2012

So aufregend wie noch nie

John Patrick, der im Sommer aus Göttingen zum Aufsteiger s.Oliver Baskets Würzburg gewechselte Bundesliga-Trainer des Jahres 2010, weiß schon heute, wer am Ende der Saison vorne stehen wird: "Der neue Meister fängt mit B an!"

Es fällt schwer, diesem Tipp zu widersprechen, beginnen doch die drei zu Saisonbeginn am häufigsten genannten Favoriten (Bamberg, Berlin und Bayern München) alle mit B - genauso wie das Bonner Überraschungsteam, das nach vier Spieltagen mit 4:0 Siegen an der Tabellenspitze steht.

Titelverteidiger Brose Baskets aus Bamberg, im Fanjargon auch "BBB" abgekürzt, überragt die Konkurrenz dabei nicht wegen seiner drei Bs. Trainer Chris Fleming hat sein schon in der vergangenen Saison wie eine geölte Maschine funktionierendes Erfolgsteam nicht nur in weiten Zügen zusammengehalten, sondern sogar noch verstärkt. Die einzigen Abgänge, Center Kyle Hines (nach Griechenland) und Forward Reyshawn Terry (in die Ukraine), wurden durch den neuen US-Center Marcus Slaughter (sechs Zentimeter größer als Hines, aber genauso explosiv) und US-Forward P. J. Tucker (schon seit langem ein Wunschkandidat von Trainer Fleming) mehr als ersetzt. Obendrauf kommt noch der Wechsel des langjährigen Berliner Topscorers Julius Jenkins nach Bamberg.

Neben Alba Berlin, dem am Ende der vergangenen Spielzeit nur zwei Minuten fehlten, um die Bamberger vom Thron zu stoßen, flößt vor allem der namhafte Aufsteiger FC Bayern München der Konkurrenz großen Respekt ein. Mit gleich vier aktuellen Nationalspielern und ausländischen Stars wie Aleksandar Nadjfeji und Je'Kell Foster ist den nach 37-jähriger Abstinenz in die erste Liga zurückgekehrten Bayern gleich im Aufstiegsjahr einiges zuzutrauen. Auf jeden Fall füllt allein der Name FC Bayern die Arenen und die Schlagzeilen wie kein Aufsteiger zuvor.

Neben dem schillerndsten Aufsteiger aller Zeiten profitiert die Beko BBL auch vom Lockout in der US-Profiliga NBA und von den wachsenden wirtschaftlichen Problemen südeuropäischer Klubs. Zwar haben nur die Skyliners Frankfurt mit Jon Leuer einen Spieler verpflichtet, der bei einem Ende des NBA-Lockouts wohl in die USA zurückkehren wird. Dass Klubs in Süd- und Osteuropa sich in dieser Hinsicht risikofreudiger zeigen, trägt aber dazu bei, dass sich viele zuletzt in diesen Ländern engagierte Ausländer im Sommer daran erinnerten, dass es auch in der deutschen Liga ganz nett war und dass in der BBL nicht zuletzt das Gehalt immer pünktlich überwiesen wurde.

Vor allem die Baskets Oldenburg haben mit den aus Griechenland, Spanien und Polen in die BBL zurückgekehrten früheren Berlinern Bobby Brown und Adam Chubb sowie Ronald Burrell (Ex-Köln und -Bonn) und Milan Majstorovic eine große Zahl solcher Heimkehrer aufgenommen und um sie herum ein Team gebaut, das sich hinter den Klubs mit den großen "Bs" nicht verstecken muss. Dass darüber hinaus von den letztjährigen Halbfinalisten Frankfurt und Quakenbrück über den Geheimfavoriten Braunschweig und die offenbar wieder erstarkten Bonner, Ulmer und Ludwigsburger bis hin zum sich im Windschatten des FC Bayern unauffällig nach vorne mogelnden zweiten starken Aufsteiger Würzburg viele Kandidaten bereit stehen, um den Favoriten die Show zu stehlen, veranlasst Alba-Manager Marco Baldi zu der Prognose: "Wir werden hinsichtlich Qualität und Aufregung eine Saison erleben, wie wir sie noch nie hatten."