Bundesliga

Mainz stürzt Bayern von der Tabellenspitze

Thomas Tuchel herzte die komplette, anwesende Belegschaft. Der Trainer von Mainz 05 wollte gar nicht mehr aufhören mit den innigen Umarmungen, es gab ja auch einen wegweisenden Sieg zu feiern.

3:2 (1:0) hatte der Abstiegskandidat gestern Abend Rekordmeister Bayern München besiegt, den Gegner von der Tabellenspitze gestürzt und recht ratlose Gäste hinterlassen. "Wir haben uns von der Nervosität anstecken lassen und hätten unser Spiel spielen müssen", sagte Münchens Nationaltorhüter Manuel Neuer nach dem Schlusspfiff - und schaute recht bedröppelt. Tuchel hingegen gab sich euphorisch: "Wir waren heute sehr schlau, ich muss der Mannschaft ein Riesenkompliment machen, wir haben den Sieg verdient."

Der Österreicher Andreas Ivanschitz (10.), Marco Caligiuri (65.) und Niko Bungert (74.) trafen für die Gastgeber. Der Belgier Daniel van Buyten hatte den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Bayern erzielt (56.) und sein Team mit seinem zweiten Treffer (79.) noch einmal ins Spiel zurückgebracht. Er vergab zudem Sekunden vor dem Ende die große Chance für die Münchner, wenigstens einen Punkt aus Mainz mitzunehmen.

Robben nur auf der Bank

Vor dem Spiel waren die Bayern schon gewarnt gewesen. Die Konkurrenten aus Dortmund und Mönchengladbach hatten jedenfalls stark vorgelegt und waren mit ihren überzeugenden Siegen an den Münchnern in der Tabelle vorbeigezogen. Es galt also für den Rekordmeister, gestern Abend in Mainz rasch für klare Verhältnisse zu sorgen und die eigene Vormachtstellung zu untermauern. Dass dabei ausgerechnet in Arjen Robben einer der kreativsten Spieler der Münchner draußen blieb, überraschte die meisten Fans. Der Niederländer hatte zuletzt nach seiner langen Verletzungspause zwei Einsätze über gut eine Stunde erhalten, dabei aber sowohl gegen Dortmund (0:1) als auch gegen Villarreal (3:1) nur wenig überzeugend agiert. Gestern saß Robben daher auf der Bank.

Von dort aus konnte er eine Partie mitverfolgen, in der seine Mannschaftskollegen über weite Strecken seltsam unmotiviert erschienen. Trainer Jupp Heynckes schaute dem Treiben oft kopfschüttelnd zu. Der Pressekonferenz nach dem Spiel blieb er fern, weil er buchstäblich verschnupft war - er sagte wegen einer Grippe ab. An seiner Stelle suchte Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger nach Ursachen für die Niederlage. "Das Ergebnis ist natürlich enttäuschend. Das hat Gründe", sagte er. Die Leistung in der ersten Halbzeit sei nicht ausreichend gewesen, um Mainz Paroli zu bieten. "Da haben wir grundlegende Eigenschaften vermissen lassen", kritisierte Nerlinger, "in der zweiten Halbzeit ist die Mannschaft besser ins Spiel gekommen. Insgesamt war es über 90 Minuten aber zu wenig."