Basketball

Wenn Milliardäre sich mit Millionären streiten

Den vielversprechendsten Beitrag zum Tarifstreik in der NBA lieferte vermutlich Micky Arison, der Besitzer der Miami Heat. Aus dem New Yorker Konferenzraum heraus, in dem Spieler und Eigner um eine Einigung rangen, twitterte der 62 Jahre alte Chef des weltgrößten Kreuzfahrtunternehmens gestern um kurz nach Mitternacht: "Ich hätte lieber einen Burger auf einem meiner Boote essen sollen, anstatt an dieser Runde teilzunehmen."

Kurz darauf teilte ein Sprecher der nordamerikanischen Basketball-Liga offiziell mit, dass die Verhandlungen erneut gescheitert seien und zu den 110 Tagen, die die Aussperrung der Profis nun schon dauert, noch ein 111. hinzukommt.

Wahrscheinlicher ist, dass es noch eine ganze Weile länger dauern wird, ehe sich die Verhandlungspartner auf eine neue Verteilung der Einnahmen in Höhe von rund vier Milliarden Dollar einigen können. Daran zerschellten schon die ersten beiden Wochen der Saison, die ursprünglich im November mit der Partie von Dirk Nowitzkis Dallas Mavericks gegen Chicago hätte beginnen sollen. Inzwischen steht sogar die komplette Spielzeit auf der Kippe. Nicht nur die amerikanische Bevölkerung, die gerade eine der schwersten Wirtschaftskrisen in der Geschichte des Landes durchmacht und in der Tausende ihre Jobs verlieren, verfolgt die starre Auseinandersetzung zwischen den Millionären (Spieler) und Milliardären (Teambesitzer) mit wachsender Frustration.

Wie störrische Kinder beharren die Akteure des NBA-Zirkus auf ihren Standpunkten. Statt wie bisher 57 Prozent der Einnahmen als Gehälter an die Spieler auszuzahlen, streben die Teambesitzer eine 50/50-Aufteilung an. Im vergangenen Jahr schrieben 22 von 30 Teams nach eigenen Angaben rote Zahlen, seit 2005 beliefen sich die Verluste auf insgesamt eine Milliarde Dollar.

Die Spieler-Gewerkschaft ist gespalten. "Es ist schwierig für uns. Die NBA muss nur die 30 Meinungen der Teambesitzer beachten. Ich spreche für 450 Spieler, das bedeutet auch 450 Meinungen", klagte Gewerkschafts-Präsident Derek Fisher. Superstars wie Lebron James, die sich in der Auseinandersetzung mit der Liga als Meinungsführer aufspielen, bleiben hart. Sie wissen: Bisher treffen die Einbußen, die durch die ausgefallenen Test- und Liga-Spiele entstanden sind, Liga und Besitzer härter als die Spieler. Durch die neue Gehaltsregelung müssten die Profis auf rund 120 Millionen Dollar pro Jahr verzichten.

Aus diesem Zahlen-Labyrinth hat US-Experte Larry Coon einen Break-even-Point errechnet, einen Zeitpunkt, an dem sich Gewinne und Verluste ausgleichen. Dieser Zeitpunkt wird Coon zufolge am 16. Dezember erreicht; von da an würden die Spieler unter dem Strich mehr Geld durch den Streik verlieren als Liga und Besitzer. Dieser 16. Dezember, ein Freitag, ist derzeit das Datum, an dem ein Saisonstart am wahrscheinlichsten scheint.