Handball

Füchse sensationell im Viertelfinale

Die Feierlichkeiten zum größten Erfolg in der Vereinsgeschichte der Füchse Berlin nahmen schon 57 Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene ihren Anfang. Als Alexander Petersson den Ball zum 24:23 ins Tor des HSV Hamburg jagte und der Traum vom Erreichen des Viertelfinals in der Champions League zur Gewissheit geworden war, gab es keinen Grund mehr, die Emotionen zu zügeln.

Torhüter Silvio Heinevetter rannte mit weit aufgerissenem Mund zur Seitenlinie, wo seine Mitspieler schon Arm in Arm umherhüpften. Und die 200 Füchse-Fans entrollten in ihrem Zuschauerblock ein großes Banner, auf dem "Euro-Tournee" geschrieben stand.

Schlagbare Gegner im Lostopf

Für die Berliner geht die Reise durch Europa weiter. Nach dem 32:30-Erfolg im Achtelfinal-Hinspiel in der Max-Schmeling-Halle vor einer Woche siegte die Mannschaft von Trainer Dagur Sigurdsson auch gestern vor 7873 Zuschauern verdient mit 24:23 (10:11) beim HSV. Berlin zählt damit in dieser Saison zu den besten acht Teams in Europa. Am Dienstag (11.30 Uhr) wird in der EHF-Zentrale in Wien das Viertelfinale in der Champions League ausgelost - und in einer Kugel wird ein Kärtchen mit dem Namen "Füchse Berlin" stecken. Der Klub aus der Hauptstadt übernimmt durch das Weiterkommen gegen den HSV den Status der Hamburger als Gruppenerster der Hauptrunde. Mögliche Gegner der Füchse sind dadurch AG Kopenhagen, Ademar Leon, Cimos Koper (Slowenien) und RK Zagreb - keines dieser Teams gilt aus Sicht der Füchse als unbesiegbar, weshalb nun sogar der Traum von einer Teilnahme am Final-Four-Turnier lebt.

"Es ist unglaublich, wir haben gekämpft wie die Schweine. Wir haben immer den Glauben an uns bewahrt, und das hat uns das Weiterkommen beschert. Und Silvio war überragend", sagte der Niederländer Mark Bult nach der Partie. Nationaltorhüter Silvio Heinevetter hatte sich in der Tat in glänzender Form präsentiert. Der Füchse-Torhüter entschärfte 21 Würfe. Dass nach dem Ertönen der Sirene alle Füchse-Spieler auf ihn zustürmten und ihn in ihrem Glücksrausch unter sich begruben, hatte nur seine Berechtigung. Der Mann des Abends sparte nicht mit Lob für das Team. "Wir haben Charakter gezeigt, als wir nach 40 Minuten mit 12:17 zurücklagen. Der HSV wollte die Entscheidung. Und wir haben in der Phase ein bisschen Angst gehabt vor der Kulisse oder davor, dass es in einer Blamage enden könnte. Aber wir haben uns in das Spiel zurückgekämpft, und das war ganz, ganz stark", sagte Heinevetter.

Mit einem stolzen Lächeln umriss er auch umgehend die Dimension des Erfolges. "Füchse Berlin - das ist schon eine Adresse in der Stadt. Und das heißt schon etwas, immerhin gibt es ja noch Hertha, Union oder Alba. Das ist so klasse. Wir sind jetzt alle unglaublich fertig, und ich brauche eigentlich erst einmal Schlaf. Aber zwei Kästen Bier werden wir auf der Rückreise schon schaffen", kündigte Heinevetter an. Sein Mitspieler Markus Richwien strahlte ebenfalls vor Glück. "Das ist schon eine verrückte Geschichte, dass wir es ins Viertelfinale geschafft haben. Es ist eine so großartige Sache - vor allem, wenn man aus der Zweiten Liga kommt. Es ist ein Traum, und den leben wir gerade. Bei uns passt jedes Stück ineinander", sagte Richwien. Als er alle Fragen der Journalisten beantwortet hatte, machte er sich mit einem breiten Grinsen in die Kabine, in der zu lauter Party-Musik bereits getanzt wurde. "Habt ihr alles? Jut! Dann trinke ich jetzt mal ein Bierchen", sagte Rechtsaußen Richwien.

Trainer Sigurdsson "überwältigt"

Während die Spieler in der Kabine feierten, genossen Trainer Sigurdsson und Geschäftsführer Bob Hanning in aller Ruhe den Moment. "Ich bin überwältigt. Es war eine riesige Leistung meines Teams. Wir haben immer an den Sieg geglaubt, selbst in der Phase, als wir mit fünf Toren zurücklagen. Das Team hat einen starken Charakter gezeigt", sagte Sigurdsson.

Vor allem in der Schlussphase war die Qualität der Berliner zu erkennen gewesen. Sie bewahrten kühlen Kopf. Das in die Jahre gekommene HSV-Team musste dagegen zum Ende hin auch dem hohen Tempo Tribut zollen. HSV-Trainer Martin Schwalb gratulierte den Füchsen fair zum verdienten Einzug ins Viertelfinale. "Man sollte anerkennen, dass Berlin in den beiden Spielen die bessere Mannschaft war", sagte Schwalb, der erst vor zehn Tagen vom Präsidenten- und Geschäftsführerposten interimsmäßig auf die Trainerbank zurückgekehrt war.

Bob Hanning sparte ebenfalls nicht mit Komplimenten. "Es ist ein ganz besonderer Moment, eine neue Geschichte - und das genießen wir", sagte er. Die Frage nach einem Wunschgegner für die Auslosung des Viertelfinals umkurvte er. "Die Hauptsache ist, dass wir gewinnen. Egal, gegen wen", sagte Hanning. Selbst die Teilnahme am Final Four in der Kölnarena (26./27.Mai) ist keine Utopie mehr.