DFB

Ein Sieg für die Fans

Unioner und Frankfurter verbrüdern sich gegen den Verband. Der hebt daraufhin das Verbot von Gäste-Anhängern auf

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Doch die Realität sah wieder einmal anders aus. Rund 1000 Anhänger der Hessen hatten Zugang zum Stadion gefunden und gelangten knapp 20 Minuten nach Anpfiff doch noch in "ihren" Bereich. Weil Union die Tore öffnete und alle passieren ließ. "Wir haben auf die Situation reagiert, dass sich Fans von Eintracht Frankfurt im Stadion aufhielten. Um einen sicheren Ablauf der Veranstaltung zu gewährleisten, haben wir entschieden, für die Gästefans einen eigenen Block zu öffnen", erklärte Union-Geschäftsführer Oskar Kosche die Maßnahme. Angesichts der deeskalierenden Wirkung geht man in Köpenick nicht von einer Strafe seitens des DFB aus. Auch die Spieler sahen die Vorkommnisse positiv. "Ich habe nur mitbekommen, dass einige Eintracht-Fans da waren. Aber sie haben sich ja benommen", sagte Union-Kapitän Torsten Mattuschka. Frankfurts Erwin Hoffer will sogar eine neue Fanfreundschaft entdeckt haben: "Das sah alles sehr gut aus."

Fakt ist: Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wurde die DFB-Sanktion, Gästefans vom Spiel ihrer Mannschaft auszusperren, ad absurdum geführt. Erst vor zwölf Tagen hatten sich Anhänger von Dynamo Dresden trotz eines DFB-Verbots Zugang zum Spiel bei Eintracht Frankfurt verschafft. Doch während es im Anschluss an diese Partie Ausschreitungen gab, blieb es in Berlin ruhig. Was nicht zuletzt auch an der spontanen Maßnahme der Union-Verantwortlichen gelegen hat, die Tore zum Gästebereich zu öffnen.

Dafür gab es sogar Lob von der Eintracht-Führung. "Das war sicher nicht rechtens. Aber wir können aus einem Fußballstadion keinen Hochsicherheitstrakt machen. Es war sehr besonnen. Union hat großartig reagiert. So wurde es ein friedliches Fußballfest, das muss man festhalten", sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner stellte - ähnlich wie die Anhänger auf den Rängen - den teilweisen Fanausschluss in Frage: "Man muss überlegen, ob das der richtige Weg ist."

Offenbar nicht, wie man nun auch beim DFB erkannt hat. Als Konsequenz aus diesem Vorfall wird der Kontrollausschuss des DFB künftig nicht mehr beim DFB-Sportgericht beantragen, dass Fans bei Auswärtsspielen ihrer Mannschaft ausgeschlossen werden. "Bei uns ist wahrgenommen worden, dass die ausgesprochene Sanktion ihren Zweck nicht erfüllt hat", sagte Rainer Koch, Vizepräsident für Rechts- und Satzungsfragen beim DFB.

Im Gespräch mit der Morgenpost gab Hans E. Lorenz, Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, bereits zu, dass das unabhängige Gremium diese Strafe auch nicht mehr nach Fanausschreitungen aussprechen wird. "Wenn wir sehen, dass bestimmte Maßnahmen keinen Sinn machen, dann müssen wir flexibel sein und uns davon auch wieder verabschieden können", sagte Lorenz.

Suche nach richtigem Strafmaß

Es sei wichtig, dass Vereine und Verband in den Dialog treten und sowohl über repressive, viel mehr aber noch über präventive Maßnahmen diskutieren: "Aber so wie ein Strafrichter nicht verhindern kann, dass es keine Straftaten mehr gibt, so können wir als Sportgerichtsbarkeit auch nicht die Probleme lösen." Union-Geschäftsführer Kosche begrüßte "die Entscheidung des DFB, künftig auf Teilausschlüsse zu verzichten". Schon aus eigenem Interesse, wird durch diese Maßnahme doch auch der gastgebende Verein finanziell geschädigt.

Der Debatte um den Umgang mit den Fans und der Gewalt tat das aber keinen Abbruch. "Wir haben es hier mit einer Jugendbewegung zu tun. Wenn einer in der zwölften Klasse ein Stadionverbot bekommt, dann adelt ihn das in der Schule", sagte Bruchhagen. Die Klubs könnten auch keine Gesinnungsüberprüfung bei den Anhängern vornehmen. "Wir brauchen kluge Lösungen. Ich muss aber zugeben: Ich selbst habe sie auch nicht."

Und genau da liegt das Problem der Bundesligavereine - und des DFB. Denn nicht erst seit Montagabend gibt es Diskussionen darüber, wie künftig in Bezug auf ein Strafmaß verfahren werden soll, wenn es zu Fanausschreitungen kommt. Denn der Ausschluss von Gästefans würde wohl nur bei Spielen von Bayern München oder Borussia Dortmund Wirkung zeigen. Die Heimspiele der beiden Klubs sind stets ausverkauft, weshalb es für gesperrte Gästefans ausgeschlossen wäre, anderweitig an Karten zu kommen.

Im März 2010 hatte das DFB-Sportgericht erstmals in der Bundesligageschichte Fans den Zutritt bei einem Auswärtsspiel verboten. Damals traf es den 1. FC Köln. Rund 1000 Anhänger des Bundesligisten waren dennoch bei der Partie in Hoffenheim zugegen. Sie waren genauso erfinderisch wie die Dresdner vor dem Gastspiel in Frankfurt oder die Eintracht-Anhänger nun in Berlin, denen die Karten sogar von Unionern besorgt worden waren. Tickets gab es genug, die Partie war erst eine halbe Stunde vor Anpfiff ausverkauft.

Als das Spiel am Montagabend vor 16.589 Zuschauern schließlich lief, machten sich die Anhänger sogar lustig über die Funktionäre. "DFB, wir sind da - jedes Spiel, ist doch klar", stand auf einem Plakat der Frankfurter Fans, während Union-Anhänger "Wenn Argumente fehlen, kommt meist ein Verbot heraus" auf ein Transparent geschrieben hatten. Verband und Vereine sind angehalten, die neuerlichen Vorfälle als Denkanstoß zu nehmen.