Tennis

Doppel hält besser: Zweiter Titel für Petzschner

Angelique Kerber verließ New York mit einem Lächeln im Gesicht - Philipp Petzschner mit einem Titel im Gepäck. Das Halbfinal-Aus bei den US Open war noch keine Stunde alt, da dachte die 23-jährige Kerber bereits an eine Fortsetzung ihrer wundersamen Reise. "Das war keine Eintagsfliege, sondern erst der Anfang.

So etwas wie ein neuer Start", sagte Kerber nach dem 3:6, 6:2, 2:6 gegen Samantha Stosur. Petzschner indes dachte nach dem Doppel-Triumph mit seinem österreichischen Partner Jürgen Melzer um 45 Minuten nach Mitternacht schon an die Belohnung von Marbella. Noch auf dem Platz funktionierte Petzschner sein Racket kurzerhand zum Golfschläger um und simulierte zur Freude von "Caddy" Melzer einen erfolgreichen Putt. "Das war eine Wette. Jürgens Manager hatte uns zum Golfen nach Marbella eingeladen, falls wir die Qualifikation für das Masters in London schaffen", erklärte der Bayreuther nach dem 6:2, 6:2 gegen die Polen Mariusz Fyrstenberg/Marcin Matkowski.

Für Angelique Kerber soll jetzt nach dem amerikanischen Traum eine Aufwachphase in der Heimat folgen. "Ich werde es wohl erst zu Hause realisieren, was ich erreicht habe", sagte die 23-Jährige, die sich in den kommenden Tagen ein kurzes Tennis-Aus gönnen will.

Genügend Zeit also, sich über die Prämie von 450.000 Dollar (ca. 330.000 Euro) und den Satz von Platz 92 auf 34 der Weltrangliste zu freuen. Die Marschrichtung für die Zukunft gab die Überraschungs-Halbfinalistin bereits vor ihrem Rückflug aus. "Mein Ziel bei den Grand-Slam-Turnieren wird es jetzt immer sein, in die zweite Woche zu kommen", sagte Kerber.

Deutsche Damen immer stärker

Für Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner haben die Tage im Big Apple aus der "guten Tennisspielerin Kerber" vor allen Dingen einen erfolgreichen Genussmenschen gemacht. "Ich habe sie zum ersten Mal auf dem Platz lachen sehen. Sie war sonst nie mit sich zufrieden. Mit Spaß an der Sache hat Angie realisiert, was in ihr steckt", erklärte Rittner. Das deutsche Fräuleinwunder der letzten Monate ließ die 38-Jährige sogar kurz euphorisch werden. "Ich hätte nichts dagegen, wenn alle Vier den Sprung in die Top Ten schaffen", sagte Rittner mit Blick auf Andrea Petkovic, Sabine Lisicki, Julia Görges und jetzt eben Kerber. Sogar Steffi Graf, 1996 vor Kerber die bis dato letzte Deutsche im US-Open-Halbfinale, meldete sich bei Rittner. "Steffi hat gesagt, sie freue sich, dass da jetzt wieder eine Neue ist", berichtete die Teamchefin.

Dank des zweiten Grand-Slam-Erfolgs nach dem Wimbledon 2010 dürfen Petzschner/Melzer im November in London zum zweiten Mal in Folge bei der Weltmeisterschaft der besten acht Doppel-Teams starten. An die WM dachten die Sieger in der Stunde des Triumphes allerdings noch nicht. Vielmehr beschäftigte die dicken Kumpels Petzschner und Melzer um 01.30 Uhr nachts die Frage, in welcher Lokalität sie ihren zweiten Major-Titel denn feiern könnten. Zumindest über die Bedeutung des Erfolges waren sich beide schnell einig. "Das ist ein großer Sieg und ein unglaubliches Gefühl. Du kannst im Tennis nicht mehr gewinnen, als einen Grand-Slam-Titel", meinte der Weltranglisten-67. Petzschner.