Hamburger SV

Hin und Her, Zögern und Zaudern

Einen ersten Hinweis auf die Terminplanung bei der Trainersuche wollte Frank Arnesen dann doch nicht schuldig bleiben. Der Sportdirektor des Hamburger SV mochte nach dem 1:2 (1:1) gegen Schalke 04 zwar nicht zuviel verraten, er wiederholte: "Meine Strategie ist: Ich sage nichts."

Die Anhänger können sich aber darauf einstellen, dass es nicht bis Weihnachten dauere, hat zumindest Arnesen gesagt: "Bis dahin haben wir nicht Zeit. Beim nächsten Spiel in Freiburg wird ein Trainer mit Lizenz auf der Bank sitzen."

Was das nun genau bedeutet, mochte Arnesen wiederum nicht sagen. Er wolle nur erklären, dass es nicht bedeute, "dass wir bis dahin einen neuen Trainer haben".

Hin und Her, Zögern und Zaudern, seit Jahren schon gehört das beim HSV zum Standardrepertoire. Kein Verein der Bundesliga tat sich mit wichtigen Entscheidungen schwerer als der Hamburger. Allein die Suche nach einem Sportdirektor geriet zu einem legendären Stück Ligageschichte. Von Dietmar Beiersdorfers Rücktritt im Juni 2009 bis zu Arnesens Inthronisierung im Sommer 2011 vergingen sagenhafte 20 Monate.

Der Däne schickt sich nun an, scheinbar Endloses wieder ins Programm aufnehmen zu wollen. Es passt in jedem Fall trefflich ins Bild, dass sich Arnesen seit zwei Wochen schwer damit tut, einen Nachfolger für Michael Oenning zu finden. Eine Sondierungsreise blieb schon ohne Ergebnis. Eine Lösung, von der er zu 100 Prozent überzeugt sei, habe sich nicht aufgetan, sagte Arnesen. Weil Amateurtrainer Rodolfo Cardoso die nötige Fußballlehrerlizenz fehlt, wird die Notlösung mit ihm als Chef von der Deutschen Fußball Liga (DFL) wohl nicht mehr toleriert werden. Arnesen ist gefordert, doch der scheint weiter auf Zeit spielen zu wollen.

Allem Anschein nach liebäugelt er mit der Verpflichtung von Morten Olsen. Der ist allerdings noch Nationaltrainer Dänemarks und muss erst einmal in den nächsten Wochen die EM-Qualifikation hinter sich bringen. Weil am 16. Oktober im Gastspiel beim SC Freiburg ohnehin nur ein Mann mit entsprechender Lizenz auf der Trainerbank zu sitzen hat, dürften formell die Hamburger Assistenztrainer Frank Heinemann oder Ronny Teuber einspringen. Notfalls könnte sich auch Arensen selbst dafür hergeben, den nötigen Trainerschein hat er.

So aber würde wertvolle Zeit verstreichen - die Länderspielpause eignet sich hervorragend zur Einarbeitung eines neuen Trainers. Doch mit der weisen Entscheidung zur richtigen Zeit tat sich der HSV zuletzt immer schwer. So war die Amtszeit des ehemaligen Sportchefs Beiersdorfer davon geprägt, dass er zwar beachtenswerte Transfers wie die von Rafael van der Vaart, Nigel de Jong oder Khalid Boulahrouz einfädeln konnte. Beiersdorfer aber wird auch immer als der Sportchef in Erinnerung bleiben, der mit einem Großteil seiner Einkäufe meist bis kurz vor Ende der Transferperiode wartete. Aufsichtsräte des Klubs berichteten, dass Beiersdorfer manchmal sogar so lange mit sich gerungen hatte, bis das Transferfenster nur noch "Minuten oder Sekunden" offen war. Die Folge: Spieler brauchten zum Teil bis weit in die Saisonhälfte, um sich in den neuen Gefilden zurechtzufinden.

Als Beiersdorfer sich nicht zuletzt deswegen mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann überworfen hatte, vermochte der HSV die Lücke nicht zu schließen. Mit rund einem Dutzend Kandidaten wurde gesprochen und verhandelt. Am Ende blieb Ex-Profi Bastian Reinhardt als ungewollter Sportchef übrig. Der HSV zahlt jetzt die Zeche für die Fehler der Vergangenheit - und sogar noch mehr. Früher wurde ohne Rücksicht auf Verluste geprasst, jetzt ist kein Geld mehr da. Um Löcher zu stopfen, musste Eljero Elia im Sommer für neun Millionen Euro an Juventus Turin verkauft werden. Und weil früher bei Transfers Ratenzahlungen vereinbart wurden, muss der HSV allein in dieser Saison 16 Millionen Euro aus der Vergangenheit abstottern. Arnesen erklärte gerade erst, dass er damit gerechnet hatte, mehr Geld zur Verfügung zu haben.

Die Trainersuche wird dadurch nicht leichter. Zumal er vom Aufsichtsrat immer wieder aufs Neue Kandidaten aufgedrückt bekommt. So macht sich Jürgen Hunke öffentlich für eine "Hamburger Lösung" stark, die aus Sicht des einstigen Klubchefs die ehemaligen Spieler Horst Hrubesch oder Thomas von Heesen umfassen sollte. Arnesens Kandidat und Vertrauter Olsen findet dagegen im Aufsichtsrat nur teilweise Zustimmung. Wie zu hören ist, soll er extrem genervt von den Kampagnen seiner Kontrolleure sein.