Heimniederlage

Bonn verdirbt Alba die Silvesterstimmung

Die Ehrenrunde wurde zu einem Trauermarsch. Die Gesichter der Basketballprofis von Alba Berlin waren wie versteinert. "Es ist bitter, das Jahr mit einer Heimniederlage zu beenden", meinte Flügelspieler Sven Schultze. Die Berliner unterlagen gegen die Telekom Baskets Bonn mit 78:86 (40:46) - und auch Berlins Trainer Gordon Herbert musste ehrlich zugeben.

"Wir haben verdient verloren." Albas Spielmacher DaShaun Wood (10 Punkte) meinte selbstkritisch: "Wir haben nicht mit der Energie gespielt, die nötig ist."

Die erste Heimniederlage der Saison war für Alba enttäuschendes Ende eines turbulenten Jahres. 2011 begann mit einem Trainerwechsel, als sich der Klub von Luka Pavicevic trennte und Muli Katzurin sein Nachfolger wurde. Aus einer Mannschaft, die einige Zeit benötigte, um die Philosophie dieses Trainers zu verinnerlichen, wurde eine Truppe, die am Ende hinter Meister Bamberg Zweiter wurde.

Die neue Saison unter Herbert begann mit Enttäuschungen, dem Verpassen der Europaliga und einem Fehlstart in der Bundesliga. Zwischenzeitlich hatten sich die Berliner stabilisiert und eine Siegesserie hingelegt, aber die beiden Niederlagen erst bei den Artland Dragons und nun gegen Bonn sind ein herber Rückschlag. Der "Prozess", von dem Herbert mit Blick auf das Leistungsvermögen der Mannschaft gern spricht, ist ins Stocken geraten. Alba, nur noch Vierter in der Tabelle, erwartet im neuen Jahr viel Arbeit, das gleich mit einem Auswärtsspiel am Montag beim starken Aufsteiger Würzburg beginnt. Wahrscheinlich ohne Bryce Taylor (12 Punkte), der sich an der Schulter verletzte.

Große Kulisse in der O2 World

Wobei das, was das Team bisher geleistet hatte, vom Publikum goutiert wird. Gestern waren 13 220 Fans in der O2 World. Das lag noch einmal weit über dem Schnitt, der nach bisher fünf Heimspielen bei 11 413 stand. Zum Vergleich: In der Vorsaison kamen im Schnitt 10 451 Besucher in die Arena am Ostbahnhof. "Das hat auch mit dem Stil zu tun, den die Mannschaft spielt", hatte Albas Geschäftsführer Marco Baldi vor der Partie gesagt. "Die Leute sehen Spielfreude, Wille und Leidenschaft."

Den Willen konnte man der Alba-Mannschaft nicht absprechen, aber die Berliner waren nicht so aggressiv und konsequent, wie es sein muss. Sie wirkten müde. In der Defensive war Alba immer wieder zu unaufmerksam, und zu oft unterliefen Ballverluste, allein neun der insgesamt 14 in den ersten 20 Minuten; in der Offensive wurden schlechte Entscheidungen gefällt. Alba musste damit klarkommen, ohne den verletzten Center Yassin Idbihi (Muskelfaserriss) zu spielen. Daher musste Derrick Allen zur Entlastung des einzig verbliebenen Alba-Centers Torin Francis direkt unter die Körbe rücken. Es geriet einiges durcheinander. Die Beiden hatten es mit Chris Ensminger zu tun, der unverwüstliche 38-Jährige wurde von den Alba-Fans mit den unvermeidlichen "Ensminger raus"-Rufen bedacht. Der Geschmähte rächte sich auf seine Weise, machte stoisch seinen Job und lieferte 20 Punkte und 10 Rebounds ab.

Hätten nicht Allen (bester Werfer mit 15 Punkten) und Heiko Schaffartzik (10) gut getroffen, wäre der Rückstand zur Pause sicherlich noch größer gewesen. So waren es lediglich sechs Zähler (40:46). Was immer sich die Berliner in der Pause vorgenommen hatten, auf dem Feld wurde erst einmal überhaupt nichts umgesetzt. Nach 24 Minuten nahm Herbert eine Auszeit - 45:56. Alba war völlig von der Rolle. Dann die 28. Minute: Sven Schultze (11 Punkte) verkürzte auf 56:60, wurde dabei von Zvonko Buljan gefoult, der auch noch mit einer "Kopfnuss" (Schultze) nachlegte. Der Bonner wurde disqualifiziert. "Die Entscheidung war richtig, er ist mit dem Kopf nach vorne gegangen", sagte Bonns Trainer Michael Koch.

Alba kam wieder ins Spiel: Schultze traf nach der Disqualifikation drei Freiwürfe. Mit der Schlusssirene des dritten Viertels vollendete Taylor zum 62:62. "La Ola" schwappte durch die Halle, die Hoffnung war zurück. Drei Minuten vor Schluss hieß es 75:75. "Doch wir haben zu viele Fehler gemacht", meinte Herbert enttäuscht. Den Bonnern gelangen neun Punkte in Serie, ohne dass Alba traf. Es jubelten nur noch die Bonner und ihre Fans. Woods Schlusswort: "Wir müssen schnell zu unserem Spiel zurückfinden."