Motorsport

Vettels Kampf gegen die Trendsetter

Nach knapp vier Wochen Sommerpause bot die Formel 1 bei ihrer Rückkehr in Spa einiges. Einen Michael Schumacher zum 20. Jahrestag mit einem goldenen Helm im Cockpit, einen kräftigen Regenschauer zum Trainingsauftakt, der den bisher hinterherfahrenden Rekordweltmeister im ersten Durchgang wie zum Dank für 280 teils dramatische Rennen auf Platz eins der Ergebnisliste spülte.

Und einen Bruno Senna, der bei seinem ersten Grand-Prix-Auftritt für Renault in einen Reifenstapel prallte.

Auch der Totalschaden ist eine skurrile Anekdote aus dem PS-Zirkus "Clowns und Helden". Der Brasilianer, Neffe des großen Ayrton Senna, hatte den deutschen Routinier Nick Heidfeld dank einer üppigen Sponsoren-Mitgift aus dem Cockpit gedrängt, weshalb der tapfere Heidfeld nun vor den Londoner High Court zieht. Es geht für den 34-Jährigen um seinen Ruf und um den Rest seiner Jahresgage in Höhe von angeblich gut zwei Millionen Dollar. Im Fahrerlager von Spa sagte er: "Aus meiner Sicht ist mein Vertrag eindeutig." Die Entscheidung über eine mögliche Rückkehr zu Renault soll nach dem Großen Preis von Monza am 11. September fallen.

Den ersten Verlierer gibt es also schon, der übrigen Branche gilt der Große Preis von Belgien als wichtiger Trendsetter. Wer das erste Rennen nach der Sommerpause gewinnt, nimmt viel Selbstvertrauen mit in den Endspurt der Saison. Wer verliert, schleppt Frust mit.

Schumacher stark im Regen

Die Verfolger von Weltmeister Red Bull wittern eine neue Chance, seit fünf Rennen ist die Red-Bull-Dominanz dahin, seit drei Rennen hintereinander lag Titelverteidiger Sebastian Vettel nicht mehr vorn. Das reicht McLaren-Pilot Jenson Button als Indiz für einen Umschwung: "Wenn wir ihm auch die nächsten Rennen keine Atempause lassen, wird es ihm wehtun. Das ist genau das, was wir wollen", sagte Button, der sich nach einem überragenden Saisonstart mit sechs Siegen in sieben Rennen 2009 im zweiten Saisondrittel kein Siegfahrer mehr war und sich am Ende mit einem dünnen Vorsprung ins Ziel rettete. Vettel gewann sechs von elf Rennen, und der Ardennen-Kurs in Spa sowie der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Monza behagen dem Red Bull weniger, wie Vettel gesteht: "Es wird enorm schwierig, das haben wir in der Vergangenheit gesehen."

Im vergangenen Jahr konnte sich Vettels Stallrivale Mark Webber zwar die Poleposition sichern. Im Ziel musste er sich McLaren-Mann Lewis Hamilton geschlagen geben. Vettel kroch nach einer Kollision mit Button als 15. ins Ziel und wurde daraufhin von McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh als "Crash-Kid" verhöhnt. Jetzt stichelte Button: "Es kann alles kann passieren, wenn du zuviel über deinen Vorsprung nachdenkst. Wir können ihn noch abfangen, auch wenn es verdammt schwer wird." Sebastian Vettel kann trotz Platz zehn gestern im Training gelassen bleiben. Der Vorsprung auf den Trainingsschnellsten, Red-Bull-Teamkollege Mark Webber, dessen Vertragsverlängerung bevorsteht, ist mit 85 Punkten alles andere als beunruhigend. Theoretisch reicht Vettel in den verbleibenden acht Saisonrennen jeweils ein dritter Platz, und er würde trotzdem seinen zweiten Titel einfahren.