Handball

Applaus trotz Niederlage für die Füchse

Die Zuschauer feierten ihre Mannschaft wie nach einem großen Sieg, die Spieler der Handball-Füchse winkten ins Publikum. Aber ihre Mienen verrieten: Ihnen war nicht nach Jubeln zumute. "Natürlich ist man enttäuscht, wenn es am Ende doch nicht gereicht hat", meinte Markus Richwien (sechs Tore).

Sie waren nah dran gewesen, die Berliner. "Wir haben alles geben müssen", sagte Dominik Klein, der Nationalspieler vom THW Kiel. "Das war eine hitzige Kiste." Am Ende durften nur die Kieler jubeln, die Berlin mit 33:32 (17:17) besiegten.

Dennoch: "Riesenkompliment an die Mannschaft", sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, "wie sie immer wieder zurückgekommen ist, war sensationell." Mehrere Male hatten die Füchse mit fünf Toren Differenz zurückgelegen gegen die Toptruppe der Liga, aber immer stand das Team von Trainer Dagur Sigurdsson wieder auf. "Stolz" sei er auf seine Mannschaft, sagte THW-Coach Alfred Gislason. Die Kieler bleiben unbesiegt: zehn Spiele, zehn Siege, 20:0 Punkte. Verfolger Füchse (13:5) wurde auf Distanz gehalten. In den Augen von Gislason sind die "einer der Hauptkonkurrenten um den Titel".

25 Minuten vor Beginn hatte es in der Schmeling-Halle bereits einen Schrei aus Tausenden Kehlen gegeben. "Das darf doch nicht wahr sein!", lautete der Satz, der vielen über die Lippen ging. Denn bei der Auslosung zum Achtelfinale des DHB-Pokals lautete die dritte Paarung: Füchse Berlin gegen THW Kiel. Zumindest haben die Berliner ein Heimspiel gegen den Cupverteidiger. Aber ein Wunschlos war das natürlich nicht. Ramon Tauabo, ein Jugend-Nationalspieler der Füchse, fasste sich schuldbewusst an den Kopf. Der 19-Jährige hatte gestern als "Glücksgott" fungiert - Handball spielen kann er besser...

Die Berliner und Kieler Spieler grinsten sich auf dem Feld während des Einspielens an. Man sieht sich also bald wieder: Spieltermin 14. oder 15. Dezember. Kiel und Pokal, da war doch was? In der vergangenen Saison waren Berlin und Kiel im Viertelfinale aufeinander getroffen, damals gewann der THW mit 31:25, zog ins Final Four ein und holte sich am Ende den Cup. Nun folgt also ein neuer Anlauf der Füchse. Sie können Revanche für die gestrige Niederlage nehmen.

Tauabo sorgte nicht nur für diese eine spektakuläre Paarung, er leistete ganze Arbeit: Es stehen sich nämlich auch die Rhein-Neckar Löwen und Meister HSV Hamburg gegenüber. Die vier besten Teams des Vorjahres treffen sich also in zwei der acht Spielen. Doch an den Pokal wollte gestern niemand mehr danken, als der Bundesliga-Gipfel unter den Augen des neuen Bundestrainers Martin Heuberger und dessen Vorgänger Heiner Brand begann.

Zu Beginn musste es einem angst und bange um die Füchse sein. Denn sie kamen ganz schlecht ins Spiel. Die Gäste aus Kiel waren schneller, aggressiver, ihre Körpersprache dokumentierte absoluten Willen. Die Berliner wirkten hingegen eher gehemmt. Fehlwürfe, technische Fehler waren die Folge, schnell stand es so 1:4 und 2:6. Vor allem Kiels Daniel Narcisse (neun Tore) war nicht zu halten. Jede Füchse-Schwäche wurde gnadenlos ausgenutzt.

Doch diese Berliner Mannschaft hat ein ganz großes Kämpferherz. Gegen Kiel, das es sich leisten konnte, den Welthandballer des vergangenen Jahres, Filip Jicha, erst nach zehn Minuten zu bringen, hilft eben vor allem Kampf. Als Kapitän Torsten Laen nach 13 Minuten zum 8:8 ausgeglichen hatte, stand nun auch Füchse-Trainer Dagur Sigurdsson, der vorher nach ruhig gesessen hatte.

Zwar geriet Berlin erneut mit vier Toren Differenz in Rückstand (10:14/21.), aber jetzt kamen die Füchse in bessere Wurfpositionen. Silvio Heinevetter, der wegen einer zwei Minuten-Strafe wegen Meckerns eine kurze Schaffenspause einlegen musste, hielt immer besser. Iker Romero kam für zwei Siebenmeter und verwandelte beide. Beim 17:17 zum Wechsel hatten die Berliner den THW dort, wo sie ihn haben wollten: auf Augenhöhe.

Und für kurze Zeit schien sogar der ganz große Coup möglich: Zweimal (19:18, 20:19) lagen die Füchse in Front. Die Schmeling-Halle, der Fuchsbau, bebte. Aber dann wieder Fehler bei Berlin. Es war nicht so, dass die Kieler sehr viel besser waren, sie nutzten nur ihre Chancen besser und machten weniger Fehler. Romero brachte in der zweiten Hälfte neues Feuer ins Füchse-Spiel, war mit acht Toren (davon fünf Siebenmeter) bester Werfer; aber nach 50 Minuten hieß es dennoch 25:30. "Das war dann vielleicht doch ein bisschen zuviel des Guten", sagte Nationalspieler Sven-Sören Christophersen (fünf Tore).

Die Füchse haderten mit den Schiedsrichtern, die mit ihren Pfiffen einige Male sehr daneben lagen. Aber Aufgeben galt dennoch nicht: 27:30, 31:33 - und 32:33 durch Christophersen, als noch 47 Sekunden zu spielen waren.

Kiel hatte den Ball, verwarf, aber in den verbleibenden sieben Sekunden gelang der Ausgleich nicht mehr. Abwurf von Heinevetter auf Christophersen, der den Ball aber nicht unter Kontrolle brachte. Aus, vorbei - und Heinevetter lief wie ein Irrwisch in Richtung Schiedsrichter. Dann drehte er ab in Richtung Katakomben, trat auf dem Weg in die Kabine noch gegen eine Werbebande. Er war bedient. Den Applaus der Fans bekam er nicht mehr mit.

Die Füchse sind einer der größten Konkurrenten um den Titel

Alfred Gislason, Trainer des THW Kiel