Trainerwechsel

Premiere: SC Freiburg feuert seinen Trainer

a, das Geschwätz von gestern. Nach dem 0:4 beim 1. FC Köln am 17. Spieltag hatte Dirk Dufner, der Sportdirektor des SC Freiburg, noch gesagt: "Wir müssen uns alle hinterfragen." Nur über Trainer Marcus Sorg gebe es keine Debatte.

"Wir halten am Trainer fest." Eine Woche später, nach dem 1:4 gegen Meister Borussia Dortmund, ertönten die ersten "Sorg raus"-Rufe im Stadion, und Fritz Keller, der Präsident des Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga, sagte: "Wir werden an den Stellschrauben drehen." Ob davon auch der Trainer betroffen sein könnte? "Absolut nein!"

Seit Donnerstag ist Marcus Sorg seinen Job los. Es ist das erste Mal, dass beim SC Freiburg ein Erstligatrainer vorzeitig entlassen wird. Volker Finke saß 16 Jahre auf der Bank der Breisgauer. Anschließend war Robin Dutt vier Jahre Trainer, bevor er nach Leverkusen zum Ligakonkurrenten Bayer wechselte.

"Wir haben vor einigen Tagen gemeinsam entschieden, bei der Mannschaft anzusetzen und einigen Spielern gesagt, dass wir nicht mehr mit ihnen planen. Das ist ein sehr wichtiger Schritt. Wir wollen aber auch auf der Trainerposition einen Impuls setzen. Wir hatten das Gefühl, dass der Glaube daran, enge Spiele zu gewinnen, in der Mannschaft nicht mehr vorhanden war", begründete Sportdirektor Dufner.

Was Sorg vorzuwerfen ist: Der Trainer hat die Mannschaft nicht vorangebracht. Ihm mangelte es an Ausstrahlung und sportlicher Kompetenz. Das mag daran liegen, dass er zum ersten Mal eine Bundesligamannschaft trainierte. Er traf allerdings auch eine Reihe fragwürdiger Entscheidungen. So setzte er beispielsweise den Stürmer Garra Dembele meist auf die Bank, statt ihn konsequent als Nachfolger des wechselwilligen Papiss Demba Cisse aufzubauen.

Überzeugt vom neuen Mann

Als der Star der Freiburger des Öfteren verspätet zum Training erschien, ließ Sorg ihn gewähren. In der Defensive gab er den Routiniers Oliver Barth und Pavel Krmas den Vorzug vor dem jungen Beg Ferati und Kapitän Heiko Butscher - 39 Gegentreffer waren die Folge.

Nun soll der bisherige Co-Trainer Christian Streich die Freiburger aus dem Tabellenkeller führen. "Die Mannschaft lebt. Wenn wir an ein paar kleinen Schrauben drehen, dann können wir unser Ziel erreichen, nicht abzusteigen", sagte der neue Chef. "Wir sind felsenfest von der Lösung überzeugt", ergänzte Dirk Dufner.

Allerdings hat gerade er zuletzt auf unangenehme Weise gezeigt, wie schnell die Schwüre von heute zum Geschwätz von gestern werden können.