Blitz-Triumph

Timo Boll führt Tischtennis-Männer ins WM-Halbfinale

Frauen verpassen Sensation gegen den Titelverteidiger

- Lautstark angefeuert von 9500 Zuschauern in der Westfalenhalle feierte das Team den sechsten "Zu-Null-Sieg" im sechsten Spiel.

Für den anvisierten Finaleinzug fehlt dem WM-Zweiten nur noch ein Sieg heute im Halbfinale gegen Japan. "Wir sind sehr zufrieden, wie es gelaufen ist. Wir haben alle Spiele 3:0 gewonnen, da können wir nicht meckern, auch wenn das vielleicht auf Kosten der Zuschauer geht", sagte Timo Boll, dem eine Bronzemedaille beim Heimspiel aber nicht reicht: "Ich habe ja schon vor dem Turnier gesagt, dass wir nicht im Halbfinale ausscheiden wollen. Unser Ziel ist und bleibt das Endspiel, auch wenn es gegen Japan schwer wird."

Den Grundstein für die neunte WM-Mannschaftsmedaille für die Männer (bislang dreimal Silber, fünfmal Bronze) legte der 23-jährige Dimitrij Ovtcharov im Generationenduell mit dem 22 Jahre älteren Jörgen Persson. Im Eiltempo fertigte der Weltranglistenzehnte den Einzel-Weltmeister von 1991 ab: Für das 3:0 benötigte Ovtcharov gerade einmal eine halbe Stunde. "Ich war schon nervös, gegen so eine Legende willst Du nicht verlieren", sagte Ovtcharov.

Anschließend trat Publikumsliebling Boll in der Neuauflage des EM-Finales von 2011 von Danzig an den Tisch. Gegen Jens Lundqvist, Nummer 64 der Welt, setzte sich der Weltranglistensechste mit 3:1 durch und musste damit den zweiten Satzverlust im Turnier hinnehmen. Sein Düsseldorfer Teamkollege Patrick Baum machte souveränen den Durchmarsch mit einem 3:0 gegen Pär Gerell perfekt.

Die Frauen dagegen ließen enttäuscht die Köpfe hängen, sie verpassten zwei Jahre nach dem Bronze-Coup bei der WM in Moskau eine greifbare Medaille nur knapp. Die Auswahl von Bundestrainerin Jie Schöpp unterlag in einem dreieinhalbstündigen Viertelfinal-Krimi Titelverteidiger Singapur nach 2:0-Führung noch mit 2:3 und spielt heute gegen Japan um die Plätze fünf bis acht. Die Bundestrainerin war trotz des Rückschlags stolz auf ihre Mannschaft: "Die Spielerinnen haben teilweise über ihre Verhältnisse gespielt und alles gegeben."

Vize-Europameisterin Irene Ivancan (Berlin) brachte das Team mit einem überraschend klaren 3:0 gegen die Nummer fünf der Welt, Feng Tianwei, in Führung. Als die deutsche Nummer eins Jiaduo Wu (Kroppach) gegen Wang Yuegu ebenfalls ohne Satzverlust die Weichen auf Sieg stellte, hielt es die Zuschauer schon längst nicht mehr in ihren Sitzen. Doch dann verlor erst Kristin Silbereisen (Kroppach) mit 2:3 gegen Li Jiawei, und Top-12-Siegerin Wu musste sich Feng 1:3 geschlagen geben. Die Nervenschlacht endete mit dem 2:3 für Ivancan gegen Wang.