Basketball

Alba Berlin feiert Weihnachten als Tabellenführer

"Die Nummer eins im Land sind wir!" Die Fans von Alba Berlin sangen bereits Minuten vor der Schlusssirene voller Inbrunst. Nummer eins. Nach dem 89:58 (43:26) gegen Ulm steht das Berliner Basketballteam zum ersten Mal in dieser Saison an der Tabellenspitze der Bundesliga.

Welch eine Demonstration der Stärke: Die Ulmer, als Zweiter bisher die Überraschung, hatten nicht den Hauch einer Chance. Marko Simonovic und DaShaun Wood waren mit jeweils 18 Punkten beste Berliner Werfer. "Es war mein Abend, mein Spiel", jubelte Simonovic, der sein bestes Spiel im Alba-Trikot bestritt.

Was zu Saisonbeginn mit dem Verpassen der Europaliga und zwei Niederlagen in drei Ligaspielen so negativ begann, endete nun einen Tag vor Weihnachten mit dem Sprung nach ganz oben. Kontinuierlich hat sich die Mannschaft von Trainer Gordon Herbert gesteigert, der von einem "Prozess" spricht, in dem sich das Team noch befinde. Die Fortschritte jedenfalls sind offensichtlich. Zuletzt blieb Alba in neun Ligaspielen unbesiegt.

Wood: "Können jeden schlagen"

"Wir haben hart dafür gearbeitet, Erster zu sein", meinte Wood. Und er legte voller Selbstbewusstsein nach: "Wir haben heute ein Statement abgegeben, dass wir jede Mannschaft in der Liga schlagen können." Ulms Trainer Thorsten Leibenath hatte vor 10 177 Zuschauern in der O2 World in zweifacher Hinsicht überrascht: Zum einen stand John Bryant, bester Rebounder und effektivster Spieler der Bundesliga, nicht in der Ulmer Startaufstellung. Zum anderen ließ er seine Mannschaft von Beginn an eine Zonendeckung gegen die Berliner spielen. Alba kam damit erst einmal gar nicht zurecht. Der Start war zäh. Fehler über Fehler bei Alba, nach sechs Minuten hieß es 5:12.

Doch langsam wurde Berlin stärker. "Die Mannschaft versteht es, immer Wege zu finden, um ins Spiel zu kommen", lobte Albas Sportdirektor Mithat Demirel. Diesmal führte der Weg über Center Torin Francis (14 Punkte), der mächtig aufdrehte. Die Berliner legten eine 11:0-Serie hin (16:12). Inzwischen war klar, dass der 135-Kilogramm-Koloss Bryant nicht spielen würde. Er blieb auf der Bank, von einer Grippe geschwächt. Natürlich ein großer Verlust für die Schwaben. "Ohne ihn konnten wir körperlich nicht gegenhalten", stellte Leibenath enttäuscht fest.

Von einem Spitzenspiel war vorher die Rede gewesen, doch spielerisch stand die Partie selten auf höchstem Niveau, weil die Ulmer immer mehr unterlegen waren. Das zweite Viertel begannen die Berliner mit einem 15:2-Lauf auf 34:18 (16. Minute). In dieser Phase war es der überragende Simonovic, der verlässlich punktete. Die Berliner bauten die Führung bis auf 19 Zähler Differenz (43:24/19.) aus.

Die Frage war, ob die Berliner Konzentration und Aggressivität würden weiter hoch halten können. Albas Antwort: Schnell hieß es 50:28. Die Ulmer schauten nur noch hinterher. Herbert wechselte viel, was aber den Berliner Spielfluss kaum unterbrach. Die Zuschauer freuten sich über den vorweihnachtlichen Spaziergang ihrer Mannschaft an die Spitze, bejubelten drei Dreier hintereinander von Lucca Staiger (11 Punkte) und viele sehenswerte Aktionen der anderen. Einzig eine Oberschenkelverletzung von Kyle Weaver (13 Punkte) kurz vor Schluss trübte das Bild etwas. Ob der US-Amerikaner am Dienstag im Spiel bei den Artland Dragons dabei sein wird, ist offen.

Tabellenführer Alba. "Das ist das Weihnachtsgeschenk der Mannschaft an die Fans", sagte Herbert lächelnd. Der Plan von Derrick Allen sieht sogar vor: "Diesen Platz geben wir jetzt nicht mehr her."