Trainingslager in Peking

Alba zieht ins olympische Dorf

Die allgemeine Vorfreude ist riesig - so wie es sich für ein Basketballteam ja eigentlich auch gehört. Nur einer kommentierte die bevorstehende große Reise mit einem leisen Seufzer. "Ich bin gerade dabei, mich an den Zeitunterschied zwischen Kalifornien und hier zu gewöhnen, jetzt kommt schon der nächste Jetlag", sagte Bryce Taylor lächelnd.

Aber auch der Amerikaner, der sich seit einer Woche in Berlin auf die nächste Saison vorbereitet hat, ist natürlich gespannt vor der größten Dienstreise, die Alba jemals absolviert hat.

Heute Abend fliegt die Mannschaft mit Hainan Airlines von Tegel nach Peking. Dort schlägt der achtmalige Deutsche Meister auf Einladung des chinesischen Basketball-Verbandes sein Trainingslager im olympischen Dorf der Spiele von 2008 auf und bestreitet anschließend ein Turnier, die "Continental Basketball Club Championships", gegen Konkurrenz aus Korea, China, Australien und den USA. Auch dies in den Sportstätten, die vor drei Jahren Schauplatz der Olympischen Spiele waren.

Chance für den Nachwuchs

Nur elf Spieler umfasst das Berliner Aufgebot. Heiko Schaffartzik, Lucca Staiger und Sven Schultze sind zurzeit bei der Nationalmannschaft in Bamberg und haben alle drei gute Aussichten, an der Seite Dirk Nowitzkis mit Deutschland zur Europameisterschaft nach Litauen zu fahren. "Ich rechne nicht damit, dass einer von ihnen es nicht schafft", gibt sich Albas Team Manager Mithat Demirel zuversichtlich. Sollte doch ein Berliner am kommenden Wochenende von Bundestrainer Dirk Bauermann aussortiert werden, würde er Alba nachreisen. Um genügend Spieler dabei zu haben, wählte Alba-Trainer Gordon Herbert drei Nachwuchskräfte aus, die so die große Chance haben, sich in den Vordergrund zu spielen. Es sind Can-Jonathan Kleiner (18), Alexander Blessig (17) und Kevin Bright (18), Letzterer vom Alba-Partnerteam Urspringschule Ehingen.

Herbert sieht die Reise vor allem unter professionellen Gesichtspunkten. "Wir freuen uns auf China, das ist auch eine kulturelle Erfahrung", sagte der Kanadier, der einst selbst als Spieler mit einer finnischen Mannschaft 1983 in Taiwan war. "Aber ein Trainingslager muss anstrengend sein, um mentale Härte zu bekommen. Erfolg entscheidet sich auch über mentale Härte." Das Signal an die Spieler lautet also: Eine Sightseeing-Veranstaltung wird der Trip sicher nicht. Auf die Stärke der Teams angesprochen, auf die Alba beim Turnier treffen wird, zuckte Herbert mit den Achseln: "Unsere Gegner? Die kenne ich nicht." In der Vorrunde haben es die Berliner mit Dongbu Promy (aus Korea) und den Beijing Jinyu Ducks aus dem Gastgeberland zu tun. In der anderen Gruppe spielen die Cairns Taipans (Australien), Xinjiang Flying Tigers (China) und Kentucky Bisons (USA).

Albas neuer Center Torin Francis ist sich der bevorstehenden Anstrengungen sehr wohl bewusst. "Wir haben hier in Berlin schon gut gearbeitet", sagte der 28-jährige Amerikaner, "genau das werden wir auch dort tun. Gemeinsam in einer fremden Stadt zu sein, wird uns helfen, uns als Team noch besser zu finden." Am Ende der 14-tägigen Reise sollen die Spieler die Möglichkeit bekommen, mehr vom Riesenreich China zu sehen, als auf der Fahrt zum Training oder zu den Turnierspielen aus dem Bus heraus möglich ist. Geplant ist ein Besuch der Großen Mauer, in Peking soll über das weitere Freizeitprogramm entschieden werden. Aber Herbert hat schon beschlossen: "Bis zum 29. August gibt es keinen freien Tag."

Demirel mit China-Erfahrung

Die chinesischen Gastgeber haben jegliche Unterstützung zugesagt, "wir trainieren in hervorragenden Anlagen und könnten es nicht besser haben", lobte der Trainer. Geschäftsführer Marco Baldi nannte es "eine große Ehre, dass wir Europa und Deutschland bei diesem Turnier vertreten dürfen und dass das olympische Dorf eigens für uns geöffnet wird". Die Hilfe geht sogar so weit, dass die kulinarischen Gepflogenheiten der Gäste berücksichtigt werden - zuungunsten der chinesischen Küche. Team Manager Demirel schickte einen Speiseplan nach Peking. Die Herausforderung für die Köche ist nicht allzu groß: Das Menü umfasst Hühnchen, Reis, Nudeln, gekochtes Gemüse, Steaks, Salat.

Demirel ist übrigens der Einzige in der morgigen Reisegruppe, der schon in China war, 2006 war das, als Spieler mit der deutschen Nationalmannschaft. Ein Mann, dessen Erfahrungen also wichtig sind. Sein Tipp? "Pack die Badehose ein", kommt trocken zur Antwort. Der Wetterbericht sagt für die nächsten Tage über 30 Grad voraus. Und Schwüle. Ist sicher gut für die mentale Härte.