Vertragsverlängerung

Babbel verspricht: "Hertha ist mein erster Ansprechpartner"

Markus Babbel und Berlin - das ist eine Geschichte von zweien, die viel Zeit brauchen, um einander zu verstehen. So reagierte der Trainer von Hertha BSC ehrlich überrascht und etwas bestürzt, als er nach seiner Rückkehr aus München mitbekam, wie seine Äußerungen zum Thema Vertragsverlängerung angekommen sind.

"Wie lange schaut sich Preetz Babbels Eiertanz noch an" titelte die "BZ". "Neuer Vertrag: Babbel spielt auf Zeit", schrieb die Morgenpost.

Der geradeheraus redende Bayer und die Berliner Schnauze, sie tun sich schwer, zusammenzukommen. Obwohl Babbel seit mittlerweile 18 Monaten Hertha-Trainer ist, war gestern eine klare Stellungnahme fällig, um die Wogen zu glätten.

Babbel fiel, wieder einmal, aus allen Wolken. Diesmal ging es darum, wie seine Antworten auf das Werben von Michael Preetz verstanden worden waren. Der Hertha-Manager hat ein für seine Verhältnisse geradezu leidenschaftliches Plädoyer für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Babbel gehalten. "Markus weiß und ich weiß, dass wir in einer phantastischen Stadt tolle Rahmenbedingungen haben. Ich hoffe, dass wir diesen Weg noch ein weiteres Stück zusammen gehen."

Darauf geantwortet hatte Babbel - sein Vertrag in Berlin läuft im Juni 2012 aus - mit Lob für den FC Bayern. Und was der FC Liverpool für ein toller Verein sei. Und dass es überhaupt in der Bundesliga den einen oder interessanten Klub gebe.

Und Hertha? Ja, da werde man sich demnächst mal zusammensetzen.

Im Verein und auch bei den Fans erntete der Trainer dafür Stirnrunzeln. So erfolgreich die Zeit mit Babbel und dem Aufstieg war: Er ist kein Mini-Mourinho, vor dem der Klub auf die Knie fallen müsse, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Nun war Babbel an der Reihe, verblüfft zu sein: Erst war es ihm negativ ausgelegt worden, als er die Berliner kritisiert hatte. Nun wird ihm negativ ausgelegt, wenn er etwas nicht sagt.

In der Tat, was bisher fehlte, war ein Bekenntnis zu seinem Arbeitgeber. Das holte Babbel gestern, bei einem Auftritt in "Talk unterm Turm" in den Rathaus-Passagen am Alexanderplatz nach.

Auf einem kleinem Podium zwischen einer Drogerie-Filiale, dem "aktiv schuh markt" und der Boutique "Zeitgeist" sagte Babbel: "Ich bin überrascht von den Reaktionen. Natürlich ist Hertha BSC mein erster Ansprechpartner."

Der Übungsleiter verlegte sich auf moderne Multitasking-Theorien. "Ich bin ein Mann und keine Frau. Ich kann mich immer nur auf eine Sache konzentrieren und nicht auf mehrere. Mein Augenmerk galt bisher der Aufgabe, dass wir mit Hertha BSC einen ordentlichen Bundesliga-Start hinlegen."

Diesmal schwärmte er nur kurz von seinem Ex-Klub FC Liverpool ("Dort Trainer zu sein, das wäre ein Traum"). Vor allem aber, und das war so noch nicht gehört worden, schwärmte Babbel von Hertha BSC. "Ich arbeite unglaublich gern für diesen Verein. Ich habe die Mannschaft in mein Herz geschlossen." Damit nicht genug. Babbel legte nach: "Hertha ist ein großer Klub. Ein phantastischer Klub, der sehr beliebt ist in der Stadt."

Er sagte, er sei "kein Zocker. Ich eier' nicht rum. Aber Otto Rehhagel sagt: Wer einen Vertrag unterschreibt, muss wissen, was er tut."

Nun darf man anmerken, dass sein Berater, ein Rechtsanwalt aus der Schweiz, längst die Eckdaten von Hertha BSC erhalten hat, wie eine Vertragsverlängerung aussehen könnte. Weshalb Babbel weiß, dass er sich mit dem Thema näher befassen muss. "Es ist ja klar: Der Verein muss wissen, wie es weitergeht."

Das ist richtig beobachtet. Ein finanzschwacher Klub wie Hertha muss sich früher als die Konkurrenz um interessante Profis für die Saison 2012/13 kümmern. Eine der Fragen, die bei solchen Gesprächen immer auftauchen, lautet: Wer wird mein Trainer sein?

Im Moment ist diese offen. Babbel hat sich auch gestern nicht festgelegt. Immerhin hat er die Hertha-Seele gestreichelt und versprochen, das Thema als erstes mit Manager Michael Preetz zu bereden.