Interview

"Ich will sehen, wie die Spieler unter Stress ticken"

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Es wird seine Premiere, am Wochenende beginnt für Jakob Kölliker (58) der neue Job noch einmal richtig. Als Cheftrainer des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) geht der Schweizer in München beim Deutschland Cup in seine ersten Spiele mit der DEB-Auswahl. Morgenpost-Mitarbeiter Marcel Stein sprach mit dem Bundestrainer über Trainer aus der Schweiz und deutsche Spieler.

Berliner Morgenpost: Normalerweise gehen Deutsche in die Schweiz, um dort zu arbeiten, Herr Kölliker.

Jakob Kölliker: Jetzt ist es halt mal umgekehrt, ich finde es schön, seinen Horizont erweitern zu können. Das Kerngeschäft bleibt dasselbe, nur das Umfeld ist ein bisschen anders.

Berliner Morgenpost: Gleich im ersten Spiel als Bundestrainer geht es Freitag gegen ihr Heimatland.

Jakob Kölliker: Ich bereite mich vor wie gegen jeden anderen Gegner auch, konzentriere mich auf unsere Mannschaft, auf unser Spiel. Wie es dann zwei Minuten vor dem Beginn aussieht, kann ich nicht sagen.

Berliner Morgenpost: Auch wenn die Hymne gespielt wird?

Jakob Kölliker: Deutschland und die Schweiz haben so oft gegeneinander gespielt, dass ich auch die deutsche Hymne mitsummen kann.

Berliner Morgenpost: Obwohl die Schweiz international eine bessere Rolle spielt als Deutschland, sind Schweizer Trainer in der Deutsche Eishockey-Liga (DEL) nicht vorhanden. Warum?

Jakob Kölliker: Schweizer Trainer gibt es nicht wie Sand am Meer. In unserer höchsten Liga waren Schweizer Trainer lange Zeit kaum vertreten, erst in den vergangenen zwei, drei Jahren kamen einige nach.

Berliner Morgenpost: Welche Reaktionen gab es in der Heimat?

Jakob Kölliker: Einige waren ein wenig erstaunt und haben sich gefragt, warum ich ins Ausland gehe. Aber der Verband hat sich bei uns vor einem Jahr anders entschieden und ein neues Umfeld an der Spitze der Nationalmannschaft installiert. Inzwischen hat sich alles wieder beruhigt, für mich ist der Wechsel gut.

Berliner Morgenpost: Sie standen in der Schweiz lange in der zweiten Reihe als Assistenztrainer von Ralph Krueger, kommen in Deutschland nun in ein ziemlich raues Umfeld mit vielen Meinungen und viel Kritik.

Jakob Kölliker: Auf internationaler Ebene tätig zu sein ist reizvoll. Auch in der Schweiz gab es nicht nur Heiterkeit zwischen Verband und Klubs. Öffentlich hatte damit immer Ralph zu tun, aber intern in der Mannschaft und bei der Aufgabenverteilung habe ich mit ihm fast eins zu eins gearbeitet. Jetzt auch den öffentlichen Teil zu übernehmen, bereitet mir keine Mühe.

Berliner Morgenpost: Schon um ihre Berufung in das Amt gab es im Mai viele Diskussionen, auch viel Ablehnung. Wie verliefen die ersten Begegnungen mit den Trainern und Managern der DEL?

Jakob Kölliker: Ich bemühe mich um eine gute Kommunikation. Es liegt an mir, das, was bisher war, zu verbessern. Ich wurde gut aufgenommen, meine Bedürfnisse werden berücksichtigt.

Berliner Morgenpost: Das hört sich gut an. Weniger schön klang, dass Sie von vielen als Zwischenlösung bezeichnet wurden, als Platzhalter für Ralph Krueger, der eigentlich erste Wahl war, aber abgesagt hat. Wie sehr hat Sie das berührt?

Jakob Kölliker: Gar nicht. Niemand weiß, was nächsten Frühling passiert. Alles ist Spekulation. Ich konzentriere mich auf das Tagtägliche, das ist jetzt mein Job.

Berliner Morgenpost: Sie stehen vor allem unter dem Zugzwang, das von Vorgänger Uwe Krupp Erreichte weiterzuführen.

Jakob Kölliker: Was mich betrifft, beginnt alles bei Null. Es freut mich natürlich, dass zuletzt Erfolg dagewesen ist. Wir können den Schwung mitnehmen, die Spieler wissen, was sie können, sie sind keine grauen Mäuse wie vielleicht noch vor einigen Jahren. Deutschland hat sich gefestigt in den vergangenen Jahren, das ist eine sehr gute Basis, von der ich nur profitieren kann.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie die Entwicklung des Eishockeys in Deutschland zuletzt erlebt?

Jakob Kölliker: Deutschland war lange ein direkter Gegner der Schweiz. Es gab viele Bruderduelle, auf die ist jeder heiß. Ich bin erfreut, dass ich hinter die Kulissen schauen kann. Dabei sehe ich, wie professionell und gut hier gearbeitet wird, Dieses Bild hatte man als Außenstehender in der Schweiz nicht immer. Ich bin sehr überrascht.

Berliner Morgenpost: Welchen Eindruck haben Sie von den Spielern?

Jakob Kölliker: Als Gegner kannte ich die Tugenden, die Kampfkraft, den Elan, den sie mitbringen. Das darf ich nun als ihr Trainer erleben. Auch technisch muss sich Deutschland nicht verstecken. Um erfolgreich zu sein, braucht es immer einen individuellen Input, also gute Spieler. Die sind in Deutschland vorhanden.

Berliner Morgenpost: Genug, um zum dritten Mal in Folge den Deutschland Cup zu gewinnen?

Jakob Kölliker: Wir streben den Turniersieg an. Für den Prozess ist aber nicht nur das Endresultat entscheidend. Primär müssen wir uns ein bisschen annähern, uns kennenlernen. Ich will wissen, wie die Spieler in Stressmomenten ticken. Insgesamt geht es darum, den achten Platz in der Weltrangliste zu bestätigen.

Berliner Morgenpost: Als jahrelanger Assistent beim Nationalteam waren Sie daran beteiligt, dass die Schweiz Deutschland in der Weltrangliste überflügelt hat.

Jakob Kölliker: Wer möchte, kann das so sehen. Jetzt ist es wohl an mir, das wieder zu ändern.