Champions League

Münchens Traum ist Real

Nach dem 2:0-Hinspielsieg der Bayern in Marseille deutet alles auf ein Halbfinale gegen Madrid hin

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Die Profis des FC Bayern München werden die Namen der Spanier nächste Zeit sehr oft hören, und natürlich haben sie im Kopf: Wir werden im Halbfinale der Champions League gegen den größten Klub der Welt spielen. Und zwar gleich zweimal, am 17. und 24. April. Verhindern kann das Aufeinandertreffen der Mannschaften nur noch ein Wunder.

Real Madrid gewann das Viertelfinalhinspiel in Nikosia 3:0 (0:0), der deutsche Rekordmeister siegte auswärts 2:0 (1:0) über Olympique Marseille. In den kommenden Wochen wird sich im Verein fast alles um die beiden Partien gegen Real drehen. Da können die Münchner noch so oft betonen: Lasst uns noch nicht daran denken, vorher warten wichtige Partien in der Bundesliga. Doch Demut und Understatement haben gegen die Strahlkraft der "Königlichen" keine Chance.

"Wir sind noch nicht im Halbfinale und gehen mit dem Rückspiel nicht larifari um", sagt Torwart Manuel Neuer. Doch Fans und Experten sind sich einig: Der Countdown bis zum Anpfiff hat begonnen. "Für Marseille erscheint die Aufgabe im Rückspiel wie eine Eroberung des Everest - in Boxershorts und Sandalen", schreibt die französische Zeitung "Le Monde" nach dem Hinspielsieg der Münchner.

Bayern gewann in Marseille dank taktischer Disziplin und der Tore von Mario Gomez (44. Minute) und Arjen Robben (69.). Für Gomez war es der elfte Champions-League-Treffer der Saison, nur Barcelonas Lionel Messi (12) ist besser. Die zweite Partie gegen die Franzosen am kommenden Dienstag dürfte für die Bayern kein Problem sein: München ist enorm heimstark, und Marseille steckt in der Krise. Von der guten Offensive aus den zwei Vorrundensiegen über Borussia Dortmund ist nichts geblieben. "Ich will nicht zu weit auf das Halbfinale blicken, wir wollen den Gegner respektieren", sagt Mittelfeldstar Franck Ribery, aber er sagt auch: "Wir müssen das schaffen."

Den Spielern geht es wie Eltern vor der Weihnachtsbescherung: Sie wissen, was kommt. Dürfen trotz aller Vorfreude aber nicht darüber reden, außer sie sind unter sich. 19. Mai, Finale, im eigenen Stadion, am liebsten gegen den FC Barcelona. Der Traum der Bayern kann gegen Real real werden - und Präsident Uli Hoeneß das größtmögliche Geschenk erhalten.

Das erste Halbfinale spielen sie zu Hause. Es ist die größte Partie seit dem Finale gegen Inter Mailand (0:2) vor zwei Jahren. Ein 90 Minuten langer Qualitätstest: Kann die Mannschaft den deutschen Spielgestalter Mesut Özil im Zaum halten? Kann sie verhindern, dass Cristiano Ronaldo Chancen für seine berühmten Freistöße bekommt? Wie wird sie mit den Psycho-Tricks von Reals Trainer Jose Mourinho umgehen? Der Portugiese wird sich etwas einfallen lassen, wie er es immer vor wichtigen Begegnungen tut.

Der FC Bayern muss im April beweisen, dass er multitaskingfähig ist. Samstagnachmittag spielt er beim 1. FC Nürnberg und in zehn Tagen bei Tabellenführer Borussia Dortmund. Titelkampf und Champions League - zwei Missionen, für die sie viel Kraft benötigen. Jupp Heynckes lässt die Spieler derzeit nur wenig trainieren, vier englische Wochen in Folge stehen ihnen bevor. "Es kann eine große Saison werden - kann", sagt Robben.

Die Blaupause der Bayern ist Wirklichkeit geworden: Gegen den FC Barcelona können sie frühestens im Finale spielen. In einem Spiel, sagen viele, sind die Katalanen zu besiegen, sofern die Mannschaft einen perfekten Tag erwischt. In zwei Spielen scheint es fast unmöglich. Real ist nicht viel einfacher, aber eben ein bisschen. Und wenn der FC Bayern gegen das Starensemble nach großem Kampf ausscheidet, ist auch keiner böse. "Wir sind auf einem guten Weg", sagt Robben.