Handball

Füchse vergeben in Europa eine große Chance

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Während die rund 200 ungarischen Fans ihre Handball-Helden des Abends lautstark feierten, stapften die Spieler der Füchse Berlin mit hängenden Köpfen vom Feld. Kein Lachen auf den Lippen, dafür die nüchterne Erkenntnis, eine große Chance vertan zu haben. Mit 24:29 (13:15) unterlagen sie in der Champions League MKD Veszprem.

Nach dem 33:37 gegen Atletico Madrid vor dreieinhalb Wochen war es die zweite Heimniederlage in Folge. Aus dem erhofften großen Schritt Richtung Achtelfinale wurde nichts. Dabei scheiterten die Berliner vor 6623 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle mehr an sich selbst als am ungarischen Rekordmeister.

So sah es Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson. "Wir standen irgendwie neben uns, waren nicht mit Kopf und Herz voll dabei", sagte der isländische Coach und zeigte sich sehr unzufrieden mit der mangelnden Chancenverwertung: "Wir haben unsere guten Möglichkeiten wie Siebenmeter und Gegenstoß nicht gemacht und zudem in Überzahl zu viele Tore kassiert. Der Spielfluss war nicht da." Auch Rechtsaußen Markus Richwien haderte nach dem verpassten Sieg mit der Chancenverwertung. "Wenn wir am Anfang die leichten Tore gemacht hätten, wäre die Partie ganz anders verlaufen. Später dann waren wir emotional nicht in der Lage, das Spiel noch zu kippen."

Acht Fehlwürfe in 16 Minuten

Die Stimmung vor dem Anwurf war dieses Mal getrübt. Auf laute Einlaufmusik war verzichtet worden, um den beiden bei einem Verkehrsunfall getöteten Schiedsrichtern Bernd und Reiner Methe Respekt zu erweisen. Zudem wurde der Zwillingsbrüder mit einer Schweigeminute gedacht. Im Duell der Tabellennachbarn der Gruppe B erwischten die Berliner einen Blitzstart. Spielmacher Bartlomiej Jaszka und Kapitän Torsten Laen warfen ihre Mannschaft 2:0 in Führung (2. Minute), ehe die Gäste sich auch am Torewerfen beteiligten. Die Zuschauer bedachten jeden Treffer mit viel Applaus, allerdings wurde auf die Tormusik verzichtet. "Ich habe im Moment keine Lust auf Stimmungsmusik", sagte Manager Bob Hanning.

Nach dem guten Beginn aber scheiterten die Platzherren wiederholt am gut aufgelegten gegnerischen Torhüter Mirko Alilovic oder an Pfosten und Latte. Acht Fehlwürfe in 16 Minuten quittierte Trainer Sigurdsson mit einem Kopfschütteln und verschränkte demonstrativ beide Arme vor der Brust. So kam es dann auch, dass die Ungarn die Führung in der Partie übernahmen (7:6, 16.). Immerhin verhinderte Silvio Heinevetter im Tor der Füchse Schlimmeres. Allerdings ärgerte sich der Schlussmann über seine Vorderleute und schimpfte lautstark. Für Jaszka sollte nun Iker Romero auf der Position des Spielmachers seine Klasse zeigen. Doch der Spanier agierte etwas glücklos. Kurz vor Ende des ersten Durchgangs brachte Sigurdsson Petr Stochl für Heinevetter, und der Tscheche führte sich mit zwei tollen Paraden gleich gut ein. Prompt kamen von den Rängen Sprechchöre mit seinem Namen. Aber auch Stochl konnte nicht verhindern, dass die Füchse mit einem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause gingen.

Torwart Alilovic hält meisterlich

Angetrieben von ihren Fans machten die Berliner nach dem Seitenwechsel mehr Druck, galt es doch, diesen so wichtigen Heimsieg einzufahren. "Wenn wir ins Achtelfinale wollen, müssen wir alle Heimspiele gewinnen", hatte Sven-Sören Christophersen vor dem Anpfiff gesagt. Den ersten Matchball aber vergaben die Füchse gestern. Zwar mühten sich die Berliner Angreifer redlich, doch sie fanden in Veszprems Torhüter immer wieder ihren Meister. Der Kroate misst glatte zwei Meter und wehrte viele Würfe der Berliner ab. Zudem bekamen die Füchse Mirsad Terzic nicht in den Griff. Der Bosnier spielte überragend und warf mit sieben Treffern die meisten Tore des Abends.

Die Füchse ließen nicht locker, sie versuchten mit aller Macht, das Spiel wieder zu ihren Gunsten zu drehen. 21:23 stand es zehn Minuten vor Schluss, nun begann die sogenannte Crunch Time. Und dafür kam wieder Silvio Heinevetter ins Tor, er ist der Mann für die besonderen Momente. Wie auch Iker Romero. Mit einem Gewaltwurf zum 22:24 (23.) hielt der Spanier sein Team im Spiel. Die Berliner stellten auf eine aggressive Deckung um, sie mobilisierten noch einmal all ihre Kräfte - doch mit der Wende wollte es gestern nicht mehr klappen. Und so resümierte Dagur Sigurdsson: "Das passiert uns nicht oft, aber heute sind wir nicht zufrieden mit unserer Leistung."