Basketball

Nowitzkis Olympiatraum zerplatzt

Der Blick von Dirk Nowitzki ging ins Leere. Ausgepumpt schlich der Basketball-Weltstar vom Feld. Aus, vorbei, die deutsche Nationalmannschaft war bei der Europameisterschaft in Litauen ausgeschieden. Das 75:84 (33:37) gegen den Gastgeber im letzten Zwischenrundenspiel in Vilnius besiegelte nach großem Kampf das Schicksal des Teams von Bundestrainer Dirk Bauermann.

"Ich muss der Mannschaft ein Kompliment machen. Alle haben super gekämpft", sagte Nowitzki. "Aber es lag insgesamt einfach an mir. Ich war nicht in der Verfassung, ein gutes Turnier abzuliefern."

Mit dem Verpassen des Viertelfinales in Kaunas ist nicht nur die Chance dahin, sich mit einer guten EM-Platzierung für die Olympischen Spiele 2012 zu qualifizieren. Viel schlimmer: Nowitzki, der dem Spiel auf die Körbe hierzulande eine ganz neue Bedeutung und Aufmerksamkeit gegeben hat, hört nun nach seinem 141. Länderspiel auf unbestimmte Zeit auf. Ob der NBA-Champion von den Dallas Mavericks überhaupt noch einmal für Deutschland spielen wird, ist sehr fraglich. In den nächsten zwei oder drei Jahren wird er mit Sicherheit fehlen. Aber: "Ich lasse mich jetzt nicht dazu hinreißen zu sagen, ich spiele nie mehr für Deutschland", sagte Nowitzki. Doch so, wie er direkt nach dem Aus allen Fans, Betreuern und dem ganzen Umfeld dankte, klang es doch sehr nach Abschied. Auch wenn Bauermann noch sagte: "Mein Gefühl ist nicht, dass das bei Dirk ein Abschied für immer war."

Künftig wird die Nationalmannschaft aber erst einmal ohne ihre Leitfigur auskommen müssen, und auch dessen NBA-Kollege Chris Kaman (Los Angeles Clippers) wird nicht dabei sein. Der Center spielt nur, wenn Nowitzki antritt. Auf die Nationalmannschaft kommen schwere Zeiten zu, beginnend bereits im kommenden Jahr mit der EM-Qualifikation für die Titelkämpfe 2013 in Slowenien.

Die Ausgangssituation vor dem entscheidenden Spiel gegen Litauen hatte sich noch verschärft, nachdem die Serben bereits am Nachmittag gegen die Türkei mit 68:67 (35:27) gewonnen hatten. Nun reichte Nowitzki und Co. nicht einmal ein "einfacher" Sieg, nur ein Erfolg mit mindestens elf Punkten Differenz würde das schier Unmögliche möglich machen.

Bauermann, der nun sein Amt aufgeben wird, hatte vorher noch martialische Worte benutzt: "Es geht darum, morgen noch am Leben zu sein und nach Kaunas zu fahren." Do or die - eine Situation, "die richtig Spaß macht", wie Nowitzki fand.

Von Beginn an wurde Nowitzki von den Litauern mit allen Mitteln beharkt. Er kam kaum in gute Wurfposition. Der 33-Jährige konnte sein Team nicht wie erhofft tragen. Wobei andere das Punkten übernahmen, allen voran Center Chris Kaman, der kaum aufzuhalten war und zur Pause bereits 14 Zähler auf seinem Konto hatte.

Bis dahin hatten die Deutschen gut mitgehalten, sie hatten sich von der Kulisse nicht verunsichern lassen - und führten nach sieben Minuten sogar mit 15:13. Eine 0:8-Serie auf 15:21 baute dann die Litauer auf, die selbst aber auch etwas nervös wirkten. Sie durften sich zumindest keine Niederlage mit mehr als elf Punkten leisten, sonst wären sie draußen gewesen. Da auch die guten Robin Benzing (18) und Heiko Schaffartzik (13) trafen, betrug der Rückstand beim Wechsel nur vier Zähler (33:37), zum Weiterkommen fehlten aber doch bereits 15 Punkte.

Von Aufgeben aber keine Spur: Kurz nach der Pause gelang Kaman (insgesamt 25 Punkte/11 Rebounds) das 41:39. Aber die Litauer wussten immer im richtigen Augenblick die richtige Antwort und nutzten deutsche Fehler in der teils unaufmerksamen Abwehr zum 43:52 (25.). Zwar versuchten die Deutschen alles, gingen sogar durch Kaman noch einmal in Führung (64:63/35.); aber da eben vor allem Nowitzki (16) viel zu oft - teils unfair bedrängt - den Korb verfehlte, blieb man doch weit vom benötigten hohen Sieg entfernt. Und so blieb neben Frust nur die Gratulation an Litauen, das als Gruppendritter hinter Spanien, Frankreich und vor Serbien das Viertelfinale erreichte.