Zeit nicht vergessen." Er nennt Mutapcic "Vaterfigur". Demirel ergänzt: "Nicht nur in sportlicher Hinsicht, auch fürs Leben hat er uns viel mitgegeben." Uns - den heutigen Sportdirektoren Pesic und Demirel, auch dem Architekten Stipo Papic, dem Arzt Jörg Lütcke oder dem Rechtsanwalt Alexander Frisch, allesamt ehemalige Alba-Profis.

Immer dasselbe Ziel gehabt

Pesic schätzt an Demirel, dass er "eine gewisse Ruhe ausstrahlt, die ihn aber auch gefährlich macht". Das sei seine große Stärke. "Für mich ist das sehr positiv, aber unverständlich." Denn Pesic selbst ist emotionaler, als Spieler schürte er schon mal bewusst Konflikte, auch um andere aufzurütteln.

Was Demirel an seinem Freund schätzt? "Auf dem Feld wollte er immer gewinnen, vielleicht war er mal zu dickköpfig. Aber es war immer gut, ihn im Team zu haben." Gegenüber damals habe sich nichts verändert: "Er vertritt vehement seinen Standpunkt." Ja, ja, Pesic weiß schon, was gemeint ist, warum sie immer mal wieder aneinandergeraten sind: "Ich wollte immer den Ball, Mithat war dann der Meinung: viel zu oft..." Aber man habe die Probleme immer gelöst. Wie das unter guten Freunden eben funktioniert, die "so viel zusammen erlebt und sich so oft gegenseitig geholfen haben" (Demirel). "Wir hatten immer dasselbe Ziel", sagt Pesic.

Nicht erst jetzt stehen sie auf unterschiedlichen Seiten. Bis zum Saisonbeginn, bis zum Wechsel nach München, war Marko Pesic Teilhaber einer Agentur in Berlin, die auch Spieler berät. Einer davon war Heiko Schaffartzik. Wegen eines möglichen Wechsels des Spielmachers von Braunschweig nach Berlin im Sommer 2010 soll es zwischen Demirel und Pesic ordentlich gekracht haben, wie in der Szene zu hören war. Aber sie haben sich danach wieder eingekriegt, nichts ist hängengeblieben. Über den Umweg Ankara kam der aus Berlin stammende Schaffartzik dann im Januar 2011 trotzdem in seine Heimatstadt zurück. Ging doch...

Keine markigen Sprüche sind von beiden Seiten vor dem Spiel heute Abend zu hören, es gibt keinen Worte-Donner. Nur eine generationenübergreifende Kampfansage von Marko Pesic aus München, wie sie nur bei wirklich guten Freunden möglich ist: "Mein Sohn Luka wird den Titus beim Eins gegen Eins im Basketball immer schlagen, immer!"