Trainersuche

Hertha bemüht sich um Andries Jonker von Bayern München

Michael Preetz muss derzeit mit herber Kritik leben. "Der schlechteste Manager der Bundesliga", spottet die "Sport-Bild" nach der Entlassung von Trainer Michael Skibbe. Der Manager von Hertha BSC hat wenig Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Er befindet sich auf der Suche nach einem neuen Trainer. Es wird der fünfte (!) Übungsleiter in dieser Saison sein, der zur Partie in Augsburg (25. Februar), allerspätestens aber gegen Bremen (3. März) auf der Hertha-Bank Platz nehmen soll. Bisher im Einsatz waren die Herren Babbel und Skibbe sowie als Zwischenlösung Rainer Widmayer (im Pokal-Achtelfinale gegen Kaiserslautern). Am Sonnabend gegen Meister Borussia Dortmund folgen Rene Tretschok/Ante Covic.

Manche Kritiker behaupten, dass Preetz kaum einen ernst zu nehmenden Trainer finden werde: Wer tue sich schon Hertha in der derzeitigen Verfassung an? In der Branche jedoch wird die Lage in Berlin differenzierter betrachtet. Weshalb Manager Preetz auf durchaus interessierte Gesprächspartner trifft. So gab es einen ausführlichen Kontakt mit Krassimir Balakov (45). Dem Vernehmen nach hat der Bulgare, derzeit Trainer von Hajduk Split, seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert. Er sähe Hertha und die Bundesliga als große Chance. Aber solange nichts offiziell ist, wird Balakov nach außen jegliches Interesse bestreiten.

Das Anforderungsprofil für den Trainer umfasst folgende Punkte. Gesucht wird eine Persönlichkeit, die auftreten kann. Der Kandidat soll die Liga kennen und gut Deutsch sprechen (eine Eigenschaft, die bei Balakov übrigens trotz seiner vielen Jahre im Lande noch ausbaufähig ist). Weiter soll er in der Bundesliga nicht verbrannt sein und vom Fußball-Fachlichen Perspektiven über diese Saison hinaus haben.

Deshalb hat der Hertha-Manager Kontakt zu einem interessanten Kandidaten aufgenommen. Nach Informationen der Morgenpost hat Hertha mit Andries Jonker (49) gesprochen, dem U 23-Trainer von Bayern München. Die Morgenpost fragte gestern bei Jonker nach dem Training der Bayern-Reserve direkt nach: Ist Hertha etwas für Sie? Jonker hielt sich bedeckt: "Meine Arbeit ist hier. Über alles andere mache ich mir Gedanken, wenn es so weit ist."

Jonker zu Hertha? Das klingt zunächst überraschend. Doch es gibt Argumente für den Niederländer: Aus seiner Zeit als Assistent des ehemaligen Bayern-Trainers Louis van Gaal kennt er die Bundesliga (und die jetzigen Hertha-Profis Kraft, Ottl und Lell). Nach van Gaals Entlassung im April 2011 übernahm Jonker für die letzten fünf Spieltage die Profimannschaft - und rettete die in Gefahr geratene Qualifikation zur Champions League. Die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge schätzen ihn als akribischen und loyalen Fußball-Lehrer, der sowohl mit Talenten als auch mit gestandenen Profis arbeiten kann. Er ist seit 14 Jahren Trainer, hat in seiner Heimat beim FC Volendam begonnen, war Cheftrainer beim MVV Maastricht und bei Willem II. Jonker war auch van Gaals Assistent beim FC Barcelona (2002-2003). Im Sommer übernimmt der ehemalige Nationalspieler Mehmet Scholl die U 23 des FC Bayern.

So negativ wie Hertha in der Öffentlichkeit gerade wahrgenommen wird: In der Szene wird die Aufgabe in Berlin als durchaus reizvoll wahrgenommen. Der Klub liegt als Tabellen-15. der Bundesliga vor den Abstiegsplätzen. Die Mannschaft ist nicht am Boden zerstört, sondern hat eine ordentliche Hierarchie. Gebraucht werden Stabilität in der Defensive und ein Trainer mit klarer Handschrift. Aspiranten wie Balakov oder Jonker, die sich sehr freuen würden, den Hauptstadt-Klub zu trainieren.