Fußball

Verwirrung um Entlassung von Falko Götz in Vietnam

Die Angelegenheit schien eine klare zu sein, wenn auch zu einem undankbaren Zeitpunkt. Am 23. Dezember, just einen Tag vor Heiligabend, verbreitete sich über die hiesigen Medien wie ein Lauffeuer die Nachricht, dass Ex-Hertha-Trainer Falko Götz als Nationalcoach von Vietnam entlassen worden sei.

Der nationale Fußballverband habe das so beschlossen. Wer am Wahrheitsgehalt der Meldungen zweifelte, bekam noch gleich ein Statement des Vizepräsidenten hinzugeliefert: "Wie in allen Ländern dieser Welt muss ein Nationaltrainer die Verantwortung für Niederlagen seiner Mannschaft übernehmen", erklärte Nguyen Lan Trung.

Einzig: In allen anderen Ländern dieser Welt würde eine solche Entscheidung wenn nicht als Erstes, dann aber wohl zumindest ziemlich bald nach einer Presseerklärung auch dem Betroffenen mitgeteilt. Auf Anfrage der Morgenpost sagte Götz aber, noch immer nicht vom Verband über seinen vermeintlichen Rauswurf unterrichtet worden zu sein. Deshalb gebe er derzeit auch keine Interviews. Der Grund ist ein juristischer: Noch läuft sein Vertrag offenbar. Und der Coach, der Hertha 2002 und von 2004 bis 2007 trainiert hatte, will sich vertragsrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Er verweist auf ein Statement auf seiner Homepage. Dort teilt Götz mit: "Ersten Zeitungsberichten zufolge scheint der vietnamesische Fußballverband wohl beschlossen zu haben, sich von mir zu trennen, mich als Nationaltrainer zu entlassen. Warum das so ist, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Ich konnte mit den offiziell Verantwortlichen noch kein Gespräch über diese Meldung führen." Offenbar hielten es die Verantwortlichen in Vietnam auch nach einer Woche nicht für nötig, den Nationaltrainer von sich aus zu kontaktieren.

Am 4. Januar wird Götz deshalb zurück nach Hanoi fliegen, um seinen Dienst regulär weiterzuführen. Sportlich gesehen macht eine Entlassung des 49-Jährigen auch wenig Sinn. Erst im Sommer übernahm Götz überraschend als erster Deutscher das Amt. Es stellte sich eine Entwicklung ein: So kletterte Vietnam unter der Götz-Führung in der Weltrangliste in nur kurzer Zeit um 55 Plätze in die Top-100. "Vor Antritt meines Weihnachtsurlaubs hatte mir das Präsidium noch das Vertrauen ausgesprochen. Aus meiner Sicht sind wir auf einem sehr guten Weg", so Götz.

Offizieller Grund der Verantwortlichen soll das vorzeitige Ausscheiden bei den Sea Games mit der U 23 im November, bei den immerhin Platz vier erreicht wurde, gewesen sein. Der Trainer ist dennoch überrascht: "Wir waren bei der Analyse unseres Abschneidens bei den Sea Games alle der Meinung, dass die aktuelle Qualität nicht so groß ist, dass zwingend ein Turniersieg her muss."

Tatsächlich kann über die Hintergründe nur spekuliert werden. Ein Großteil der vietnamesischen Fans soll die Entscheidung des Verbandes missbilligen, heißt es, von persönlichen Interessen ist die Rede. Klarheit wird wohl erst dann herrschen, wenn Götz zurück an seiner Wirkungsstätte ist. Dass es in dem südostasiatischen Land nicht mit europäischen Maßstäben zugeht, weiß Götz schon seit seiner Vertragsunterschrift: Da hatte Verbandschef Nguyen Trong Hy via Presse das Jahresgehalt des Nationaltrainers ausgeplaudert. Demnach soll Götz 15 000 Euro pro Monat verdienen und dazu eine Wohnung und ein Auto mit Chauffeur erhalten. Selbst fahren ist in einem latent chaotischen Land wie Vietnam viel zu gefährlich. Anfangs fand Götz das alles recht amüsant, stolz ließ er sich für ein Sonntagsmagazin bei einem seiner exotischen Ausflüge durch Hanoi ablichten. Inzwischen wird Götz froh sein, dass sein Vertrag neben den genannten Vorzügen noch eine weitere Leistung beinhaltet: Flüge nach Deutschland. Seinen nächsten, vielleicht letzten Flug von Vietnam in die Heimat bezahlt der Verband - so oder so.