Basketball

Alba muss im Eurocup auf beide Center verzichten

Die Stimme von Gordon Herbert klingt der Situation entsprechend, der Cheftrainer von Alba Berlin wirkt sehr nachdenklich, ein wenig ist auch Frust durchzuhören: "Torin und Yassin werden definitiv nicht spielen", sagt er. Was bei Torin Francis klar war, der mindestens drei Wochen wegen einer Armverletzung pausieren muss.

Aber bei Yassin Idbihi hatte zumindest noch ein bisschen Hoffnung bestanden, aber seine Muskelverletzung ist immer noch nicht so ausgeheilt, dass er dabei sein kann. Offen ist, wann er überhaupt wieder wird eingreifen können.

Beide Center fallen beim Berliner Basketballteam aus, denkbar schlechte Voraussetzungen also für das Eurocupspiel heute (20 Uhr, O2 World) gegen die russische Spitzenmannschaft Lokomotiv-Kuban Krasnodar. Herbert fügt sich ins Schicksal. "Verletzungen sind eben Teil des Spiels..." Zumindest ist er optimistisch, dass Spielmacher DaShaun Wood wird mitspielen können, der nach einigen Tagen Pause wegen einer Muskelverletzung am Montagabend erstmals wieder mit dem Team trainierte. Wunderdinge dürften von ihm nicht zu erwarten sein.

Zahlen lügen nicht - und geben oft sehr gut Aufschluss darüber, was bevorsteht. Wenn man sich die Statistik im Eurocup - speziell den Bereich Rebounds - anschaut, muss einem angst und bange werden um Alba. Mit 8,5 Rebounds im Schnitt pro Spiel steht Ali Traore ganz oben in der Liste, gefolgt von Jeremiah Massey, der sich 8,4 von den Körben zurückgeprallte Bälle sicherte. Sowohl der Franzose als auch der US-Amerikaner stehen in Krasnodar unter Vertrag. Fatal für die Berliner: Das Team von Trainer Bozidar Maljkovic ist eine Macht unter den Körben, zu besagtem Duo kommt noch der 2,16 Meter große Primoz Brezec (346 NBA-Spiele). Alba hingegen steht ohne Center da.

Allen wird unter Körbe rücken

Mission impossible? "Wir müssen versuchen, das mit unserer Schnelligkeit einigermaßen auszugleichen", sagt Herbert zwar. Aber auch er weiß, dass sich damit die Lufthoheit der Russen nur etwas kompensieren lässt. "Ja", sagt Herbert und atmet erst einmal tief durch, "das wird eine große Herausforderung für uns." Während dieser Saison hat Alba schon einige Male mit einer sehr kleinen Aufstellung, ohne Center, gespielt, "aber immer nur über kurze Phasen" (Herbert). Vor allem Derrick Allen wird nun die Aufgabe zufallen, direkter an die Körbe zu rücken, auch Marko Simonovic und Sven Schultze werden sich mehr ins Zentrum bewegen.

Allen selbst sieht die Sache pragmatisch: "Sicher müssen wir angesichts der Ausfälle improvisieren, aber das macht dem Gegner die Vorbereitung auf uns auch nicht leichter." Vor allem müsse man in dieser schwierigen Situation ruhig bleiben: "Das Schlimmste, was wir tun können, wäre in Panik zu verfallen."

Für die Berliner geht es um viel. Nach der Auftaktniederlage in Treviso vor einer Woche sollte Alba seine drei Heimspiele in der Zwischenrunde der besten 16 Teams unbedingt gewinnen, um sich die Chance auf das Viertelfinale (die ersten Zwei in der Vierergruppe kommen weiter) zu erhalten. "Es ist eine verdammt schwere Aufgabe", sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel. "In der stärksten Gruppe ist Krasnodar der stärkste Gegner." Wenn alle gesund wären, "stehen wir mit denen auf Augenhöhe", meint Demirel. Aber so... Marco Baldi, der Alba-Geschäftsführer, spricht von einer Konstellation, die in die "David-gegen-Goliath-Richtung" gehe.

Krasnodar, 1200 Kilometer südlich von Moskau zwischen Schwarzem Meer und Kaspischem Meer gelegen, steht in der russischen Liga auf Platz drei. Der Klub wird von der staatlichen Russischen Eisenbahn gesponsert. Am Wochenende verlor das Team in "VTB United", einer Liga mit Klubs aus ehemaligen Sowjetrepubliken, mit 78:79 bei Azovmash Mariupol aus der Ukraine.