Football

Länderspiel auf eigene Kosten

"Am Sonntag wird um 14 Uhr Football-Geschichte geschrieben." So preist der American-Football-Verband (AFVD) das erste Spiel eines deutschen Frauen-Nationalteams auf deutschem Boden an. Es geht gegen Finnland im Münchner Dante-Stadion. Und wer Geschichte schreiben will, muss früh aufstehen.

Yvonne Mechsner ist gestern um halb fünf aufgestanden und zum Stadion Wilmersdorf gefahren. Die 33 Jahre alte Reinickendorferin traf sich dort mit sieben Mitspielerinnen von den Berlin Kobra Ladies.

Die Frauen haben sich für die Anreise einen Kleinbus gemietet. "Den müssen wir selbst bezahlen", sagt Mechsner. Die stämmige Frau lächelt nachdem sie das gesagt hat. Es ist ein So-ist-das-nun-einmal-Lächeln. 30 Euro zahlt jede für die Wagenmiete über das Wochenende, dazu kommen das Spritgeld und 50 Euro für das zweitägige Trainingslager. Wer Geschichte schreiben will, muss nicht nur früh aufstehen, sondern auch zahlen.

So war das auch im vergangenen Jahr, als sich zum ersten Mal ein Frauen-Nationalteam formierte. Der Verband hatte sich entschlossen an der Weltmeisterschaft in Schweden teilzunehmen. Mit 800 Euro musste sich jede Spielerin aus dem 45-köpfigen Kader beteiligen. Mechsner bekam immerhin die Hälfte von der Sporthilfe erstattet.

American Football ist keine olympische Sportart. Da hält sich die öffentliche Förderung in engen Grenzen. "Ich mach das, weil es mir Spaß macht, nicht um bekannt zu werden", sagt die Buchhalterin, "das wird man auf meiner Position sowieso nicht." Mechsner spielt in der Offensive Line. Sie muss den Quarterback schützen, wenn die einen Pass werfen will oder einer der Ballträgerinnen den Weg frei blocken. Blaue Flecken? "Habe ich im Moment keine", sagt sie, "man lernt sich mit der Zeit richtig zu bewegen."

Nachdem Mechsner vor zwölf Jahren von einer Freundin zum American Football mitgenommen worden war, sah sie nach jedem Training malträtiert aus. Doch das konnte sie nicht abhalten. "Ich fand es cool, blieb dabei und so vergingen die Jahre", sagt sie. Vier Mal ist sie inzwischen mit den Kobras Deutsche Meisterin geworden. Seit 2007 ging jeder Titel nach Berlin. Die Serie soll halten. Eine Woche nach dem Länderspiel bestreiten die Kobras ihr Halbfinale um die Meisterschaft. Und am 18. September ist das Finale in Berlin. "Der Verein hat immer Vorrang." Auf Mechsners Wade ist das Logo der Kobras tätowiert. Also geht es direkt nach der Länderspiel-Premiere zurück, um halb drei am Morgen wollen sie wieder in Berlin sein. Wer Geschichte schreiben will, kommt halt auch erst spät ins Bett.