Interview: Maik Franz

"Skibbe ist Babbel recht ähnlich"

2011, das sagt Maik Franz selbst, war nicht sein Jahr. Erst laborierte Herthas Innenverteidiger an einer Bauchmuskelzerrung, dann brach er sich den Fuß. Im Sommer, damals noch in Diensten von Eintracht Frankfurt, musste der 30-Jährige den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga verkraften.

Nach seinem Wechsel zu Hertha lief es zunächst ebenfalls nicht nach Wunsch. Die meisten Spiele erlebte Franz von der Bank aus, bis er sich kurz vor Ende der Hinserie schließlich gegen Kapitän André Mijatovic durchsetzte - sich aber nach nur 37 Minuten im Spiel in Kaiserslautern das Kreuzband riss. Seinen Humor hat "Iron-Maik", wie ihn die Fans einst tauften, trotzdem nicht verloren. Mit Morgenpost-Mitarbeiter Martin Kleinemas sprach Franz über seine Verletzung und Herthas neuen Trainer.

Berliner Morgenpost: Herr Franz, wo erreichen wir Sie denn gerade im Weihnachtsurlaub?

Maik Franz: In Langenstein, in der Nähe von Wernigerode im Harz bei meinen Eltern. Die verwöhnen mich, das ist besser als jedes Fünf-Sterne-Hotel (lacht). Es gibt immer etwas zu essen, es ist immer etwas da. Total super, ich kann mich ja auch kaum bewegen.

Berliner Morgenpost: Dann passen Sie bloß auf, dass Sie nicht diversen Beispielen folgen und ein paar Kilogramm zunehmen...

Maik Franz: (lacht)...ne ne, da besteht bislang noch keine Gefahr.

Berliner Morgenpost: Das klingt, als ginge es ihnen soweit ganz gut.

Maik Franz: Ja, im Großen und Ganzen schon. Mental geht es mir sehr gut. Es ist zwar alles noch etwas zäh, weil ich ja noch an Krücken laufen muss. Mit den Dingern ist man schon recht eingeschränkt. Ich freue mich schon darauf, endlich wieder normal gehen zu können. Nächste Woche kann ich die Krücken zur Seite legen. Neues Jahr, neues Glück.

Berliner Morgenpost: Müssen Sie denn im Urlaub weiter für Ihr Comeback schuften, oder hat auch die Reha mal Pause?

Maik Franz: Nein, ich muss schon einiges tun. Das Bein muss ja mobilisiert werden. Ich habe eine elektronische Bewegungsschiene dabei, um das Bein zu bewegen, dazu eine Elektro- und Lymphmaschine. Ich bin hier wirklich bestens ausgestattet. Das ist auch gut, ich finde es immer erträglicher, wenn ich selbst etwas für meine Rückkehr tun kann, anstatt einfach abzuwarten.

Berliner Morgenpost: Direkt nach Ihrer Operation schrieben Sie sinngemäß auf ihrer Facebook-Seite im Internet, Jogi Löw brauche sich um Ihre EM-Teilnahme keine Sorgen zu machen....

Maik Franz: (lacht)...ja, ja, das war natürlich nur ein Witz.

Berliner Morgenpost: Fällt es Ihnen denn gar nicht schwer, in solchen Verletzungsphasen Ihren Humor zu bewahren?

Maik Franz: Ach, nein. Natürlich ist das jetzt eine schwere Verletzung, das muss man klar sagen. Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es natürlich tun. Aber das geht halt nicht. Also muss ich es annehmen und versuchen, es positiv zu sehen. Ich bin ein positiver Mensch, deshalb ist es unheimlich wichtig, den Humor zu bewahren und den Kopf oben zu behalten. Ansonsten könnte einen so etwas schon ziemlich runterziehen, aber dafür bin ich nicht der Typ. Ich lache lieber auch mal über mich selber, das hilft über vieles hinweg.

Berliner Morgenpost: Wie sieht Ihr Fahrplan aus? Bleiben Sie für die Reha jetzt erst einmal in der alten Heimat?

Maik Franz: Nein. Am Montag geht es richtig los mit der Arbeit: wieder normal gehen, Fahrrad fahren. Bisher war ja so ein bisschen die Ruhephase, um das Band zu beruhigen. Das war wichtig. Aber jetzt geht es mit Krafttraining zügig voran. Fünf, sechs Stunden werde ich wohl in der Reha verbringen - das wird mein zweites Zuhause.

Berliner Morgenpost: In der Zwischenzeit ist ja noch ein wichtiges Ereignis passiert, in Abwesenheit der Spieler wurde der neue Trainer Michael Skibbe vorgestellt, unter dem Sie schon in Frankfurt spielten. Hatten Sie schon Kontakt?

Maik Franz: Ja, klar. Wir haben uns anfangs ein paar SMS geschrieben. Zuletzt nicht mehr so, aber wir sehen uns ja auch schon bald auf dem Platz.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie Ihren neuen, alten Trainer bisher kennengelernt?

Maik Franz: Das ist natürlich jetzt blöd für mich zu sagen, weil ich an sich nicht will, dass es heißt: Maik Franz schleimt schon mal rum. Am Ende sehe ich es aber so: Er ist sportlich wie menschlich eine absolute Top-Person. Auf der menschlichen Ebene ist er nicht so unnahbar wie manch anderer, das finde ich sehr angenehm. Der Umgang mit den Spielern ist sehr direkt. Es ist ein gutes Gefühl, wenn du weißt, da steht einer hinter dir. Ich freue mich drauf und glaube, dass Skibbe sehr gut passt. Auch, weil er Markus Babbel von der Art her recht ähnlich ist. Er findet eine gute und charakterstarke Truppe vor. Gemeinsam können wir viel erreichen, glaube ich.

Berliner Morgenpost: Die Frage bleibt, wer überhaupt der Co-Trainer wird. Wissen Sie mehr, oder wird die Mannschaft am 3. Januar auch überrascht?

Maik Franz: Nein, wir müssen auch abwarten. Aber ganz ehrlich, da mache ich mir jetzt nicht so viele Gedanken. Wichtig ist, dass der Cheftrainer feststeht. Der Rest wird sich zum Trainingsauftakt finden, irgendjemand wird schon da sein.

Berliner Morgenpost: Michael Skibbe wird von manchen Beobachtern vorgeworfen, er nehme es nicht so genau mit der Fitness seiner Spieler. Wie ist es Ihnen ergangen?

Maik Franz: Ich persönlich kann das nicht bestätigen. Ich weiß, die Diskussion kam in Frankfurt während der schlechten Rückrunde auf. Dass wir da so auseinandergebrochen sind, hatte aber andere Gründe. Vor allem, dass wir keine einheitliche Mannschaft mehr waren und als Kollektiv versagt haben. Die Vorbereitung im Winter damals war wirklich sehr intensiv, wir hatten einen guten Fitnesstrainer, wir waren fit. Lassen Sie uns jetzt doch erst mal abwarten.

Berliner Morgenpost: Sie kennen das mit den Vorurteilen ja aus eigener Erfahrung...

Maik Franz: Ja, genau. Über mich wurde - nicht nur hier in Berlin - im Vorfeld auch immer sehr viel geschrieben und gesagt. Wer mich persönlich und länger kennenlernt, wird feststellen, dass meine Art zu arbeiten schon ganz in Ordnung ist - auch wenn ich natürlich auch Fehler mache, das ist ja klar. Deshalb finde ich, dass jeder erst eine Chance verdient hat, bevor wir uns ein Urteil bilden.

Berliner Morgenpost: Ist Ihre Verletzung für Sie jetzt auch besonders ärgerlich, weil ein Trainer kommt, unter dem Sie Stammspieler waren? Bei Hertha waren Sie meistens nur Ersatz.

Maik Franz: Ich hatte mich ja auch gerade unter Markus Babbel durchgesetzt, als die Verletzung passierte. Und zwar rein sportlich, nicht weil jemand gesperrt oder verletzt war. Deshalb sehe ich das nicht so. Ich bin überzeugt davon, dass ich mich ungeachtet der Trainerfrage im neuen Jahr wieder durchsetzen werde. Man muss nur fest daran glauben.

Berliner Morgenpost: Was wünschen Sie sich für das neue Jahr?

Maik Franz: Ich hatte 2011 mit Bauchmuskelriss, Fußbruch, Abstieg und Bänderriss wirklich ein Seuchenjahr - ach, das kann man eigentlich nur als "gebraucht" verbuchen und abhaken. Deshalb wünsche ich mir für das neue Jahr vor allem Gesundheit. Das reicht mir schon.